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Der Wanderer

BcllctristischcS Beiblatt zur Naffmüschcn Allaem. Zeitung.

1849. JVä 109.

A Der schwarze Bettler.

(Fortsetzung.)

So lange man in Paris blieb, hatte Ler Fiaker keine große Mühe, der Postchaise zu folgen. Doch als sie den ebenen Sandweg in den elisäischen Feldern einschlu­gen, trennte bald eine große Entfernung die beiden Wagen.

Frisch darauf los," rief der Bettler.

Seyd ohne Sorgen, Bürger!" erwiederte der Kut­scher,wir werden sie schon wieder einholen."

Wirklich hatte auch die Miethkutsche vor der Bar­riere de l'Etoile den andern Wagen wieder eingeholt.

Zu Saint-Germain en Laye hielt die Chaise an, um die Pferde zu wechseln. Der Fiaker fuhr ihr vor und erlangte einen Vorsprung, den er aber bald wieder verlieren sollte. Die beiden Pferde fingen erbärmlich an zu schnaufen, ihr Körper rauchte und dicke Schweißtropfen liefen an ihrem Körper herab.

Neptun zeigte dem Kutscher, der bedenklich wurde, eine Hand voll Goldstücke.

Werden die Pferde wohl noch zwei Poststunden aushalten?" fragte er unruhig.

Zwei Poststunden! Ich nehm's nicht auf mich, Gevatter, und wenn Ihr mir auch all die Goldfüchse geben würdet, die Ihr mir so eben gezeigt."

Fahrt nur zu!" rief der Neger ärgerlich.

Die Postchaise, welche mit zwei frischen Pferden be­spannt war, fuhr im Galopp über einen Abhang hinab, und wie der Blitz an der Miethkutsche vorbei.

Frisch darauf los!" rief der Bettler,wir dürfen den Wagen nicht aus dem Auge verlieren."

Der Kutscher that sein Möglichstes, aber seine Pferde ermüdeten auf eine höchst bedenkliche Weise und im näch­

sten Augenblicke hatte Neptun die Chaise bei einer Wen­dung des Weges aus dem Auge verloren.

Habt keine Angst," versetzte der Kutscher,bei der nächsten Krümmung werden wir sie wieder sehen."

Man gelangte an diese Krümmung, sah aber nichts.

Der Kutscher verdoppelte seine Schläge und die Pferde flogen, den Kopf zwischen den Füßen, mit rau­chenden Nasenlöchern und stolpernden Beinen, von Todes­angst gejagt, wie der Wind dahin.

Die Nacht begann hereinzubrechen. Endlich erblickte man auf dem Gipfel eines entfernten Berges den Schat­tenriß der Postchaise wieder. Zugleich zeigten sich in der Ferne die Lichter der Gebäude von Meulan.

Einige Minuten nachher erfolgte ein furchtbarer Stoß ... Die beiden Pferde waren zu gleicher Zeit zu­sammengestürzt. Man war in Meulan und sah in ganz kurzer Entfernung die Postchaise die Pferde wechseln.

Neptun sprang aus dem Fiaker, warf dem Kutscher zehn Goldstücke zu und lief der Postchaise nach. Im Augenblicke, als diese fortfahren wollte, sprang er auf deren Hintersitz, klammerte sich an die Federn an und fuhr mit ihr fort. So gelangte er sammt der Chaise nach Schloß Rumbrye. Ungefähr 200 Schritte vom Schlosse entfernt, sprang er von seinem Sitze herab und schlich sich unbemerkt hinter die Bäume des Parkes.

Es war acht Uhr Abends. Die vorausgesandten Diener hatten Alles zum würdigen Empfang der Familie von Rumbrye und ihrer Gäste eingerichtet. Kaum war die Marquise angelangt, als andere Postchaisen, in denen die geladenen Gäste sich befanden, ebenfalls ihren Weg durch die Allee nahmen.

Der Tag war prachtvoll gewesen. Eine glühende Oktoberhitze hatte die Luft sehr schwül gemacht. Alle Fenster des Saales, welcher im Erdgeschosse lag, waren deßhalb offen, um den Gästen frische Lust zuzuführen. >