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Der Wanderer.

BciblaN zur Raffauischcn Allgem. Zeitung

1849. .45 101.

A Der s ch w a r z e Bettler.

(Fortsetzung.)

Nach einer Stunde erschien Carral an der Thüre. Beim Anblicke des schwarzen Bettlers entfuhr ihm eine Geberde des Unwillens. Sogleich aber faßte er sich wie­der, und eilte schnell die Straße hinab.

In demselben Augenblicke bogen drei schwarz geklei­dete Männer um die Ecke der Straße und schritten auf ihn zu; er verbarg sich.

Die Männer blieben vor der Hausthür stehen, bis eine Rotte Polizeisoldaten am äußersten Ende der Straße erschien. Als wenn er nur hierauf gewartet hätte, zog Derjenige, welcher der Vorgesetzte zu seyn schien, eine weiße Schärpe hervor und umgürtete sich damit.

»Jetzt wollen wir hinauf, meine Herren," sagte er.

Der Bettler schlug sich vor die Stirn.

Ich begreife! ich begreife!" rief er voll Angst aus; der Brief!... man will ihn verderben!... und ich kann ihn nicht retten."

Wir wollen jetzt kurz anführen, was seit einer Stunde im Innern des Hauses vorgegangen war.

Als Carral und Lavier in die erste Etage hinauf­gestiegen waren, empfing sie ein Diener, dem sich Carral zu erkennen gab, worauf die beiden Freunde in einen großen mit Lampen erleuchteten Saal geführt wurden, obgleich es heller Tag war. ,

In diesem Saale befand sich eine große längliche Tafel, um die eine dreifache Reihe von Spielern stand. In der Mitte hielt ein Croupier das Trente et quarantc.

Als unsere beiden Freunde eintraten, wandte Nie­mand den Kopf nach ihnen um. Jedermann war zu sehr mit dem Spiele beschäftigt. Nur ein Herr, dessen aus­gemergelter und eckigker Körper die Galgenphysiognomie eines Spitzbubengesichtes trug, schritt auf sie zu und

grüßte Carral mit der Miene eines Bekannten. ES war der Eigenthümer der Anstalt.

Wie geht's?" fragte er.Ist der Herr gut?"

Die letztere Frage sprach er leise auS, indem er nachdrücklich mit dem Auge blinzelte.

Dieser Herr ist mein Freund," antwortete der Mulatte.

Außerordentlich erfreut, Ihre werthe Bekanntschaft zu machen," begann der Besitzer deS Hauses, indem er sich mit einem Lächeln des Einverständnisses an Lavier wandte, welches seine Wirkung gänzlich verfehlte.

Meine Anstalt steht ganz zu Ihren Diensten. Hier haben wir das Trente et quarante, in dem Saale zur Rechten wird Ecarté, in dem zur Linken Bouillotte ge­spielt ... im zweiten Stocke Whist und Trischäckspiel... Sie haben nur zu wählen... Was das dritte Stock­werk betrifft..."

Schon gut, Herr Moutet," unterbrach Carrals

He! he!" machte Herr Moutet mit hündischem Lä­cheln, der Herr ist also kein Freund von Dem, was wir im dritten Stocke haben ..."

Carral gebot ihm mit einem Winke Schweigen.

Wir wollen unser Glück im Roulette versuchen," sagte er.

Sie stiegen in den zweiten Stock hinauf.

In der Mitte eines mit einem grünen Teppiche be­deckten Tisches befand sich eine Art runden Beckens, dessen Rand in kleine, abwechselnd roth und schwarz bemalte Fächer eingetheilt war. Diese Fächer waren alle nume- rirt. Im Mittelpunkte des Beckens, welches genau in ein in dem Tische angebrachtes Loch eingepaßt und be­weglich war, stand eine Kurbel in die Höhe, vermittelst welcher der ganze Apparat in eine kreisförmige Bewegung gesetzt werden konnte. Rings um das Becken herum war