Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

lletristisches Beiblatt zur Nassauischen

Zeitung.

1849. M 96.

^ Der schwarze Bettler.

(Fortsetzung.)

Jon jetzt an begann für Florence ein neues Leben. ,, wie sie war, und von den schlechten Grundsätzen niederträchtigen Lehrers erfüllt, besaß sie mit 17 n schon die Kraft, der öffentlichen Meinung zu l. Ihr Haus ward der Sammelplatz aller Aben- , die in der Regel auf den Kolonien wie Pilze -schießen und gedeihen. Sie trug eine übermüthige Iwenbung und Pracht zur Schau, ließ allen ihren Lasten Neigungen die Zügel schießen und zog die neine Verachtung auf sich.

Der Engländer war bald vergessen; seine eigenen dsätze hatten am meisten dazu beigetragen, ihn aus Gedächtniß zu verdrängen. Er hatte in dem Her- es jungen Mädchens zwei Götzen großgezogen: die (sucht und die Wollust. Für diese beiden Leiden­en eristirt der Abwesende nicht.

Florence gab nach einigen Monaten einem Knaben leben. Dieses Ereigniß unterbrach kaum ihre Feste. , das muß man gestehen, fühlte sie gleich eine lei- -aftliche Zärtlichkeit für den jungen Alfred. Er war Lohn des Engländers, und dieser sollte der einzige n bleiben, für den Florence ein sich der Liebe nähern- Gefühl empfand. Ihre andere Neigungen waren (üme und leidenschaftliche Phantasien; niemals liebte

1 dem Sinne, den edle Seelen diesem Worte bei#

)och sie ward geliebt, geliebt mit Hingebung und nschaft. Sie war ja so wunderbar schön!

)er General Leclerc war mit den französischen Trup- auf San Domingo gelandet. Eine seiner ersten düngen war, daß er den Lieutenant Lefebvre zum itmann erhob, dessen umsichtige Maßregeln lange

Zeit die Ruhe und Sicherheit in der Kapstadt aufrecht erhal­ten hatten. Angelegentlichst bemüht, sich dieser Gunst werth zu zeigen, verdoppelte der neue Kapitän seinen Eifer. Oftmals durchstrich er die ungeheueren Kaffee- und Rohr­pflanzungen, welche die Kapstadt umgeben, nur von sei­nem Neger Neptun begleitet; er wagte sich sogar häufig in die Gebirge, um die Stellungen der aufrührerischen Schwarzen zu erkunden. Diese waren vollständig orga- nisirt. Ihre Macht war bedeutend, ihre Kriegsführung ebenso grausam als gefährlich. Mehr als einmal gerieth der Kapitän Lefebvre in einen Hinterhalt, und dankte nur der wunderbaren Stärke und treuen Unerschrockenheit seines schwarzen Dieners sein Leben.

Dieser Letztere war beinahe vierzig Jahre alt; seine Gestalt groß und wohlgbeildet, seine Züge so regelmäßig, als die eines Negers seyn können. Uebrigens unterschied sich auch seine Physionomie merklich von seiner Race: in dem Ausdrucke seiner Züge lag Offenheit, Hingebung und große Willenskraft.

Diese letztere Eigenschaft hinderte ihn nicht, der ge# horsamste Diener zu seyn. Sein Herr hatte ihn freige# macht; von diesem Tage an war er wirklicher Sclave ge­worden. Seit dieser Zeit weihte er dem Hauptmann Lefebvre eine unbegränzte Anhänglichkeit, und führte alle Befehhle desselben mit der Pünktlichkeit eines Auto­maten aus.

Trotz dieser gänzlichen Verleugnung feiner selbst, trotz dieser unbedingten, blinden Ergebung war Neptun sehr stolz darauf, frei zu seyn. Jene gutmüthige Naivetät voll gesunden Menschenverstandes, welche Leuten dieser Menschenrace eigen ist, lehrte ihn, daß, von einem Rechte keinen Gebrauch machen, noch nicht dasselbe aufgeben heiße. Er ergötzte sich oft an dem Gedanken, daß von dem Tage an, wo er eS wollte, jede Fessel aufhören würde, obgleich er fest entschlossen war, diese Fesseln nie