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Der Wanderer.

Lctristischcs Beiblatt zur Raffauischeii Allgem. Zeitung.

1849. .1" 95.

Einent Bergesfenen.*)

Mit Sang und Klang, als Reiches Retter

Begrüßt, im Römer fam*er an, Ein Rauschen ging durch alle Blätter Auf seiner Triumphator-Bahn;

Und nun, da ungekrönt! er wieder Berläßt die Krönungsstadt am Main, Nun soll sein Gehen ohne Lieder, Soll klanglos sein Verschwinden seyn?

Wo sind sie denn, die Patrioten,

Die großen und die kleinen Herrn, Die damals in der Noth nach Noten Lobsangen dem Johannis-Stern? Wohl sah ich ihrer viel erscheinen Vor ihm, glückwünschend und gebückt; Doch heute seh' ich Keinen, Keinen Der ihm die Hand znm Abschied drückt!

Vor jener Sonne, die gen Norden Verhüllt und zögernd sich erhebt, Ist bleich der schöne Stern geworden, Der dienstbar ihr voraufgeschwebt; Und dennoch war sein Amt das schwerste Das jemals einem Stern gesetzt: Er kam im Graun der Nacht der erste Und schwand im Morgengraun zuletzt.

Drum, eh er ganz hinabgegangen Am Saum der Alpen von Tirol, Laßt uns noch einmal ihn umfangen Mit langem, lautem Lebewohl;

Vom Donaustrande bis zur Weser Erhebt die Stimmen, Mann für Mann: Ein Hoch dem deutschen Reichsverweser, Ein Hoch dem Erzherzog Johann!

Kredenzt ihm, wie beim Einzugsmahle, Den feierlichen Ehrentrank,

ins dem Morgeublatt.

Doch ja nicht in derselben Schale Wie Fürsten-Dank, auch Volkes-Dank! Das wolle nie, mein Volk, Vergessen Daß er in Nöthen zu dir kam, Und daß er, da du nichts besessen Als ihn, sich selber dir nicht nahm!

Wohl mag die Neuzeit, die in ätzend

Giftwaffer alle Namen taucht, Und jeden Mann als Waare schätzend, So rasch ihn mißbraucht wie verbraucht, Wohl mag sie auch an diesem nagen, Seit sie zuschwach" denGreis" erfand; Ei, Hatt' er denn ein Schwert zum Schlagen, Hat er zum Handeln eine Hand?

Auf seiner schmalen Höhe stund er, Vom Abgrund links und rechts umklafft; Daß er nicht ausglitt, war ein Wunder, Das Wunder seiner eignen Kraft. Als Haß und Hader und Entzweiung Die deutsche Erde weit zerriß, Da hielt er über dec Parteiung Sich aufrecht einsam, doch gewiß!

Nein, schmäht undankbar nicht den Alten Auf seines Weges letztem Schritt, Der viel verhütet, viel gehalten, Der tiefer als wir alle litt.

War es die Schuld des wackern Mannes, Daß in der Wüste zu Berlin Auf ihn, den taufenden Johannes, Noch kein getaufter Christ erschien?

Zieh heim, gleich allen Zeitprophelen Grausam verbüßend fremde Lust! Die Lüfte, die vom Taunus wehten, Sie drückten lang schon deine Brust; Zieh wieder heim und trinke wieder Den Athem deiner Berge ein, Und bade die erlösten Glieder In warmer Lethe von Gastein!