Der Wanderer.
ieHetriftifd)c6 Beiblatt zur Rassamscheu Allgcm. Zeitung
1849. — â 94.
△ D er schwarze Bettler.
(Fortsetzung.)
„Glauben Sie mir, Madame, sagte Alfred, hier ist rr von Carral, den ich den ganzen Abend umsonst gesucht habe!"
„Wahrhaftig! rief Frau von Rumbrye, indem sie } an den Neuangekommenen wandte; eS ist ja ein gan- Jahrhundert, daß ich nicht das Vergnügen hatte, e zu sehen!"
Carral grüßte schweigend.
„Sie sehen sehr leidend aus, fuhr die Marquisin mit barmherziger Ungezwungenheit fort; sind Sie krank vesen?"
„Ich bin in der That leidend," entgegnete Carral.
„Der Teufel soll mich holen, wenn er nicht aussieht, r ein aus dem Grabe kommender Geist," brummte .fred, den seine Weste drückte und der überhaupt übler une war.
Frau von Rumbrye stieß ihren Sessel auf die Seite.
„Einen Stuhl für den Herrn von Carral! sagte sie t kaum bemerkbarem Hohne, den nur er allein fühlen d bemerken konnte; setzen Sie sich zu mir, fuhr sie t; den Kranken und den Damen ist man gleiche Rückst schuldig."
Carral gehorchte mechanisch, setzte sich und bl.ieb un# weglich.
Die durch diesen Vorfall einen Augenblick unterbro- ne Unterhaltung ward bald wieder allgemein.
„Die Frau Marquise, sagte Lavier nach einiger Zeit, t mich beauftragt, sie an ein Versprechen zu erinnern, ckcheö sie uns zu machen die Güte hatte... Die Gesichte eines gewissen Jonquille..."
„Beim Nachtisch," unterbrach Frau von Rumbrye, rbei sie einen fragenden Blick auf Carral richtete.
Dieser aber rührte sich nicht. Seine Gesichtsmuskeln schienen von Erz zu seyn.
„Auf Ehre, Madame, rief Alfred, das heißt unsere Geduld mißbrauchen!"
„Sie wissen so gut zu erzählen!" sagte eine Gräfin.
„Auf so ergötzliche Weise!" versicherten mehrere Barone.
Die Marquise zögerte einen Augenblick, während dessen Carral sich langsam umwandte und sie fest ansah.
Frau von Rumbrye nahm diesen Blick für Trotz, und da die ganze Gesellschaft in sie drang, lächelte sie auf grausame Weise und sagte:
„Man würde mir es wenig Dank wissen, wenn ich länger zögerte. Hören Sie daher die Geschichte des Mulatten Jonquille."
„Schweigen Sie um Gottes Willen!" rief Carral mit herzzerreißender Stimme.
„Auf San Domingo lebte, begann die Marquise, ohne im Mindesten gerührt zu werden, ein Mulatte, Namens Jonquille. Er war der Sohn einer Negerin, die Pasiphae hieß, und eines weißen Bedienten..."
„Genug, röchelte Carral, ich will ihn zu Grunde richten, ich will ihn todten , wenn es nöthig ist."
Die Marqui'e fuhr in ihrer Erzählung fort, jedoch nicht, ohne vorher auf des Mulatten Bitte mit einem bezeichnenden Blicke geantwortet zu haben. Der Bund war fester denn je zwischen ihnen geschloffen.
Dieser Vertrag hinderte indessen Frau von Rumbrye nicht, Carrals Geschichte mit allen ihren Einzelnheiten zu erzählen. Sie hatte angefangen; sie konnte jetzt unmöglich gleich wieder abbrechen. Nur änderte sie den Namen des Helden der Erzählung. Um jedoch hierdurch nicht ihre Macht über den Mulatten zu schwächen, trug sie Sorge, ihre Zuhörer davon zu benachrichtigen, und setzte am Ende ihrer Erzählung hinzu: