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Der Wanderer.

belletristisches Beiblatt zur

Allgem.

1849. M 91.

^ Der schwarze Bettler.

(Fortsetzung.)

Helene war auf ihrer Hut. Im wahren Sinne des i rtes zu wohlerzogen, um jemals die Achtung zu verletzen, sie der Gattin ihres Vaters schuldig war, beobachtete regen dieselbe eine Zurückhaltung, die sie um so mehr lveifeln ließ, als niemals der Anstand dadurch »er# wurde.

Auf dieser Seite besiegt, fühlte die Marquise ihre ahe sich vermehren. Sie erwog, daß Helenens zeigen von weit größerer Bedeutung war, als ein ändniß. Sie maß die Liebe des jungen Mädchens )en Schrecknissen ihrer eigenen Erfahrung ab, und dte bei dem Gedanken, daß ein jugendlicher Eigen- , eine Laune des frühesten Alters, den Plan ver- :cn könne, auf den sie alle ihre Wünsche und Hoff­ten gebaut hatte. Sie war ein Weib, sie war eine Dlin. Es ist allerdings anzunehmen, daß, im Prinzipe gstens, ihre Befürchtungen übertrieben waren, und ihre fieberhafte Einbildungskraft sich, als wenn sie Vergnügen daran fände', über eine Sache übermäßig zte, die einen denkenden Mann kaum beschäftigt ha- würde. Aber wer weiß nicht, wie oft in dergleichen m das Vorgefühl den Sieg über die Berechnung da­trägt, und daß das Fieber selbst oft mehr taugt als Lernunft? Als Mutter, die in diesem Augenblicke $ ihrer mütterlichen Zärtlichkeit zu opfern entschlossen , wollte die Marquise sich mächtiger Waffen ver- n, um wirkliche oder eingebildete Gefahren siegreich rzukämpfen. Sie sah in Lavier ein gefährliches Hin- ß und ihre stets lebendige Leidenschaft zeigte ihr dies erniß in einem so furchtbaren Lichte, daß sie vom l Tage an beschloß, ihm einen erbarmungslosen pf zu liefern. Lavier versperrte ihrem Sohne den

Weg und folglich auch ihr, die auf ihre mütterliche Liebe nun alle Glut ihrer früheren geschlechtlichen Liebe über­tragen hatte.

Es bleiben uns nur noch einige Worte über ihren Sohn zu sagen, die unschuldige Ursache dieses grausa­men Kampfes, die unthätige Grundlage, auf der alle die ehrgeizigen Pläne der Marquise beruhten. Es war ein prächtiger Junge, fünf Fuß sieben Zoll und darüber hoch, der die damalige neueste Mode der Backenbärte ü la Guiche sorgfältig pflegte, und unter dem erstickenden Drucke seiner eng zusammengeschnürten Weste kaum zu athmen vermochte. Herr Alfred Lefebre des Vallees konnte als ein durch seinen Schneider vervollkommnetes Muster von einem Elegant aufgestellt werden: er sprach herrlich über Pferde, und trieb die Verwegenheit sogar so weit, zuweilen auf der Straße zu rauchen, was btS dahin unerhört war. Seme Mutter versicherte, er habe viel Verstand; und da er dies so oft hörte, so glaubte er es zuletzt auch. UebrigenS war er denn doch gerade nicht einfältiger, als der gewöhnliche Haufen der Modegecken.

Diesen achtungswerthen jungen Herrn hatte die Marquise zum Gemahl für Fräulein von Rumbrye aus­ersehen, wogegen er selbst nichts einzuwenden hatte. Er fand Helene hübsch, und hegte auch keine Abneigung gegen die 500,000 Franken Rente seines Schwiegerva­ters. Nur die Zustimmung des Letzteren war nichts we­niger als leicht zu erlangen. Herr von Rumbrye nahm sich, so wenig er auch die schuldige Artigkeit zwischen Ehegatten außer Acht ließ, doch nicht die mindeste Mühe, zu verbergen, wie wenig ihm an Alfred gelegen sey, und es stand daher nicht leicht zu hoffen, daß er zu einer derartigen Verbindung die Hand bieten werde.

Der erste Anstoß mußte also von Helene ausgehen, der ihr Vater nichts verweigern konnte. Dieß war der wichtigste Punkt. Gott weiß, wie lange schon die Mar-