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Der Wanderer.

Selletnstifches Beiblatt zur Naffamscheu Allgkm. Leitung.

1849. â 86.

® et schwarze Bettler.

(Fortsetzung.)

Gebieterin! rief er, ich bitte Sie nochmals, haben e Mitleid mit ihm! Er ist erst zwei und zwanzig $re alt; sein Herz ist edel und rein. Er kennt das glück nicht..."

Genug! unterbrach die Marquise. Man sollte glau- i, Herr von Carral, Ihr wolltet heute meine Geduld 7 die Probe stellen! Wahrhaftig, Ihr habt mir ge- ht!... Ihr sagtet: ich will; Ihr habt alle Schran- der Frechheit überschritten!..."

Gebieterin!..."

Nuhig!"

Die Marquise stieß heftig den Schemel mit ihrem ße von sich und wandte sich nach Carral hin, der zu ern begann und zurückwich.

Du siehst wohl, daß Du Furcht hast, Mulatte! cke Frau von Rumbrye mit niederschmetternder Verach/ g. Du hast Negerblut in Dir und gleichst den Män- n Europa's nur in der erbärmlichen Nichtigkeit, welche ' Parodie auf ihren männlichen Stolz ist! Du ge­st mir; Du hast es gesagt, und die Wahrheit gespro-

; doch wenn ich auf diese moralische Sklaverei rechne, zeschieht es nur, weil Du der Sohn eines Schwarzen

; weil ich Deine Erbärmlichkeit erkannt habe, und

Du, statt Deine Stirne wie ein Mann zu erheben, ne Abkunft unter einem fremden Namen verbirgst! ich kann es jetzt Dir ohne Furcht sagen. Du kannst t mehr zurück. Du mußt Don Juan von Carral >en, weil Du sonst von Allen verabscheut und wie Feigling behandelt werden wirst."

Welch' Unglück! rief Carral dumpf.

Du hegst keine Furcht, ich möchte Dein früheres n aufvecken; Du hegst keine Furcht, daß ich sagen

möchte: Dieser Mann ist ehrlos, sein Leben ist mitten unter schimpflichen Handthierungen hingeflossen; seine Kleider waren früher von dem Schmutze ekelhafter Orte befleckt, in denen er vom Morgen bis zum Abend sich aufhielt... Du fürchtest blos, ich möchte Dich eines Tages Jonquille oder Mulatte nennen. Ich kenne Dich und beurtheile Dich darnach. Nicht aus Mitleiden für Lavier vertheidigtest Du eben dessen Sache, sondern um Widerstand zu versuchen, um zu sehen, ob das Joch schwer abzuschütteln sey. Ich verzeihe Dir noch diesmal, doch, glaube mir, zum letztenmal."

Die Marquise hatte während des Sprechens sosehr ihre Haltung und sogar ihre Miene geändert, daß es schwer hielt, sie wieder zu erkennen. Sie hatte stolz ihr Haupt erhoben; ihr Hals hatte die Weichheit ihrer Um­risse verloren; alle die nachlässigen und anmuthigen wel­lenförmigen Bewegungen seiner Gestalt waren verschwun­den. Ihr Auge, dessen Gluth seinen eigenen feuchten Glanz aufzehrte, hatte einen brennenden scharfen Blick angenommen. Ihre Augenbraunen hatten sich genähert, 'die Linien ihres Mundes waren in Winkeln gebrochen und hatten ihre harmonische Rundung verloren, und eine tiefgehende Falte durchfurchte ihre eben noch so reine Stirne. Alles an ihr unterstützte die unbezwingliche und plötzliche Kundgebung ihres eisernen Willens.

Kaum hatte sie die letzten Worte gesprochen, als ihre heftig angespannten Muskeln auch schon wieder er­schlafften. Sie ließ sich in den Sessel zurückfallen und nahm ihre nachlässige Stellung wieder ein.

Carral versuchte nicht zu antworten.

Einen Augenblick gab ihm seine ohnmächtige Wuth den Gedanken an ein Verbrechen ein. Seine Hände öffne­ten sich instinktartig, um das schwache und zerbrechliche Wesen zu erdrücken, das ihn mit Füßen trat. Doch wagte er.es nicht, und von jetzt an mußte er sich, von dem