Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1849. — ^ 81
S ch l i ch t e N e i m e.
(Kölner Zeitung.)
Von unten, ja, so soll es sein,
Von unten aufzubau'n thut noth, Doch sei das Fundament von Stein, Nicht fauler Schlamm und Straßenkoth.
Des Auslands Kehricht — o der Schmach! —
Vor Allem werde weggefegt, Dann kommt der feste Stein zu Tag, Den deutscher Grund und Boden hegt;
Er kommt zu Tag bei jedem Schritt Auf freiem Feld, auf frischer Flur; Nur wer den Bann der Stadt betritt, Verliert mitunter seine Spur.
Du Fels der Treu' und Biederkeit, Die in des Landmanns Hütte wohnt, Die trägst den Bau der künft'gen Zeit, Drin Deutschlands Macht und Größe thront!
Von unten, ja, so muß es sein, Von unten aufzubau'n thut noth, Doch sei das Fundament von Stein, Nicht fauler Schlamm und Straßenkoth.
△ Der schwarze Bettler.
(Fortsetzung.)
Don Juan schien bereits zu bereuen, so gesprochen u haben, denn er fuhr sogleich fort, indem er Heiterkeit euchelte:
„Ich bin zu weit gegangen, mein Lieber, viel zu eit! Sie haben meiner Treu glauben müssen, daß es ch wenigstens um einen Verräther hierbei handele, wie : in einem Melodrama vorkommt, — nein; es lebt Je-
I mand auf dieser Welt, der Sie nicht liebt.....Das ist Alles."
„Und dieser Jemand ist?"
„In der That, das kann ich Ihnen nicht sagen.... Doch was liegt daran!... Eine kleine Hülfe kann zuweilen viel nützen: wollen Sie meine Dienste annehmen?"
„In einer Angelegenheit von so zarter Art, sagte Lavier zögernd, sehe ich nicht ein...."
„Worin ich Ihnen dienen kann?... ich auch nicht. Doch ich bin wohlgelitten im Hotel von Rumbrye, Sie wissen es ja.... Wenn ich seit einiger Zeit nicht mehr dahin gehe, so geschieht es ..."
Carral hielt einen Augenblick inne, und fuhr dann mit gewissem Unbehagen fort:
„Ich begehe freilich ein Unrecht, und ich sehe bereits die Zeit voraus, wo ich genöthigt seyn werde, wieder dorthin zu gehen. Wenn man Jemanden wirklich nützlich seyn will, so findet man stets ein Mittel...."
Lavier ergriff die Hand seines Gefährten und drückte sie herzlich.
„Sie sind ein guter Freund, Carral, sagte er; ich danke Ihnen und nehme Ihr Anerbieten an.... Doch um Jemanden zu dienen, muß man ihn von Grund aus kennen, und Sie kennen mich noch nicht."
„Doch! doch!" rief Carral, seinen schneidenden Ton wieder annehmend; „ich weiß Ihre Geschichte, oder vielmehr ich errathe sie. Es ist die einer Masse von Romanhelden. Sie wissen Ihre Herkunft nicht: Ihre Mutter, oder in Ermangelung derselben irgend ein gefälliger Banquier schickt Ihnen jeden Monat eine mäßige Summe."
„Das ist es nicht," unterbrach Lavier.
„Nicht? So ist es doch etwas Aehnliches?"
„Es ist etwas Trauriges, Carral!" sagte Lavier langsam; „ich weiß meine Herkunft nicht; ich kenne weder meinen Vater noch meine Mutter. Im Kolleg wurde