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Der Wanderer

BeHctriftifd>c6 Beiblatt jur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1849. 30 7«.

Cin ReLse-Schwank

Von I. Kerner.*)

Unten in einem tiefen Thale lagen Hütten und Fel- er, gingen Mädchen singend am Ufer eines Flusses und ahen aus einem zarten Schleier, gewoben vom Dampf er Blüthen und Kräuter, zu uns empor. Als ich so land, sah ich am Fuß des Berges einen Postwagen orüberfahren. Ich war bald entschlossen, meine Reise ait ihm fortzusetzen, und erreichte den Wagen noch un# oeit des Berges. Der Wagen ging gar langsam, auch oar hinten ein hinkendes Pferd angebunden, das an ihm ückwärts zog. Ich erkannte in diesem Pferde den leder- :en Rappen des bewußten Pfarrers, als ich den Pfar- er selbst jn dem Wagen erblickte. Der Pfarrer hatte as Kinn mit seiner Stockbibel unterstützt und saß neben iner Maschine, die ich alsbald für den Bronnenmacher on Grasburg erkannte. Noch saß in dem Wagen ein ustiger Koch, den ein fremder Graf in Dienste genom- aen hatte und der nun an den Ort seiner Bestimmung eiste. Der Tag war recht heiß gewesen, der Postwagen am in einem langsamen Zug von GraSburg hergeschlichen, md der Bronnenmacher wie der Pfarrer klagten lamen­abel über Durst und Hunger. Der Koch hing von Zeit u Zeit wegen des Mücken- und Sonnenstichs, wie er ergab, ein Tuch über sein Gesicht, ich bemerkte aber ar wohl, wie er da jedesmal eine Hühner- oder Fasa­lenkeule unter dem Tuch zum Munde brachte, deren Ge- uch dem Pfarrer und dem Bronnenmacher gar ârger# ich in die Nase stach. Dies bemerkte der Koch wohl, oar aber ein lustiger Kerl, weßwegen er auch also sprach: Eine Krebssuppe wäre jetzt nicht übel!"

Hum!" schmunzelte der Bronnenmacher.

Ja, wenn ich jetzt eine Tafel zu besorgen hätte, o würde ich gewiß mit einer Krebssuppe den Anfang

*) Aus de»Reiseschatten".

machen, und die müßte dann eine solche kraft- und saftvolle Brühe haben, daß die Krebse von ihr gestärkt, wieder lebendig würden und vor Entzücken mit den Schwänzen wedelten, und allerlei humoristische Stellungen machten, welches gewiß wunderlich anzusehen wäre. Auf diese Krebssuppe müßte dann nothwendig Rindszunge mit Sardellensauce folgen."

Hum!" schmunzelte der Pfarrer.

O, das ist vortrefflich! Meine Herren, greifen Sie nur keck zu; hier ist auch eine Zitrone zum Ausdrücken darauf!"

Der Bronnenmacher und der Pfarrer streckten die dürren Zungen bei diesen Worten heraus und ließen sie so hängen.

Aber hier diese Fleischpastete!"

Hum!" machte der Bronnenmacher, indem er sich auf die Zunge biß.

Herr Pfarrer, nehmen Sie den Deckel herab!"

Der Pfarrer lächelte konvulsivisch.

Da sehen Sie in der gewürzreichsten Sauce zwei wohlappretirte Hähne, die krähen vor Entzücken, daß sie so wohl schmecken und schlagen mit den Flügeln an den Magen, der mit gebratenen Kastanien gefüllt ist."

Der Bronnenmacher strich mit der Hand über den Bauch.

Ich muß selbst gestehen," sprach der Koch weiter, sie schmecken auch ganz vortrefflich. Greifen Sie doch zu! Hier dies Pfaffenschnitzchen, das muß ganz exzel­lent seyn, so appetitlich weiß, mit einem braunen Rande, wie Butter. Mein! drücken Sie doch einige Tropfen dieser saftigen Zitrone darauf!"

Nun kann ich's nicht mehr aushalten," schrie der Pfarrer und biß dem Bronnenmacher in die fette Backe.

Der Bronnenmacher that einen lamentabel» Schrei.

(Schluß folgt.)