Der Wanderer.
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kllctristischcS Beiblatt jur Naffamschcn Allgem. Zeitnag.
1849. — M «S.
Die Familie Wilberston.
(Fortsetzung )
Die Charakterfestigkeit, welche Herrn Damby aus- chnete, stieg bei diesem neuen Falle zu einer glänzen- U Höhe. Ein Anderer wäre dadurch muthlos gewor- 1, er aber, immer ruhig, blickte mit sicherer Erwartung die Zukunft. Einige seiner Freunde fragten ihn wohl, er nach Liverpool zurück kehren und das Geschäft nes Vaters fortsetzen würde; aber Damby antwortete ien lächelnd: Ich denke nicht daran. — So schreiben ie vielleicht einen zweiten Roman?— Nein, er ist schon schrieben. — Aber Sie finden keinen Verleger dazu! — h finde jedenfalls einen, der das Werk umsonst nimmt.— un, das ist doch kein vortheilhafter Kauf. — Man muß warten verstehen, ich werde vielleicht glücklicher seyn :t meinem dritten Roman, den ich in der Mappe habe.
Man sieht, Herr Thomas Damby kämpfte mit dem ublikum auf Tod und Leben, wenn wir uns eines egerischen Ausdruckes bedienen dürfen. Er wußte, daß an durch Ausdauer und Fleiß den gewünschten Erfolg ringt. Auf diese Weise und mit diesem Eifer schrieb in fünf oder sechs Jahren fünfzehn Romane, die aus und so viel Bänden bestanden, und zwar ohne seine urnalistischen Arbeiten deßhalb zu verkürzen.
Ich habe so eben eine sonderbare Arbeit vollendet, gte eines Tages einer seiner Freunde zu ihm. Ich ibe nämlich berechnet, daß man mit deinen sämmtlichen Werken, wenn man ein Blatt neben das andere legt, nen Flächenraum von zehntausend Quadrat-Fuß decken kann, daß man mit den Federn, welche du abgewieben hast, fast das Laubwerk der zwei größten Bäume Greenwich ersetzen, und mit der Dinte, welche du 'rschrieben hast, eine Schaluppe von vier Rudern flott achen kann.
So! antwortete ruhig Damby. — Ich bin davon überzeugt, sagte der statistische Freund, und du wirst es nicht übel nehmen, wenn ich dir sage, daß ich dich im Verhältniß zu solchem Verbrauche wenig reich und noch weniger berühmt finde. ■— Geld und Ruhm stehen vor meiner Thür, antwortete der Dichter tröstend seinem Freunde. — Laß sie doch eintreten! — Morgen vielleicht, morgen erscheint mein neuester Roman, mein Meisterwerk. — Und wie nennst du es? — Die Familie Wilberston, oder Irrthum und Vorurtheil, Sittengemälde aus unserer Zeit. Ein Roman in vier Bänden in Duodez.
In der That, der Roman erschien am folgenden Tage; aber England äußerte nicht die geringste Bewegung bei Ankündigung dieses Ereignisses. Alles ging wie gewöhnlich, und der Laden des Buchhändlers wollte sich auch dieses Mal nicht füllen. Wieder ein Fiasko, sagte der Buchhändler. — Das setzt mich in Erstaunen, antwortete der Dichter. — Sie wundern sich stets — Es ist wahr, daß mich das Publikum immer auf's Neue in Erstaunen setzt; aber Geduld! Sie haben von meinem vorigen Roman zweihundert Eremplare verkauft, der Fortschritt ist somit unverkennbar. — Ich wünsche es, sagte der Buchhändler mit ungläubiger Miene — doch war der Dichter nicht beleidigt.
Einige Tage darauf, als gerade Herr Damby beschäftigt war, einen wissenschaftlichen Artikel für die Edinburgh-Review zu schreiben, klopfte man an seine Thür.
Das war nun weder das Geld noch der Ruhm — sondern der Kapitän eines Dragoner-Regiments. — Mein Herr, sagte der Offizier, indem er den Stuhl, den Herr Damby ihm anbot, bei Seite schob, ich komme auf Veranlassung Ihres letzten Romans, und das wird Sie nicht verwundern, wenn Sie wissen ...
Bitte, mein Herr, unterbrach ihn der Autor, aber ich versichere Ihnen,'daß mich das keineSweges überrascht.