Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt $ur Naffaaischm Allgem. Zeitang.

1849. .1 71

Die Familie Wilberston.

Vaters'nicht fortgesetzt zu haben, welcher in Liverpool viel Geld dabei verdiente. Um gerecht zu seyn, muß auch gesagt werden, daß dieses Schmollen mit dem Schick­sale gewöhnlich nur kurze Zeit dauerte und die Etrtmu- thigung bald wieder schwand; denn er besaß die zwei Eigenschaften, welche den großen Mann machen: Beruf und Ausdauer. Thomas Damby war geboren, um zu schreiben, um viel zu schreiben, um immer zu schreiben. Der literarische Spleen, welcher ihn von Zeit zu Zeit be­schlich, führte ihn weder zu den Mützen zurück noch in die Themse; getrieben von einem unwiderstehlichen Drange, kehrte er immer zu seinem Schreibzeuge wieder zurück und füllte auf's Neue das große Faß der Danaiden: die periodische Presse.

Die Schriftsteller ebenso wie andere Menschen machen Erfahrungen. Wenn die Phantasie durch ihre Lebendig­keit nicht alle Vernunft getödtet hat, bringt die Zeit auch ernsthafte Betrachtungen hervor, und diese sind oft von guter Wirkung. So erging's auch Herrn Thomas Damby. Nachdem er die Blüthen seines Geistes an die un^ -dankbare Tagcspresse verschwendet hatte, fiel ihm ein, daß ihm die Literatur auch noch andere Wege biete, die wohl leichter an das doppelte Ziel führen, dem er zu- strebte. Er schrieb damals also seiu erstes Schauspiel, das für Covent-Garden bestimmt war.

Ein solcher Versuch hat seine Schwierigkeiten. In jener Zeit wurden auch die Theater in Loudon schon überfluthet von den Stücken Scribe's und seiner Freunde. Wenn die Engländer einen nationalen Sinn haben, so zeigte er sich damals wenigstens nicht auf derBühne. In diesem Beziehung genügt ihnen die Vergangenheit: die Gegen­wart eristirt durch die Franzosen. Das Parterre gab Herr Damby zu verstehen, daß. er sich geirrt habe, â er dem Theater von Covent-Garden ein Stück gegeben, daS^rein englisch war. Der Dichter- welcher alle Laster

Es gilt in der erzählenden Literatur Englands eigent­lich immer noch die Richtung, welche Walter Scott vorgezeichnet hat, wenn freilich auch diese Richtung in vielen, theilweise hell glänzenden Strahlen auseinander gegangen ist. Jeden Tag klopfen neue Dichter, welche der Ruhm Walter Scott's blendet, an die Thüren der Verleger. Unter dieser Menge von Schriftstellern gibt eS sehr wenige, deren Werke über den Kanal gelangt sind und die Ehre hatten, übersetzt zu werden. Unter diesen mehr oder weniger Unbekannten führen wir Thomas Damby an.

Wenn sein Ruf nicht sehr weit erschollen ist, so ist das nicht sein Fehler. Er that alles, was er konnte- um nur bekannt zu werden. Er fing früh an zu schrei­ben und schrieb fleißig, und debutirte mit Feuilletons von zweiunddreißig Spalten in den Monster-Zeitungen, welche die Oberfläche der englischen Inseln bedecken. Sie kennen die englischen Blätter, die so groß sind, daß wenig Leute die Arme lang genug haben, um sie offen zu hal­ten, und die in so kleinen Lettern gedruckt sind, daß man selten so gute Augen hat, um sie ohne Anstrengung lesen zu können. Und Herr Thomas Damby füllte jede Woche mehrere Fuß dieser Riesenblätter mit seiner Prosa. Er lebte von dieser rauhen Arbeit, aber sein Name lebte eben nicht länger, als diese Blätter, die am folgenden Tage meistens in ihr Nichts versinken.

Aber Herr Thomas Damby liebte den Ruhm nicht minder als das Geld. Er machte beiden Gottheiten den Hof, oder, um uns eines weniger poetischen, aber mehr pittoresken Ausdrucks zu bedienen, er verfolgte zugleich beide Hasen. Aber Hasen sind schwer zu fangen, und Herr Damby vergaß sich. in seiner schwarzen Launen oft o weit, daß ex eS bedauerte, das Mützengeschäft seines j