Der Wanderer.
LcllctristischcS Beiblatt zur Naffamschen Allgem. Zeitung.
1849. — â 68.
Aus den Deutschen wird nie etwas»
(Fortsetzung.)
Als ich einige Schritte weit unter den Eschen- und Uatanenwipfeln gemacht hatte, hörte ich ein Rascheln in en Zweigen neben mir: ich schritt rasch darauf zu in as Gehölz hineiu, und Plößlich hob sich vor mir ein other Siour-Jndianer vom Boden auf, grins'te mich -ech und höhnisch mit seinem scheußlichen Gebiß an und erschwand im Gebüsche. Ich machte ihm erschrocken ein 'reuz nach, denn es ist keine Freude, wenn man ganz llein und unbewaffnet ist, solch einem Waldgânger zu egegnen. Aber was mir noch auffallender war als die Erscheinung des Wilden so nahe den Ansiedelungen — h sah bald darauf aus derselben Gegend, wo der In- ianer verschwunden, einen wohlgenährten, stattlichen Kann Herkommen und einige Hundert Schritte vor mir i denselben Fußpfad einlenken, den auch ich daher wan- erte. Ich hatte ihn bald eingeholt. Es war ein großer Rann von Festem Baue. Er hatte eine lange Nase, nen breiten Mund und in den Augen etwas verflucht verschmitztes. Er blieb stehen und fragte mich: „Woher es Weges guter Freund?"
„Mit Verlaub," sagte ich, „seid Ihr der Herr von Zchmerl?"
„Ja, der bin ich.,,
„So hab' ich mit Euch ein Wort zu reden. Eure andsleute schicken mich zu Euch, die andern Deutschen c der Siedlung."
„So! Und was wollen Sie von mir?"
„Es kann Euch nicht unbekant seyn, wie daß sie rrauf ausgehen, ein ordentliches Gemeinwesen unter ch aufzurichten und..."
„Setzt Euch hier auf diesen Baumstamm, Trapper," aterbrach mich der Oesterreicher; „ich will Euch unver
holen meine Meinnng über die Sache sagen. Wir sind Alle deutsche Brüder, und es ist gewiß zeitig, daß eine Ordnung unter unS kommt und wir einander beistehen. Freilich, was mich betrifft, so hab' ich's nicht nöthig, mich viel um die Andern zu kümmern. Ich bin mit meinen Söhnen, Schwiegerjöhnen und meinen Knechten allein Manns genug, den Wilden das Weiße im Auge zu zeigen. Aber ich bin gar nicht so abgeneigt, der Landsmannschaft wegen mitzuthun und mich von den Andern zum Vorsteher wählen zu lassen. Wenn ich aber einmal Vorsteher bin, so will ich auch, daß die Andern mir gehorchen und aus's Wort thun, was ich befehle. Ihre Widerreden dulde ich dann nicht; auf eine Wirthschaft, wobei Jeder dreinreden darf, lasse ich mich nicht ein. Nun sind sie aber ein rebellisches, unbotmäßiges Volk, und deßhalb werdet Ihr begreiflich finden, daß ich mich nicht so sehr beeile, mich mit ihnen einzulassen. Auch muß ich Euch sagen, daß meine Frau nichts von der Sache wissen will, und daß ich über die Geschichte mit meinen beiden Schwiegersöhnen in Hader gekommen bin, die laut dawider schreien, weil, wie sie behaupten, ich meine eigene Angelegenheiten vernachlässigen müßte, wollte ich mich mit den Angelegenheiten der Anderen befassen. Und daran haben sie freilich auch tot"
„Wenn Eure Geschäfte Euch nicht erlauben, daS Vorsteheramt anzunehmen, so tretet einfach in die Gemeinde ein und laßt einen Anderen zum Vorsteher wählen!"
„Den Preußen etwa? Nein, guter Mann," sagte der Herr von Schmer! und hob sehr stolz die Nasalregionen seines Antlitzes in die Höhe, „daS geht nicht an: wir haben denn doch Verpflichtungen gegen unsere Geburt und unsern Stand und können uns nicht einem Anderen unterwerfen!"
„Hört einmal, Landmann," sagte ich, da mich das Ding zu verdrießen anfing; „die Sache drängt: die Noth-