Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Rafsauischru Allgem. Zeitung.
1849. — â «7.
Aus den Deutschen wird nie etwas»
(Fortsetzung.)
Und so ging eS weiter — wen wir sonst noch vorschlugen, den wollten sie nicht, und bei manchem erhoben sie gar ein lautes Gelächter. Da wir ihnen aber eifrig zuredeten, und sie sich vor uns zu schämen anfingen, so schien sich die Wage auf die Seite des Preußen zu neigen , der auch weitaus der passendste Mann zum Vorsteher war. Plötzlich aber drängte sich der Bayer vor und sagte:
„Es ist doch Alles nichts; der Herr von Schmerl muß halt dabei seyn, sonst hab' ich keine Freud an der Sache; der Oesterreicher hat die meisten Acres in der Ansiedelung, er hat das meiste Gesinde, und wenn der nicht mitthut, so ist's Alles nichts."
„Nun, weßhalb sollte er denn nicht mitthun wollen? " „Ja, er will nun einmal nicht," lautete die Antwort.
„Ei, wenn er nicht will, so laßt ihn laufen!"
Der .Schwabe schüttelte den Kopf. „Er ist der Reichste unter uns, und er hat auch gedient, so gut wie der Preuß."
„Es ist wahr," fiel der Hannoveraner ein, „er muß an die Spitze; er ist der Vornehmste, er ist ein Adeliger!"
Mit erhitztem Gesicht sprang jetzt der Preuße auf einen Stuhl. Der hellste Zorn flammte in seinen Zügen. „Liebe deutsche Brüder!" rief er auS, „thut mir den Gefallen und glaubt ja nicht, daß ich ein besonderes Gelüste trüge, das Kommando über Euch unverträgliche Narren zu bekommen — ich würde nichts als Schaden, Zeitverlust und den hellen Aerger davon haben. Aber daß Ihr unsere ganze Ansiedelung zu Grunde -gehen lassen wollt, weil Ihr Euch in den Kopf gesetzt habt, der Oesterreicher müsse dabei seyn, das macht mir die Gâ
überlaufen. Was wollt Ihr mit dem Oesterreicher? Sind nicht zwei von Euch hin gegangen und haben ihn wie ehrliche Leute gefragt, ob er sich mit uns einigen wolle oder nicht? Und hat er sie nicht statt der Antwort zur Thüre hinaus geschmissen? Ist denn das nicht deutlich genug? Wollt Ihr denn durchaus erst Fußtritte von ihm haben?"
„Ja!" rief hier der Baier, „'s war halt damals sein Weib dabei; sein Weib hat ihn verhetzt gehabt, die ist ein böses Stück, sie ist aus Böhmen daheim!"
„Der Preuß will den Oesterreicher hinausschwätzen," flüsterte der Schwabe; „er will an die Spitze, und wenn wir ihm Geld geben, im Fort Armstrong Waffen zu kaufen, so betrügt er uns! Er ist gar so verschmitzt!"
„Der Oesterreicher hat mir auch unter der Hand zu verstehen gegeben," sagte der Hannoveraner, „daß er gar nicht so abgeneigt sey, wenn man ihn recht bäte, sich auf ein ordentliches Gemeinwesen mit uns einzulassen."
Es war mit den guten Leuten eben nichts zu machen. Wir, die Trapper, schlugen ihnen deßhalb vor, ehe etwas beschlossen würde, wollten wir den Oesterreicher aufsuchen, um zu sehen, ob sich mit ihm zu vereinbaren sey. Das eben wünschten sie. Sie schüttelten uns die Hände und kehrten nach und nach in ihre Blockhäuser zurück, während wir endlich auch unsere Büffelhäute ausbreiteten und uns zur Ruhe legten.
Am andern Tage in der Frühe machte ich — denn meine beiden ermüdeten Reisegefährten hatten mir die Sache zugeschoben — mich auf den Weg. Der Preuße ging eine Strecke mit mir und zeigte mir von einem Hügel herab das Gehöft des Oesterreichers. Es war freilich stattlich anzuschauen ; die angebauten Felder erstreckten sich weit hin, und eine unabsehbare Terrainfläche, die noch des urbarmachenden Pfluges harrte, war außerdem durch Umzäunungen als Eigenthum des Ansiedlers ab-