Der Wanderer.
Lellctriftischcs SciMatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1849. — M 66.
Aus den Deutschen wird nie etwas»
(Fortsetzung.)
„Ja, seht," hub jetzt der Pfälzer an, den die Andern um Sprecher erkoren zu haben schienen, „wir leben hier n Angst und Sorgen in der Kolonie, und Streit und iader haben wir auch beinahe Jahr aus, Jahr ein."
„Nun ja, dafür seyd Ihr deutsche Brüder; und Du, Oberländer, bist gewiß nicht der, welcher am wenigsten rakehlt!"
Ihr müßt wissen," fuhr der Pfälzer fort, „daß sechzig nglische Meilen westlich von hier der rothe Pfeifenthon- elsen liegt."
„Was habt Ihr mit dem zu schaffen?"
„Wir nichts, aber die Indianer leider desto mehr. In diesem Felsen, sagen sie, stand der große Geist, als t die indianischen Nationen zu sich berief; er brach ein Stück davon ab, machte eine mächtig große Pfeife dar, us, die er über ihnen nach Osten, Süden, Westen und torden rauchte, sagte ihnen, daß dieser Stein roth und jr Fleisch sey, und sie aus ihm ihre Kalumeh nehmen ollten. Bei den letzten Zügen, erzählen die Wilden, verhandelte sich sein Kopf in eine große Tabakswolke, und ie ganze Oberfläche des Felsens war weithin geschmol, m und mit einem Glast überzogen; unten aber thaten ch zwei große feurige Oeffnungen auf; und daraus oeiffagen noch heute die Geister Tho -mec-coS -tih und 5ho-me-coste-won-dih, wenn die Priester und Medizin- Nänner herantreten und ihnen Fragen vorlegen."
„DaS ist eine sehr wilde Geschichte!"
„Nun aber," erzählte der Pfälzer weiter, „haben ie Rothhâute beschlossen, daß sie alle Weißen vertilgen vollen, welche mit ihren Ansiedelungen ihrem National, heiligthum zu nahe gekommen sind; -und da wir nicht kiffen, wie weit sie den Kreis um ihren rothen Felsen |
ziehen, den kein fremder Fuß betreten darf, so leben wir in der fortwährenden Angst, daß sie uns überfallen und unS insgesammt zu ihrem großen Pfeifengeist senden."
„Ei, so müßt Ihr Euch in den Stand setzen, sie zu empfangen. Ihr seyd Euer eine tüchtige Zähl Männer. Ihr müßt Euch ein kleines Fort machen, in dem Ihr im Nothfall eine Zuflucht findet; geht nach Hen Missisippi- FortS und kauft Pulver, Blei und einige Schiffskanonen ein; die werden Euch Wunder thun wider die Siour."
„Ja, das ist auch unser Gedanke. Wir müßten Jemanden auswählen, der nach Fort Armstrong ginge und die Einkäufe machte, der uns in den Waffen übte, der ein Fort in unserer Kolonie unlegte. Aber dazu müßten wir unS unter uns einigen."
„Nun, so einigt Euch!"
„Ja, es thäte freilich Noth ," versetzte der Pfälzer mit einem Seufzer. „Aber die Furcht vor den Wilden ist eS nicht allein, was uns das Leben sauer macht. Wir haben auch noch allerlei Streitigkeiten unter uns; da der Sachse beschwert sich, daß die Kuh des StrehlitzerS in seine junge Zuckerahorn-Pflanzung gebrochen ist, und will Schadenersatz, aber der Strelitzer behauptet, der Sachse habe ihm Geld abgeborgt und will nichts hören; der Oldenburger liegt sich mit seinem Schwiegersohn wegen der Aussteuer in den Haaren, und der Müller hat neulich seinem Nachbar gedroht, er würde ihm daS Haus anzünden, weil er ihm daS Wasser abgegraben habe."
„Habt Ihr denn Niemanden, der Euer Vorsteher, Euer Richter ist?"
,/Nein, seht, da fehlt es. Wir müßten eine Obrigkeit, ein Oberhaupt haben, das Ruhe hielte und die gemeinsamen Angelegenheiten ।in die Hand nähme. Aber dazu müßten wir uns einigen."
Mun,iso einigt $u$!"