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Der Wanderer.

BellctristischkS Beiblatt zur Nassamscheu Allgem. Zeitung.

1840. .4? 65.

Aus den Deutschen wird nie etwas»

Eine wahre Geschichte.

(Aus der Köln. Ztg.)

Aus den Deutschen wird nie etwas! sagte der alte Schiffskapitän Ollig Peterson, wenn er hinter dem zin­nernen Krug mit Glühbier in der Hasenschenke zu Em­den saß und die Rede auf die Politik kam.

DaS hatte er viele Jahre lang gesagt, und Niemand hatte darauf gehört. Es kümmerte die Leutè eben nicht viel, ob aus Deutschland etwas würde oder nicht.

Da kam das Jahr 1848 ins Land, und der Sturm ging bis an die Nordsee, und die schwarz-rothen-golde- nen Flaggen flatterten auch im Hafen von Emden, Mast an Mast, und der alte Ollig Peterson ließ auf seinem Dreidecker seine Böller und Drehbassen lösen, daß es eine Lust anzuhören war.

Schießt, Jungen, schießt, daß es kracht!" rief er seinen Matrosen zu nur immer'lustig gefeuert! Aber aus den Deutschen wird nie etwas.

Und weßhalb nicht, Kapitän? rief ein junger Schiffs­mate aus, der die dreifarbige Flagge oben an der Stange ausgehißt hatte und nun mit geröthetem Kopfe sich erhob, nachdem er voll Eifer seine Kanone bis an die Mündung mit Werg vollgeklopft hatte.

Du bist ein dummer Junge und kennst die Welt nicht," antwortete der Kapitän,aber. . ."

Der Schiffsmate streckte die glühende Lunte aus, und der Donner eines der kleinen Geschütze rollte weithin über den Dollart fort.

Aber ich," sagte der Kapitän,hab' es selber er­lebt, daß aus den Deutschen nichts wird, und wenn Ihr fertig seyd, will ich Euch die Geschichte erzählen."

Erzählt, Ollig," riesen die Matrosen und festen sich rings um ihn herum.

Das braune alte Bugspriet von Seemann, der die halbe Welt durchsegelt, nahm auf einem Gewinde von Tauen Platz, ließ sich von den Schiffsjungen seine Pfeife reichen und begann:

Ihr müßt wissen, Jemgens, daß ich nicht immer auf verheerten Bohlen herumgehumpelt bin."

Wir wissen das, Kapitän. Ihr habt Euch auch unter den Landratzen herumgetricben und an den oberen Seen in Nordamerika Biber gejagt."

Nun wohl. Und so brauch' ich Euch nicht zu er­zählen, wie es kam, daß ich einmal mit einem Paar unter­nehmender Burscben an den oberen Missisippi gelangte, in's Thal deS Wisconsin hinein, was eine sehr schöne Gegend ist, und beinahe bis an den Tomahawk-See hinauf. Wie gesagt, ein schöneres, reicheres Land als die Ufer des Wisconsin, kann es gar nicht geben. Kein Wunder, daß man früh darauf gedacht hat, hier Ansiedelungen zu gründen. So fanden wir uns denn auch eines schönen Abends am Fuße eines Prärienhügels, von dem aus tich an die Ufer des Flusses eine Menge zerstreuter Block­häuser hinzogen, die einen sehr freundlichen Anblick bar# boten. Um jedes derselben lag ein wohlgebauter Garten, mit Obst- und Ahornbäumen besetzt und pon Tamarinden- Hecken umgeben. Um die Weizen- und Maisfelder zogen sich gut gehaltene Zäune, das Vieh auf den Wiesen war reinlich und wohlgenährt und Alles in Allem, es war ein ganz behaglicher Fleck Erde.

Ich wette, hier wohnen deutsche Ansiedler, rief einer meiner Begleiter, und wenn das ist, so wäre es just der rechte Ort für uns, um einige Tage zu rasten.

Eines der ersten Blockhäuser, welches sich durch seine Größe auszeichnete, sollte uns nicht lange in Zwei­fel lassen. Ein großes Brett hing als Schild über der Thür aus, und darauf war ein weißes Ungethüm ge­malt, auf dem ein Individuum saß, dem man wenigstens