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Der Wanderer.

Belletristischcs Bciblatt zur Nassauischen Mgem. Zeitung.

1849. â 57.

Cabrera»

(Fortsetzung.)

Die ferneren Ereignisse sind bekannt. Don Karlos atte einen Ausstand zu seinen Gunsten erwartet und offte bei der dadurch entstehenden Unordnung angreifen 1 können. Allein er hatte sich verrechnet; die nicht sehr rhlreichen Karlisten der Hauptstadt wurden im Zaum ehalten, auch rückten Espartero und Oraa in Schnell- lârschen zum Entsatz herbei. Ersterer traf vierundzwanzig Stunden nach dem Rückzüge der Karlisten ein.

Der schnelle Rückzug der Karlisten ist daher leicht i erklären. Anders dachten freilich Cabrera und ein roßer Theil des Erpeditionsheeres, welche an den ver- wochenen Sieg mit vollkommener Zuversicht geglaubt atten. Cabrera erklärte, von nun an werde er aus- hließlich nach seinem Kopfe handeln. Diesen Vorsatz rt er gehalten.

Er verließ sogleich das Erpeditionsheer und mar- Hirte mit seinen Truppen in das Königreich Valencia, -ein Ruf hatte sich während des Marsches erhöht, und m der Zeit an erschien er als der erste karlistische Heer- hrer auf dem Schauplatz.

Das Jahr 1838 war unglücklich für das Hauptheer s Don Karlos in Navarra; desto günstiger ward es r Cabrera, dessen Erfolge jedes Mißgeschick der Kar­ten in Navarra wieder auszugleichen schienen. Auf ae merkwürdige Weise fiel in seine Gewalt Morella m Februar 1838). Ein ehemaliger Artillerist der Chri- nos, der längere Zeit in Morella in Garnison gelegen tte, alsdann an der Revolution von La Granja Theil hm und später zu Cabrera desertirte, redete den Ge­rat, als dieser eines Tages durch Orkajo ritt, mit den orten an: General, ich will Morella, das uns Allen Wege steht, mit einer Kompagnie nehmen, wenn Eure

Erzellenz mir dieselbe fzu meiner Verfügung stellen will. Du sollst sie haben, erwiderte der General, welchem die Entschlossenheit des Mannes gefiel, und geschähe dies auch nur, um deinen guten Willen zu belohnen. Nach einer halben Stunde war Pedro Sanchez, so hieß der Oberfeuerwerker, mit 100 Mann auf dem Marsche, die ein Hauptmann kommandirte. Nach Anbruch der Nacht war er bei dem Felsen angelangt, auf welchem die Zita­delle von Morella liegt.

Er suchte nun im Dunkel den Punkt, wo er früher, als er oben in Garnison gelegen, häufig herunter und wieder hinauf gestiegen war. Die Nacht war sehr kalt. Der Hauptmann und seine Leute fingen an zu murren, als Sanchez wie ein Affe den Felsen hinaufklettert. Er hatte sich ein Seil um den Leib gebunden, an welchem eine Strickleiter befestigt war. Nach ungefähr drei Vier­telstunden hatte er den Wall der Zitadelle erreicht, den zu ersteigen eine Kleinigkeit war. Die Schildwachen be­fanden sich in den Schilderhäusern, um sich gegen die Kälte zu schützen. Der Dienst auf der Zitadelle wurde überhaupt mit der größten Sorglosigkeit versehen. San­chez schlich sich zur ersten Schildwache; diese schlief. Er bemächtigte sich des Gewehrs des Soldaten, rüttelte ihn aus dem Schlaf und zwang ihn, ihm beim Festbinden der Strickleiter behülflich zu seyn. Eine andere Schild­wache, die am anderen Ende der Terrasse stand, erwachte und wollte Lärm machen. Sanchez feuerte sein Gewehr auf sie ab. Auf den Schuß kam der Wachtposten her­bei. Der kühne Karlist gab auf den Ersten, welcher sich zeigte, Feuer mit dem Rufe: Es lebe Karl bet V.! und streckte den Soldaten todt zu Boden. Die Anderen glaub­ten, das Schloß sey von den Karlisten genommen, und flohen; ein panischer Schrecken ergriff die Besatzung, als die Kompagnie nach und nach den Wall erstieg, und sie stürzte sich fliehend auS der Zitadelle.