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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1849. .1" 53.

Cabrera»

(Fortsetzung.)

DaS Herz verging uns fast vor Mitleid, theilte der Augenzeuge mit, dem der Verfasser diese Daten verdankt, allein was sollten wir machen? Es war in den ersten Tagen nach dem Schlage, der Cabrera so hart getroffen, As die Mörder der Mutter ihm in die Hände fielen und Der Durst nach Rache seine ganze Seele noch erfaßt hielt.

Nach der Niederlage des Palarea'schen Korps konnte Cabrera sich freier im Königreiche Valencia bewegen und n:warb sich dadurch immer mehr Anhänger, bei denen er )on Tage zu Tage desto höher im Ansehen stieg, je mehr seine Gegner ihn fürchteten. Im Juli erhielt er von Don Karlos den Grad eines Brigadegenerals und schloß ich dem Zuge des berühmten Generals Gomez an, als Dieser an den Gebirgen Valencia's vorüberzog. Aber öald darauf befahl Gomez, als er durch Caceres mar- schirte, dem aragonesischen Häuptling, sich binnen vier- andzwanzig Stunden von seiner Armee zurück zu ziehen. Cabrera gehorchte zwar, soll aber später einer der Haupt- ankläger gegen Gomez gewesen seyn und durch seine Be- 'chuldigungen diesem edlen, hochherzigen Manne eine lange Gefangenschaft bereitet haben. Gomez war über die Räu- Kreien erbittert, welche die undisziplinirten Banden Cabrera's ausgeführt hatten. Vielleicht auch liegt der Grund des Zerwürfnisses in der Eifersucht, welche die 'artistischen Heerführer stets gegen einander gehegt haben. Cabrera wurde kurz darauf, als er sich von Gomez zu­rückgezogen hatte, zum karlistischen Generalkommandanten .wn Aragon, Valenzia und Murzia ernannt.

Eben um diese Zeit ereignete es sich, daß ein Päch­er zu Oviajo, bei dem Cabrera öfter einzukehren pflegte, hm mittheilte, sein Grundherr, ein. reicher, sehr christinisch zesinnter Notar, habe ihn beredet, Cabrera mit Arsenik

zu vergiften. Durch große Versprechungen hatte sich der Pächter auch dazu bereit erklärt, das Bubenstück auszu­führen, empfand aber später Reue', und zeigte die Sache an. Kurz hernach feierte man in der Gegend von Morella auf einer Masade (Meierei) eine Hochzeit, wozu auch der oben erwähnte Notar gebeten war. Man wollte sich eben unter einem großen Feigenbäume an den Mittags­tisch setzen. Da erscheint ein äußerst elegant gekleideter Reiter in der Nähe des Hauses und springt, indem er die Gäste leicht mit einer Handbewegung begrüßt, vom Pferde, um es in den Stall zu führen. Man erwartete keinen Gast mehr, aber in Spanien ist jeder Fremde bei einem Festmahle willkommen. Der Neuvermählte stand daher auf und folgte dem Fremden. Während man diesen musterte, war der Notar, der als Hochzeitsgast sich ein­gefunden hatte, todtbleich geworden; er wollte vom Stuhle aufspringen, aber seine Beine versagten ihm den Dienst. Einer der Gäste näherte sich der jungen Frau und sagte: Der Fremde ist kein Anderer als Cabrera; ich müßte mich sehr täuschen, wenn er nicht gekommen ist, um einen Streich auszuführen (para hacer una de las sugas). Ich glaube, er hat es auf den Notar abgesehen!

Was ist da zu machen? können wir den Notar nicht entwischen lassen? fragte die junge Frau. Unmöglich! lautete die Antwort des Gastes/ Cabrera würde ihn bald eingeholt haben.

Der Gast, der kein Anderer als der reuige Pachter war, flüsterte dann der Frau ins Ohr: Der Notar hat mir vor einiger Zeit aufgetragen, Cabrera, wenn er bei mir einkehren und einen Trago Weins verlangen sollte, etwas Arsenik in den Becher zu werfen; er will ihn jetzt hierüber zur Rede stellen.

Die Olla potrida stand noch unberührt auf dem Tische, als der Hausherr mit Cabrera erschien. Dieser begrüßte die Gesellschaft nochmals sehr höflich, aber auf