Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung. --- 1849. â 58.

Cabrera.

(Fortsetzung.)

Die Landstraße, auf welcher die Christinos in nörd­licher Richtung zogen, lief an der Ostseite des Dorfes, in dem wir Cabrera vorhin die Tänze der Bauern unter­brechen sahen, vorbei, und von hier aus in westlicher Richtung ging der Weg, auf dem die Carlisten zu ihrem Bivouak kamen.

Die Landstraße lief auf die oben erwähnte Haide hinaus, an deren anderem Ende sich ein Olivenwald be­fand, während der Corral und das Feld, wo sich Ca- brera's Soldaten befanden, mehr nach Süden zu lagen. Der Anführer der Karlisten hatte also nach einem kurzen Ritt durch die Felder in wenigen Minuten seine Truppen erreicht, während die Christinos, um dahin zu gelangen, fast eine Stunde brauchten, da sie einen Umweg machten.

Als der General Palarea mit seiner Kolonne in Das Dorf kam, wo er Cabrera zu finden hoffte, war sein Erstes, die wenigen Häuser zu umzingeln, worauf eine allgemeine Nachsuchung nach dem wichtigen Fang, den sie zu thun hofften, begann. Inzwischen wurden der Alcalde und mehrere andere Einwohner vor den General geführt; sie antworteten aber auf alle Fragen, wo Ca­brera sey, auf eine Art, die wenig geeignet war, den Nachsuchungen Vorschub zu leisten. Sie erklärten, daß ihnen der Aufenthalt Cabrera's gänzlich1 unbekannt, und daß »r seit Wochen nicht in ihrer Nachbarschaft gewesen sey. Versprechungen setzten sie Betheuerungen ihrer Un­kunde, den Drohungen und Schlägen ein hartnäckiges Stillschweigen entgegen. Der chriftinische General, der ganz gewiß erwartet hatte, Cabrera in diesem Dorfe in seinem Bette zu fangen und ihn im Triumphe nach Va­lencia zu bringen, fand sich bitter getäuscht und wandte

sich zu einigen Offizieren, die in seiner Nähe standen, um sich mit ihnen zu berathen. Um sie her standen Sol­daten mit Fackeln, bei deren flackerndem Licht die auf der Plaza aufmarschirte Kavallerie in undeutlichen Um­rissen sichtbar war, während zwischen einigen Mann In­fanterie der Alcalde und vier andere Bauern mit den breiträndigen Filzhüten in der Hand standen; ihre schlott­rige Haltung, bloßen Hälse und sonnverbrannten Ge­sichter kontrastirten wunderbar mit der militärischen Steif­heit, den bleichen Gesichtern und stolzen Schnurrbärten ihrer Wachen.

Haga V. fusilar hombres! (Lassen Sie diese Men­schen erschießen!) sagte der General zu einem seiner Of­fiziere. In wenigen Sekunden waren ihre Hände gebun­den, und das zum Erschießen bestimmte Detachement marschirte auf. Es war aber nicht die Absicht Palarea's, seine Drohung zu erfüllen; er wollte lediglich die Gefan­genen dadurch zu einer Mittheilung zu zwingen. Es war zweifelhaft, ob ihm dies gelungen wäre; aber bevor es sich entschied, trat ein junger Bauer, der bisher unbe­merkt hinter den Soldaten gestanden hatte, vor und sagte: Lassen Ew. Erzellenz diese Leute losbinden , und ich will Sie zu Cabrera führen; auf dem Wege, den ich Ihnen zeige, können Sie in einer Stunde da seyn.

Wer bist du, und warum hast du nicht früher ge­sprochen? fragte der General.

Weil ich kein Messer oder Bayonnet in die Rippen gestoßen und kein halbes Dutzend Kugeln in den Kopf geschossen haben will, denn dieser Lohn harrte meiner ge­wiß von den Anhängern Cabrera's, wenn sie erführen, daß ich ihren Anführer verrathen habe. Da ich aber sehe, daß Sie ernstlich beabsichtigen, meinen Vater er­schießen zu lassen, weil er ihnen nicht sagen will, was er nicht weiß, so habe ich mich entschlossen, mein Leben zu wagen, um das seinigc zu retten.