Der Wanderer.
BclletristtschcS Sciblatt zur Namumchru Allgcm. Zeitung.
1849. — Ns 51.
Cabrera»
(Fortsetzung.)
Gegen Ende 1835 reifte Cabrera nach Navarra zu Don Carlos und erhielt von diesem ein regelrechtes Diplom als Oberst. Er hielt sich aber nicht lange am Hoflager des Königs auf und eilte wieder zu den Seini- gen. Zurückgekehrt, mehrten einige glückliche Gefechte auf Streifzügen in Valenzia seinen Ruf, aber auch den Ruf der Grausamkeit, der jedoch durch ein Ereigniß im Februar 1836 wenigstens theilweise entschuldigt ist.
Die Mutter Cabrera's lebte in Tortosa sehr zurückgezogen. Der General Nogueras, Generalkommandant für die Königin in Nieder-Aragon, verlangte von dem damaligen Generalkapitân Kataloniens, dem General Mina, die Ermächtigung, jene Frau wegen einer Verschwörung erschießen zu lassen. Min« war unmenschlich genug, den Befehl zu ertheilen, und die Frau wurde ohne Prozeßform erschossen.
Cabrera wüthete jetzt wie eine Siegerin, der man ihre Jungen geraubt hat; als er erfuhr, daß seine Mutter erschossen sey, schwor er einen fürchterlichen Eid, für jedes Haar von ihrem Kopfe wolle er das Blut eines Christen haben. Diesem Schwur blieb er treu und sein Einfluß wuchs in Spanien bei der dortigen Denkungsart nur desto mehr.
In den ersten sechs Monaten des Jahres 1836 streifte Cabrera im Königreich Valencia, in der Nähe der Hauptstadt, in der Huerta umher, bestand mit dem christini- schen General Palarea mehrere Gefechte und vernichtete in einem derselben eine ganze Brigade dieses Generals.' Einst erhielt Palarea nach einer oder zwei vergeblichen nächtlichen Erpeditionen durch einen Spion die Nachricht, daß Cabrera die nächste Nacht in einem, ungefähr vier
Leguas von Castellon de la Plana entfernten Dorfe zubringen würde und daß er, nachdem erden größten Theil seiner Truppen nach einer andern Richtung geschickt hätte, nur von einer kleinen Eskorte begleitet würde. Der Augenblick war für den christinischen Befehlshaber günstig, um Rache zu nehmen.
Ungefähr eine Stunde vor Einbruch der Nacht, an einem Sonntag-Abende, tanzten die Bauern eines kleinen Dorfes am Fuße der Sierra del Espadon zur Musik der Guitarren auf der offenen Plaza, welche jeder spanische Ort besitzt, und die in der Woche als Marktplatz, an Sonn- und Festtagen als Ballsaal dient. Die Kastagnetten klapperten, die Tänzer machten die graziösen Bewegungen des Bolero, als sie plötzlich durch die Ankunft mehrerer Reiter gestört wurden, vor deren erstem die Bauern sogleich die Häupter entblößten, um ihn mit tiefster Ehrfurcht zu begrüßen.
Es war ein Mann von ungefähr 25 bis 27 Jahr.», mit ernsten strengen Zügen und von kleiner schmächtiger Gestalt. Sein Anzug bestand aus einem Waffenrock, rothen Beinkleidern und einer weißen Baskenmütze. Silberne Sporen waren an die Absätze seiner zierlichen Stiefel geschraubt, ein prächtiger krummer Toledaner hing an seiner Seite. Er ritt einen herrlichen Anda, lusier von glanzendem Schwarz; einige Schritte hinter ihm ward ein anderes, eben so schönes Roß, gesattelt und gezäumt, von einem Ordonnanzsoldaten geführt.
Der Reiter war Cabrera; er erkundigte sich nach dem Alkalden des Dorfes und hielt eine Zwiesprache mit ihm, welche noch nicht beendet war, als die Tete einer Truppen-Kolonne erschien. Zuerst kam wohlberittene und equipirte Kavallerie an, Husaren, deren blaue Pelze mit weißen Schnüren, schön polirte Waffen und Pferde den reguläreren, ihnen gegenüberstehenden christinischen Truppen Ehre gemacht haben würden. Nachdem ungefähr 300