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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

184!). JVä 49. -------.

Cabrera.

(Aus der Köln.Ztg.)

In Spanien hat ein Vorspiel zu einem neuen Bür­gerkriege begonnen. Zwei Parteien, Karlisten und Pro- ügressisten, haben sich die Hände gereicht und hoffen, ver­eint den Sturz des verhaßten Weiberregiments endlich herbeizuführen. Der Graf Montemolin soll König seyn und eine mehr volksthümliche die jetzt bestehende Ver­fassung verdrängen. Das Haupt der ganzen Bewegung ist Cabrera, einer der karlistischen Koryphäen aus dem vorigen Bürgerkriege, der jetzt als Vertheidiger der Volks­rechte und des legitimen Königthums zugleich auftritt.

Don Ramon Cabrera ist im Jahr 1809 in einem kleinen Dorfe bei Tortosa geboren und gegenwärtig 39 Jahre alt. Sein Vater war Ackerer und Besitzer eines kleinen, aber verschuldeten Landgutes, das nur so viel abwarf, um ihn mit Frau und drei Kindern nothdürftig zu ernähren. Durch den allzu frühen Tod des Vaters und die Nachgiebigkeit der Mutter wuchs Ramon beinahe als Wilder auf. Später wurde er für die Kirche be- 'timmt und als Diener bei einem Kanonikus der Kathe­drale zu Tortosa untergebracht. Dies ist nämlich in Spanien die Erziehungsweise für den geistlichen Stand, obald die Eltern kein Vermögen besitzen, ihre Kinder ur Universität zu schicken. Junge Leute versehen bei Priestern die Stelle eines Bedienten (Page) und werden >afür von ihnen im Lateinischen, in der Theologie und n der Philosophie des Aristoteles unterrichtet. Der un- chhängige und vergnügungssüchtige Cabrera war jedoch ür ein solches Leben nicht gemacht. Der Kanonikus uchte vergebens den jungen Mann zu bessern; dieser oar unter allen Schülern in Tortosa der ungebundenste, iebesabentcuer, Hang zum Trinken und Spielen sollen hn bei der hohen Geistlichkeit sehr in Mißkredit gebracht I

haben, wie seine Feinde behaupteten. So viel ist gewiß, der Bischof von Tortosa, Viktor Jaez, verweigerte ihm ein Subdiakonat. Die geistliche Laufbahn war ihm so­mit abgeschnitten, der junge Mann sah sich gezwungen, an eine andere Zukunft zu denken, und Cabrera begab sich nach Barcelona, wo der Verfasser dieser Skizze ihn im Jahre 1831 kennen lernte.

In der Hauptstadt Kataloniens schloß der ehemalige Page" und Student Freundschaft mit den Gardeoffizie- ren der Garnison; seine Wohnung stand diesen zum Montespiel (spanisches Hazardspiel) offen.La casa del esiitudiante" wurde das Rendezvous dieser Dandieö der spanischen Armee. Cabrera war damals begreiflicher Weise sehr arm, die Noth trieb ihn dazu, eine Spielbank in seinem Hause zu dulden; er bekam dafür vom jema- ligen Bankhalter 10 Fr. und mehr, wenn das Glück diesem günstig war. Am Spiele selbst nahm Cabrera nie Theil; er pflegte sich mit dem einen oder dem andern seiner Besucher über Krieg oder Militärwissenschaft zu unterhalten. Die Wände seines Wohnzimmers waren mit Landkarten, Schlachtplänen und den Bildnissen gro, ßer Kriegshelden bedeckt. In seiner Unterhaltung ent­wickelte unser Held Kenntnisse in der Geschichte, mehr noch in der Geographie, und übertraf alles Gesammt- wiffen seiner Besucher. Wozu auch Gelehrsamkeit für Garveoffiziere? Krieg war unter uns die Hauptunter­haltung. Dieses Wort war der Stoßseufzer und die einzig wiederkehrende Endbitte unserer Litaneien, und wurde bei Cabrera, wenn wir unser Geld verloren hat­ten, mit Flüchen zum Himmel geschickt. Und wenn Cabrera die Geschichte irgend eines Helden erzählte, ver, gaßen wir kampfentbrannt unser Leid, mit leerem Seckel nach Hause gehen zu müssen.

Cabrera sah jeden Abend, außer einigen Herren der Stadt, anderthalb Dutzend Offiziere bei sich; Spiel und