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Der Wanderer.

Lcllrttisüschcs BclblaN zur Rafsamschen Allgem. Zeitung.

1849. .1" 45.

Mine Anekdote von Joh. Jae. Vngel

(Schluß.)

Engel stellte sich ein; der Minister empfing ihn mit ehr herablassender Miene. Ich freue mich ungemein, Herr Professor, Sie wieder zu sehen, sprach er; verzeihen sie, daß ich Sie sitzend empfange, aber es ist Ihnen ekannt.. . Bei diesen Worten deutete er auf seine in Volle eingepackten kranken Füße. Haben Sie die Ge­wogenheit, sich einen Stuhl zu nehmen.

Engel verbeugte sich höflich und nahm Platz, der Hofmann fuhr fort: Sie sind ein talentvoller trefflicher Rann, Seine Dnrchlaucht schätzen Sie aufrichtig und er ganze Hof, wir Alle folgen darin dem Beispiele des Gebieters. Sie können dem Herzog einen Dienst erwei- m, für den er Ihnen sehr verbunden seyn würde.

Se. Durchlaucht haben mir so viele Beweise ihrer Hnade gegeben, daß mir jede Gelegenheit, meine Er- enntlichkeit zu beweisen, sehr willkommen seyn muß, ent- tegnete Engel ruhig.

Die Bereitwilligkeit habe ich von Ihnen erwartet, Sie sind ein verständiger besonnener Mann. Aber stellen sie sich vor, da ist der Direktor Seiler, der Mensch soll in gewaltiges Geschrei darüber erheben, daß der Herzog ch eine Hosbühne halten will. Ich glauhe, er hat den Verstand verloren.

Verzeihen Ew. Erzellenz, wenn ich dem widersprechen auß; Seiler ist ein stiller schüchterner Mann, er fühlt ein Unglück tief, aber er klagt nicht darüber laut.

Und ich sage Ihnen, der Mensch wagt es zu schim, fen und zu toben.

Ich bedauere, daß Ew. Erzellenz falsch berichtet sind, ch spreche ihn täglich und kann ihm das Zeugniß geben, er sich nie in heftigen Worten über die Sache ge# ußert hat.

Und ich wiederhole Ihnen, daß er schimpft und schäumt, vielleicht thut er es in Ihrer Gegenwart nicht. Man könnte ihm nun leicht den Mund stapfen, aber Se. Durchlaucht sind zu gnädig, Sie wollen keine Strenge ge­brauchen. Sie sind sein Freund, treten Sie vermittelnd auf, bedeuten Sie ihm, daß er schweige, und bemerken Sie ihm, daß Se. Durchlaucht unabhängig sind und thun können, was Ihnen beliebt.

Obgleich ich nun von Seiler nie ein lautes Wort über die Sache gehört habe, will ich ihn doch ersuchen, sich auch gegen Andre nicht heftig darüber auszusprechen; den zweiten Theil Ihres Auftrags aber muß ich ableh­nen, weil ich darin durchaus nicht Ihrer Meinung bin.

Wie? Glauben Sie denn, daß es einem regierenden Herrn nicht freistehe, eine Hofbühne zu halten?

Das wäre in der That eine sehr thörichte Meinung. Wären Sie oder ich reich genug dazu, so könnten wir es auch. Nur das steht Sr. Durchlaucht- nicht zu, für sich die Gesellschaft Seilers zu engagiren, da sie dem­selben gehört und der Herzog versprochen hat, sie ziehen zu lassen.

Und da wüßte ich doch in der That nicht, was Se. Durchlaucht verhindern sollte, ihr Wort zurückzunehmen, wenn es ihnen beliebte, ihren Sinn in dieser Hinsicht zu ändern.

Ein Reichsgesetz gibt es freilich nicht dagegen, wohl aber ein Gesetz der Moral, bemerkte Professor Engel sehr ernst,

So-werden Sie doch nicht glauben, daß Se. Durch­laucht ein solches Gebot verletzen, also unmoralisch han­deln würden?

Im Gegentheil, ich bin fest überzeugt, daß der hohe Herr bei näherer Ueberlegung dem armen Seiler seine Truppe wiedergeben würde.

Das glaube ich nimmermehr! rief der Minister.