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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen

Zeitung.

1849. M 44.

Cine Anekdote von Joh Jac. Cngel

Aus den Originalien.

Der verstorbene Professor Engel hatte eben begon­nen durch seine trefflichen Schriften bei dem gebildeten Theile des deutschen Publikums Aussehen zu erregen, als er von Leipzig aus eine Reise nach Gotha machte, um seinen dortigen Freund, den Schauspieldirektor Seiler zu besuchen. Er hatte ihn in Leipzig, wo er mit seiner Ge­sellschaft Vorstellungen gab, kennen gelernt; Eckhoff war das berühmteste Mitglied derselben, sein großes Talent zog Engel besonders an.

Der damalige Herzog Ernst zu Gotha lud den Pro­fessor Engel zu sich an den Hof und gefiel sich in der Unterhaltung mit ihm so sehr, daß er ihn täglich zu sehen wünschte und ihm völlig freien, selbst unangemel­deten Zutritt erlaubte. Es war leicht begreiflich, daß alles, was dem Hofe angehörte, dem Beispiele des Ge­bieters folgte.

Dieser Umstand und zugleich das für die damalige Zeit sehr gute Theater, bewogen Engel, seinen Aufenthalt auf mehre Wochen auszudehnen. Doch machte der arme Direktor Seiler keine guten Geschäfte, er war ein red­licher, bescheidener Mann, der Professor Engel hatte ihn schätzen gelernt und versprach ihm, als sich der Bühnen­vorsteher gezwungen sah, einen andern Aufenthaltsort zu wählen, all seinen Einfluß bei den Ministern des Dres­dener Hofes anzuwenden, ihm ein Privilegium zu ver­schaffen, doch mit der Bedingung, daß der Herzog in die Entfernung der Gesellschaft willige. Der Direktor stellte an den regierenden Herrn die ganz ergebene Anfrage, Engel unterstützte dieselbe und beide erhielten mündlich die freundliche Zusicherung, man habe nichts dawider, daß Seiler mit seiner Gesellschaft einen vortheilhafteren Ort suche, und wünsche ihm Glück,

Seiler reiste nun in Gesellschaft Engels nach Dres­den und schon nach vierzehn Tagen kamen sie mit dem gewünschten Privilegium zurück. Wie groß aber war ihr Erstaunen, als sie bei ihrer Ankunft erfuhren, der Herzog habe die besten Mitglieder unter den Schauspie­lern für sich engagirt und wolle sich ein Hoftheater bilden.

Bei dem Mangel an geschickten, brauchbaren Schau­spielern war das für den armen Seiler ein vernichtender Donnerschlag; er war in Verzweiflung und dabei so muthlos und unfähig irgend eine Gegenvorstellung zu wagen. Engel war ebenfalls empört, doch verlor er die Fassung nicht. Er lehnte jede Einladung an den Hof zu kommen auf das Bestimmteste ab und äußerte sich in so unziemlichen, verletzenden Ausdrücken über die Treu­losigkeit, welche man an seinem Freunde begangen habe, schalt zu jedem Höfling, der ihm in den Weg kam, daß es kein Wunder war, wenn der Herzog alles und noch mit Zusätzen versehen, wieder erfuhr.

Engel der Stadt zu verweisen oder ihn arretiren zu lassen, dazu dachte der Herzog zu human, auch fürch­tete man, das Publikum möge einen solchen Schritt nicht eben günstig beurtheilen. Den Erzürnten durch Gunst­bezeigungen wieder zu gewinnen, dazu war keine Aus­sicht vorhanden, denn er hatte nach dem Vorfall alle Un­terhandlungen über ein Amt, das man ihm angetragen, abgebrochen. Viele Herren des Hofes machten ihm die höflichsten Besuche, alle fanden ihn aber äußerst auf­gebracht.

Der Herzog Ernst selbst wurde von der Nachricht sehr unangenehm berührt, daß der Professor Engel An­stalten zu seiner Abreise treffe; er schätzte den Mann wahrhaft und hatte sich an seinen Umgang gewöhnt. Der erste Minister, ein alter gewandter Hofmann, der den Unmuth des gebietenden Herrn bemerkte, übernahm