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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgeau Zeitung.

1849. M 38.

3^3

L u z Z e n n e.

(Fortsetzung.)

Die Richter zogen sich zur Berathung zurück. Als sie wieder erschienen, erfüllte lautlose Stille den Saal. Der Präsident verkündete mit lauter Stimme das Urtheil: es lautete auf Tod!

Milon sagte dann mit leiser Stimme aber gefaßt:

Meine Herren, ich danke Ihnen."

In diesem Momente theilte der Abbe die Gruppen, die ihn verbargen, stieg schnellen Schrittes herab, stellte sich vor das Tribunal hin und sagte mit lauter und ruhiger Stimme, indem er auf Milon zeigte:

Jetzt gehört der Verurthcilte Gott an. Ich sein Erzieher und Freund, ich verlange, ihm in seinen letzten Augenblicken Beistand zu leisten."

Nimmt der Verurthcilte das Anerbieten des Abbe Gilbert an?" fragte der Präsident.

3a," erwiederte Milon.

In diesem Falle entscheidet der Gerichtshof, daß der Priester Gilbert allein beauftragt ist, Milon zum Tode vorzubereiten. Der Gerichtshof empfiehlt ihn der Kirche."

Gilbert war zu Milon hinaufgegangen. Ohne ein Wort zu sprechen gab er ihm seinen Arm, und indem sich Milon ohne weiter zu reden darauf stützte, gingen beide langsam hinaus, von den Wachen umgeben.

Als sie in das Gefängniß traten, sprach der Abbe leise zum Schließer. Dieser verneigte sich, und eine bren­nende Lampe an dem düstern Orte zurücklassend, aus Achtung vor dem Priester, ging er hinaus, worauf man - die dreifachen Riegel sich schließen hörte.

Gilbert und Milon blieben allein mit einander. Einige Augenblicke standen sie schweigend gegenüber und |

sahen sich an, wie Leute, die einander vertrauen können. Dann sagte der Abbe mit fester Stimme:

Milon, jetzt müßt Ihr Eure Lenden gürten und Euer Kleid schürzen. Eure Stunden sind gezählt. Jeder andere Gedanke ist unnütz, und noch in dieser Minute müßt Ihr anfangen, zu bereuen."

Ich bereuen!... Ich wiederhole es Euch in diesen Mauern, aus denen meine Worte nicht herausgehen wer­den, als ich den Mann traf, habe ich auf's Gerathewohl hin zugestoßen... Nein, ungeachtet Ihres Urtheilspruchs, ungeachtet des Gefängnisses/ ungeachtet Gottes, der mich erwartet, ich kann nicht bereuen, Eines jener namenlosen Wesen getödtet zu haben, die den Engeln die Flügel ab­schneiden ..."

Ach! es ist also wahr!" rief Gilbert.

Zweifeltet 3^ daran?"

Nein, aber es gibt doch Jemand, dem Ihr verge­ben müsset."

Vergeben!.... Vergeben!... sagte Milon dumpf.

Seyd Ihr jetzt der Zweifler? sagte der Priester.

Ich appellire an Euch selbst."

In diesem Augenblicke öffnete sich wieder die dicke Thüre. Zwei schwarzgekleidete Frauen erschienen am Eingänge des Gefängnisses. Eine von ihnen, mit einem langen Schleier bedeckt, warf sich schweigend zu den Füßen Mitons, mit dem Antlitze auf die Erde. Die andere näherte sich ihm. Es war seine Mutter. Madeleine Aillaud, zu schwach, war im Kloster zurückgeblieben.

Mein Sohn, sagte die Pächterin, da ist Diejenige, deren Elend Du verursacht hast. Ich werde Dich be­weinen, wenn Du Mitleid mit ihr hast."

Um der Verzeihung würdig zu seyn, sagte der Abbe, müßt Ihr Euch mit Gott versöhnen..."

Mutter!.... Mutter!...." rief Milon heftig kämpfend.