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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem.

1849.: JVi 88.

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S U } t e n n e.Wo bin ich?" faqte sie, die Augen öffnend, aber

----------- noch immer betäubt. Dann Aubry erkennend fuhr sie (Fortsetzung.) mit ruhigerer Stimme fort:Ach!... mit Ihnen ...

Auf ein Zeichen der Gräfin begann der Gesang wieder.

Dann bot Aubry Luzienne seinen Arm; beide gingen in den Garten hinab und setzten sich auf eine Bank. Luzienne dachte nicht daran, ihren Arm zurückzuziehen. Ihre Augen schlossen sich, ihr rundes Haupt sank nieder, sie stützte sich, ohne cs zu wissen, auf die Schulter des Edelmannes, und bei den letzten Worten des Chors schlief sie in dem Gedanken an ihren Vater ein.

Aubry blickte um sich. Alle Gruppen hatten sich entfernt. Mehrere Sänftenträger standen in der Nähe, die von Weitem das Fest betrachteten. Der Vikomte machte den zunächst Stehenden ein Zeichen. Eine der Sänften näherte sich. Man setzte Luzienne vorsichtig hinein, ohne daß sie aufwachte. Aubry sagte zu den Leuten:

Folgt der großen Allee. Ich komme euch nach."

Er zeigte ihnen mit dem Finger die Richtung, die sie nehmen sollten, und näherte sich dem Dienergemach. Dort sagte er zu einem Lakaien:

Laß die Gräfin wissen, daß ich die junge Dame in einer Sänfte habe nach Hause bringen lassen. Eile. Aber vorher gib mir einen Mantel."

Nachdem dies geschehen, eilte er der Sänfte nach, sie er bald wieder einholte. In kurzer Zeit hatte man sie geringe Entfernung zurückgelegt. Einige Schritte von ser Meierei ließ Aubry halten, unter den ersten Bäumen

)es Wegs hinter dem Gebäude.

Die plötzliche Unter#

irechung erweckte Luzienne halb. Unterstützt von dem Edelmanne stieg sie maschinenartig aus der Sänfte und icfand sich auf dem Wege stehend.

Es schlug die Dorfglocke zwei Uhr Morgens.

ja ja. .. ich habe Vertrauen... mein Vater..."

Wir sind an der Meierei," sagte Aubry leise. Aber wie hineinkommen ? Muß man Jemanden wecken?"

Nein, nein," sagte sie,es ist nicht nöthig."

Wie wollen Sie es denn machen?"

Luzienne hatte erstaunt mit unruhigem Blicke um­hergesehen :

Dort," sagte sie, auf die Thür deS kleinen Gar­tens zeigend.

Sie durchschritt den Garten, sich auf den Arm Aubry's stützend. So gelangten sie an das Fenster, durch das Lu­zienne entflohen war.

Dies Fenster befand sich drei Fuß von der Erde. In ihrem frühern Fieberanfalle hatte Luzienne wohl heraus­springen können, aber in dem Zustande, in welchem sie sich gegenwärtig befand, schien es ihr ein unübersteigliches Hinderniß.

Erstaunt und stumm.sah sie furchtsam ihren Gefähr­ten an.

Ich begreife, sagte er schnell. Sie haben hinabstei­gen können; aber Sie wissen nicht, wie Sie wieder hin­auf kommen sollen. Warten Sie."

Er schwang sich iw das Zimmer hinein und hob sie leicht zu sich empor.

VIII.

Als der erste Strahl der Morgensonne die Gipfel

der Bäume vergoldete, erwachte Romain in seiner Dach-

kammer, die gerade über dem Zimmer von Luzienne sich be­fand. ES konnte fünf Uhr Morgens seyn, draußen herrschte noch völlige Dunkelheit. Der Schäfer rieb sich die Augen, sprang von seinem Lager auf und kleidete sich an. Als