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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Raffauischcu Allgem. Zeitung.

1849. 84.

/^Luzienne

(Fortsetzung.)

In zehn Minuten befand sich Luzienne an der lichten Stelle des Parkes. Sie befand sich dort, ohne zu wissen, wie sie dorthingekommen. Einsamkeit und Ruhe um­gaben sie plötzlich wie mit einem Zauber.

Außer Athem von ihrem raschem Laufe, erschöpft von der heftigen Anstrengung ließ sie sich auf die Bank nie­derfallen. Ihr Haupt sank auf ihre Brust, sie blieb einen Augenblick unbeweglich, und sagte dann aus dem Innersten ihrer entmuthigten Seele heraus:

Wie komme ich dazu, an ein Verbrechen zu denken?"

Sie wollen es wissen?" sagte eine Stimme traurig und sanft neben ihr.

Zittern und Schrecken ergriff die junge Frau. Sie erhob das Haupt. Der, welcher neben ihr stand, in einen Mantel gehüllt, düster, bleich, niedergeschlagen, war Aubry d'Orizelle.

Sie konnte nur die Worte stammeln:

Ach! das ist Verrath!... Sie haben geschworen, nicht zurückzukehren."

Was liegt daran, versetzte er, ich habe Sie ge­tauscht, ich habe mich selbst getäuscht. Ich war wegge­reist. Ich trug mein Unglück sehr weit. Ich sagte mir, sie ist glücklich. Derjenige, der sie besitzt ist besser als ich. Unterdessen führt mich mein eisernes Verhängniß wieder hierher. Seit zehn Tagen irre ich um Ihr Haus. Ich habe Sie gesehen, ich habe Alles begriffen...."

Luzienne machte eine Bewegung. Ihre Gedanken verwirrten sich plötzlich.

O Himmel! Milon täuschte sich nicht! dachte sie, Gott haucht es ihm ein...."

Ja, ich sah Ihre Blässe, ich begriff Ihr Leiden...."

Hüten Sie sich! ach, hüten Sie sich! rief sie aus... Wissen Sie denn, warum ich hier bin? Milon will Sie tödten, vielleicht lauert er dort hinter den Eichen und hört uns... er will Sie tödten, oder von Ihrer Hand fallen..."

Luzienne, sagte der Edelmann mit bitterem verächt­lichem Lone, wollen Sie für mich mein Leben retten?"

Ach! versetzte sie, ohne direkt hierauf zu antworten, ich hoffte, Sie würden Ihr Wort halten!..."

Luzienne, haben Sie für uns Beide Furcht?"

Mein Herr, das ist Alles anders geworden; es ist für meinen Mann! .. ." Sie sah mit Schrecken um sich.Sie sind Edelmann; ein Degen ist Ihre Schwester; ein Gefecht ist Ihr Leben, aber es... es... Ach, mein Herr, Sie sind Edelmann, und Sie hatten mir verspro­chen. . . doch noch ist es Zeit, es zu halten... entfernen Sie sich... Wenn Sie mich lieben, beweisen Sie es... Wenn Sie mich lieben, tödten Sie nicht mei­nen Gatten!..."

Also, bloß für Ihren Gatten..."

Ja für meinen Gatten ... für mich ... stiehen Sie, fliehen Sie!"

Mit einer schnellen edlen Geberde machte Aubry seinen Degen los und warf ihn weit von sich >n die Gebüsche und seinen Mantel abwerfend kniete er mit einem Fuße vor Luzienne hin und sprach:

Möge es kommen und mich treffen! Ich habe fern von Ihnen nicht leben können, und wenn Sie mich nicht lieben, will ich sterben! Ein Wort nur, theure Luzienne, ein einziges Wort; oder wenn das zu. viel verlangt ist, nur einen Blick, einen einzigen Blick?..."

Die junge Frau, von seinem Schmerze gerührt und alle Gefahr vergessend, heftete einen Augenblick ihre feuch­ten und glänzenden Augen auf die sanften Augen des Edelmannes.