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Der Wanderer.

SelletristischcS Beiblatt zur Rassaliischkii Mgem. Zkitimg^

1849. M 83.

8 II j i e n n e.

(Fortsetzung.)

VI.

Als Luzienne bei ihrer Trennung vom Abbe Gilbert die Meierei trat, fand sie dort die Mutter Milon und ' Mutter Aillaud, die allein im großen Saale waren, ie Pächterin war geradewegs aus dem Felde zurückge- mmen, um ihrem Sohne Lebewohl zu sagen, und sie tte keine Bemerkung gemacht, als sie erfuhr, daß ihre chwiegertochter mehrere Tage da bleiben würde. Aber 5 sie dieselbe eintreten sah, sagte sie zu ihr:

Sie sind sehr blaß, mein Kind."

O! sagte Luzienne mit erzwungenem Lächeln, ich r glücklich. Ich kenne ein Mittel, die Freude in mein ms zurückzubringen."

Das ist ein guter Gedanke, versetzte die Matrone, inn sich zur Mutter Aillaud neigend, die in einem inkel des Heerdes spann, sagte sie leise, während sich zienne in ihr Zimmer zurückzog:

Sie hat Ursache, die frische Luft zu genießen."

Bah! bah! sagte die Spinnerin scherzend, wir wissen, s das ist. Der Honigmonat ist lang gewesen, und n findet ihn jetzt zu kurz."

Sie glauben das, Sie? Sie würden besser thun, t ihr zu sprechen, um zu erfahren, waS sie hat."

Es ist doch Ihre Tochter.

Als die Mutter mit ihrer Tochter allein war, und in's Auge faßte, wurde sie von dem verstörten Aus- en derselben ganz betroffen.

Ach! mein Kind," sagte sie, die Hände faltend; as hat man Dir gethan, und was ist Dir?"

Ich weiß nicht," erwiederte Luzienne,seit gestern end betrifft mich ein neues ungewöhnliches Leid. So : Du jetzt mit mir sprichst, sollte mich Deine Stimme

weinen machen; aber es scheint mir, daß alle meine Thrä­nen dorthin zurückgetreten sind, sagte sie, die Hand auf's Her; legend. Ach! Mutter, ich habe zuviel Kummer! ich muß mich dessen entledigen oder ich sterbe!"

Bei dem Andenken Deines Vaters, mein Kind," sagte die Mutter, sie in ihre Arme schließend;hüte dich vor Dir selbst. Thue nichts, unternimm nichts in dem Zustande, worin Du bist! Auch auf jenen machten die Ereignisse seines Lebens, die ihn betrafen, ungemessenen Eindruck. Auch er wollte seiner Eingebung «folgen. Er starb daran. Ach! meine Tochter, ich weiß nicht, was Dich betrübt, aber nimm das Leiden hin. Es kommt von Gott. Schließe Dich ein, verbirg Dich, verlaß uns nicht! Versuche nichts unter der Eingebung des Schmer­zes, und Du wirst rein aus der Prüfung hervorgehen."

So sprach die Wittwe des Dichters, wider ihren' Willen eine Sprachweise anwendend, die sie so oft ge­hört hatte.

Ja ..." sagte ihre Tochter mit erschreckendem Aus­drucke ,aber weißt Du auch, durch welches Thor ich herausgehen werde? Es wird das des Haffes seyn; und ich will meinen Mann nicht hassen."

Steht es so?" sagte Madeleine, traurig lächelnd. Za, ja! die Pächterin hat vielleicht doch Recht. Es ist irgend eine Kinderei. Schlafe ruhig, mein Kind; Frauen, wie Du, hassen nicht."

Was machen sie denn?" sagte Luzienne, als ihre Mutter sich zurückgezogen hatte.

Von diesem Augenblicke an versank sie in ein tiefes Nachdenken, welches sie nicht mehr verließ.

Sie legte sich nieder, aber sie schlief die Nacht nicht. Beim Frühstück gewann sie es über sich, hinlänglich zu essen, um die Wachsamkeit ihrer Mutter zu täuschen. Dann stand sie auf, und ging nach der Thüre. ,

Luzienne, sagte Madeleine, verlaß die Meierei nicht. -