Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1849. .1" SS.

^Luzienne

(Fortsetzung.)

Dies Mittel konnte seine Wirkung nicht verfehlen. Luzienne erholte sich wieder. Sie ging wieder vorwärts. Ein trauriger, fieberhafter Ausdruck zeigte sich in ihrem Gesichte.

Ja, sagte sie mit einer gewissen Verstörtheit, ja, reden Sie, sagen Sie mir... Sie lieben mich ja!..,"

Wohlan, versetzte der Pfarrer zornig, Sie haben einen Erzspitzbuben geheirathet. Ich verläugne ihn als meinen Sohn, meinen Zögling. Wissen Sie, was er sich einbildet?"

Nein, sprechen Sie."

Daß Sie ihn nicht lieben, und daß Sie immer an )en Grafen d'Orizelle denken."

Ich weiß das."

Er hat es zu Ihnen gesagt? das ist ja herrlich! Denn Sle ihn nicht lieben, ei, so mag er wohl nicht lie- enswürdig seyn. Und wenn Sie an den Edelmann den­en, ein Mädchen wie Sre, so kann dies nur in allen ihren seyn, und beim Ohr des Malchus! das ist be- reiflich. Er war sehr liebenswürdig. Er war ein bra- er Junge und ein herrlicher Gesellschafter. Ich habe )n genauer kennen gelernt, und man braucht nicht zu offen, ihn bei mir anschwärzen zu können, wie man eben ersucht hat."

Wie! Milon sagte Ihnen auch..."

Parbleu! Glauben Sie, er bleibt auf halbem Wege chen? Das ist nicht Alles! Seiner Aussage zufolge it Aubry d'Orizelle das Land nicht verlassen; er ver- wt Sie nicht aus den Augen, er streift im größten Ge- imniffe um Sie herum, in der Stadt und auf dem mde..."

O Gott! DaS ist nicht möglich!"

Ich bitte Sie, zu glauben, daß mein Bayard dessen unfähig ist. Am Tage Ihrer Verlobung habe ich ihn um vier Uhr des Abends selbst in einer Postchaise mit vier Pferden verhängten Zügels auf dem Wege nach Havre fahren sehen. Wenn er Sie geliebt hat, so geschah dies offenbar nur, um Sie zu heirathen, und wenn er Sie geheirathet hätte, so würde er Sie glücklich gemacht haben."

Gott sey gelobt! Wenn er abgereist ist, so ist er ein Ehrenmann!"

Gut gesagt! Aber ein Ehrenmann hat das Recht, zurückzukehren. Eine Abwesenheit von mehreren Monaten war schon sehr viel von ihm. Man kann nicht ewig die Welt durchlaufen, man muß auch Winterquartier neh­men, und jetzt ist der Herbst da..."

Was wollen Sie sagen?"

Daß, wenn mein Rodrigo auf dem Schlosse wäre, Milon ihn wohl treffen könnte..."

Wie? Milon will..."

Milon entfernt Sie, um freie Hand zu haben, um ein Ende daraus zu machen, wie er sagte. Kein anderes Mittel ist möglich. Einer der beiden Rivale muß ster­ben. Er will dem Vicomte allein begegnen, ihn zur Rede stellen, sich mit ihm schlagen..."

Großer Gott! er hat es Ihnen gesagt..."

Er hat mich nach meinem Frühstück damit überrascht. Die ganze Zeit, als wir durch das Gehölz von Roumare zurückkehrten, hat er mir von Liebe und Eifersucht, Rache und Mord gesprochen..."

Aber das ist ja schrecklich! Er will den Mann tödten, der lein anderes Unrecht begangen hat, als mich zu lieben, da ich noch frei war; der sich entfernte, als er es versprochen hatte, der sich nichts vorzuwerfen hat, Nichts!... Er, er, Milon, wenn er unterläge... Ach!