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lution gar keinen fundamentalen Grund des Bestehens in sich trug, und findet den Beweis darin, daß sie sich jeder Initiative, jeder eigenen Idee, sowohl für das Gute, als für das Böse, entblößt zeigt. Wo sie zer­stören will, parodirt sie die forthin leeren Leidenschaften von 1793, und befolgt, wo sie etwas gründen will, die innere und die äußere Politik der gestürzten Regierung. Herr Guizot findet hauptsächlich in letzterer Beziehung' die Nachahmung einer unglücklichen Unkunde. Der Ein­fluß Frankreichs, welcher früher überall hin Ordnung und Freiheit trug, gibt sich heute zu Tage nur unter einer schädlichen Außenseite kund. Wir sind Schuld daran, wenn es in Europa nur noch geschwächte Regie­rungen, der Anarchie Preis gegebene Völker und unter­drückte Nationalitäten gibt.

In Bezug auf die innere Lage ist Herr Guizot ziem­lich beruhigt. Die während vier Monaten nach Hallen Winden hin bewegte Gesellschaft hat nach seiner Ansicht im Juli ihren Ballast gefunden. Die Juni-Jnsurgenten indem sie das Eigenthum und die Familie zur Zielscheibe nahmen, zeigten jener, wo sich eigentlich ihr konservativer Grundsatz befand. Herr Guizot glaubt nicht, daß die jetzige Regierungsform mit ihrer einzigen Kammer sich hinlänglich zur Befestigung jenes Grundsatzes eigene. Er läßt den gouvernementalen Tendenzen des allgemeinen Stimmrechtes Gerechtes widerfahren, er möchte es aber durch eine doppelte Wahl kontrolirt wissen.

Herr Guizot will bloß dann nach Frankreich zurück­kehren, wenn man ihn zurückruft das heißt durch die Thüren der Wahl. (Forts. folgt.)

F i 1 e r a 1 u r.

A Memoiren aus dem Jenseits.

(Fortsetzung.)

Die süßeste, zärtlichste und dankbarste Erinnerung be­wahrte ich an dies Erelgniß. Bevor ich meine Berühmt­heit erlangte, war die Familie Mr. Ives die einzige, die mir Gutes erwiesen und mich mit wahrer Zuneigung aus­genommen. Arm, unbekannt, geächtet, ohne Anziehungs­kraft, ohne Schönheit, finde ich dort eine sichere Zukunft, ein Vaterland, eine liebenswürdige Gattin, um mich aus meinem Trübsinn zu reißen, eine fast ebenso schöne Mutter, um mir den Verlust meiner betagten Mutter zu ersetzen; einen unterrichteten liebenden Vater, der die Wissenschaft ehrte, um den Vater zu ersetzen, dessen der Himmel mich beraubt; was bot ich denn für Alles das? Keine Täu­schung konnte bei der Wvhl obwalten, die man in Betreff meiner that; ich mußte mich für geliebt halten. Seitdem habe ich nur einmal eine Hingebung gefunden, die mir

das nämliche Vertrauen einzuflößen hinlänglich geeignet war. ...

Was geschah zu Baugay nach meiner Abreise? Was war aus der Familie geworden, in die ich Freude und Trauer gebracht? Ich sollte es später ersah,reu. Zu dem Zeitpunkte, wo ich diese Erinnerungen aus meinem frühe­ren Leben aufzeichnete, war ich Gesandter beim Könige Georg IV., und schrieb im Jahre 1822 zu London nieder, was mir 1795 in England begegnet war. Eines Tages kam mein Bedienter um halb Eins mir zu melden, daß ein Wagen vor der Thüre halte und eine englische Dame mich zu sprechen verlange. Da ich mir zur Regel gemacht, in meiner öffentlichen Stellung Niemanden abzuweisen, so ließ ich die Dame eintreten.

Ich war in meinem Kabinet; man meldet Lady Suiten an; ich sah eine Frau in Trauerkleidung cintre- ten, begleitet von zwei schönen Knaben, ebenfalls in Trauer: der Eine konnte sechszehn, der Andere vierzehn Jahre alt seyn. Ich ging der Fremden entgegen, sie war so bewegt, daß sie kaum gehen konnte. Sie sagte zu mir mit zitternder Stimme:Mylord, do you remember me?" (Erkennen Sie mich wieder?) Ja, ich erkenne Miß Ives wieder! Die Jabre, die über ihr Haupt da-hingegangen, hatten ihr nur ihren Frühling gelassen. Ich nahm sie bei der Hand, führte sie zu einem Sitze und setzte mich neben sie; ich konnte ihr nichts sagen; meine Augen waren voll Thränen, ich betrachtete sie schweigend durch diese Thränen hindurch; ich fühlte, daß ich sie tief geliebt habe, nach dem, was ich empfand. Endlich konnte ich ihr sagen:Erkennen auch Sie mich wieder, Madame?"

Sie schlug die Augen auf, die sie niedergeschlagen hatte, und richtete statt aller Antwort einen lächelnden und melancholischen Blick, wie eine lange Erinnerung, auf mich. Ihre Hand befand sich noch immer in der meinigen. Charlotte sagte zu mir:Ich betrauere meine Mutter, mein Vater ist seit einigen Tagen todt. DaS sind meine Kinder." Bei diesen letzten Worten zog sie ihre Hand weg und lehnte sich in ihren Sessel zurück, wobei sie ihre Augen mit ihrem Tuche bedeckte.

Dann versetzte sie:Mylord, ich rede jetzt zu Jhnew in der Sprache, die ich zu Baugay gegen Sie führte. Meine Kinder sind die Söhne des Admirals Sulton, dew ich drei Jahre nach Ihrer Abreise von England heirathete. Doch heute habe ich nicht Kraft genug, Ihnen das Ge­nauere darüber mitzutheilen. Erlauben Sie mir mich zu entfernen."

Ich bat sie um ihre Adresse, indem ich ihr den Arm bot, um sie zu ihrem Wagen zurückzuführen. Sie zitterte, und ich preßte ihre Hand an mein Herz. (Forts, f.)