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Zunahme, die in gar keinem sichtbaren Verhältnisse zur Zunahme der Bevölkerung steht und folglich einen ent­sprechenden Fortschritt im Verbrauche bedingt, das heißt in dem Wohlstände der Steuerpflichtigen und in der Produktion, das heißt in dem, was sie besitzen. Nun aber hält es nicht schwer, zu begreifen, daß dieser un­geheure Fortschritt ganz den unteren Klassen zu Gute kommt. Was den Verbrauch anbelangt, so ist es klar, daß die reichen oder wohlhabenden Klassen ein Marimum von Bedürfnissen haben, welches sie, wenn sie auch rei­cher oder wohlhabender werden, nicht überschreiten und daß sie in jeder der beiden Lagen fast dieselbe Quantität Wein, Kaffee, Tuch oder Leinwand kaufen.

(Fortsetzung folgt.)

Erzherzog Johann und die alte wiener Polizei.

In dem bei Brockhaus erscheinenden periodischen WerkeDie Gegenwart" findet sich eine anziehende Lebensbeschreibung des Erzherzog Johann, die, wie der Herausgeber sagt, zum Theil aus dem bisher ungeöffne­ten Portefeuille eines Mannes entstanden ist, der in der früheren Lebensepoche der Person wie der Wirksamkeit des Prinzen sehr nahe stand.

Wir heben aus dieser Charakteristik einen Absatz hervor, der für den Kulturstandpunkt Wiens, zur Blüthe­zeit der Metternich-Sedlinitzkyschen Polizeiherrschaft be­zeichnend ist, und uns zugleich die Verdienste anschaulich macht, welche sich der Reichsverweser in seinem engern Vaterlande um Kunst und Wissenschast erworben hat.

Unter den Verhältnissen, wie sie einmal bestanden, konnte der edle Geist und Charakter des Erzherzogs Jo­hann, vollends in den Uebergangsjahren nach dem Kriege von 1809, überhaupt nichts thun, als seinen Trost und seinen Genuß in den Wissenschaften und Künsten des Friedens suchen.

Da ihm das tyroler Land und Volk entrissen war, so wandte er sich nun mit gleichem Eifer den norischen Alpen zu, und nahm in diesen Bergen von Zeit zu Zeit seinen Aufenthalt. Schon im Jahre 1811 legte er den Grund zum Johanneum in Grätz, eine den Männern der Wissenschaft höchst werthvolle Anstalt, die vornämlich den Naturwissenschaften, der Geschichte und Alterthumskunde, der Technik alsbald den bedeutendsten Vorschub leistete. »Ihm, dem Entdecker des Chromerzes, dem epochemachenden Förderer der gestimmten steyerischen Eisenindustrie und so vieler anderer Gewerbszweige jener Alpenländer, mußte die Wichtigkeit eines solchen wissenschaftlichen Zentralpunkts, eines solchen Nationalmuseums in der höhern Bedeutung

des Worts, ganz besonders vor Augen treten. Neben dieser Pflege wissenschaftlicher und praktischer Interessen, gab sich der Prinz auch mit gleichem Eifer, mit gleicher Auf­opferung dem Idealen hin, indem er fortfuhr, die Kunst im Sinne und der Bedeutung der Zeit zu erwecken und dem Volksgeiste näher zu bringen.

Es erwuchsen im Schwarzenberg'schen Garten Ate­liers und Mittel jeder Art zur Darstellung habsburgischer Vorzeit aus Fugger'sEhrenspiegel" und aus Hormayr's Plutarch." Freilich die Wiener Akademie, in ihrer op­timistischen Eklektik, zog über derlei mittelalterliche Rohei­ten die Achseln. Sie kannte noch nichts als Zeus und Venus, Eros und Aphrodite, Diana und Endymion, die Trojerhelden alle, Brutus und Virginia, Scavola und Coriolan. Diese Gestalten kehrten so regelmäßig wieder, wie die Apostel an der Lübecker Uhr, wie das Männlein­laufen der Kurfürsten vor dem Kaiser auf Nürnbergs schönem Brunnen, so daß man wohl ausrufen mochte: qui me délivrera des Grecs et des Romains et de tant de héros noblement parricides et de cctte triste famille du roi Agamemnon qui ne finit jamais ?"

Der Erzherzog Johann hat hier in der That eine neue Bahn gebrochen, und kein europäischer Monarch hat seiner vaterländischen historischen Galerie auch nur von fern etwas an die Seite zu setzen. Nach langer Beschrän­kung auf des Erzherzogs Johann eigene Bildersäle zeigte sich endlich diese östreichische Geschichtstendenz im Jahre 1822 zum ersten mal auch auf der Akademie bei St. Anna. Diese Kunstausstellung glich einer wahren Natio­nalkapelle, in welcher der Künstler Karl Ruß allein 40 solcher auf die Nationalgeschichte bezügliche Werke aufge­stellt hatte, um die sich stets eine Menge wißbegieriger Patrioten lagerte.

Je größer und reiner aber der Eifer war, der den Erzherzog Johann bei Förderung und Erweckung des gei­stigen Lebens der Nation leitete, um so mehr mußte er sich verwundet und empört fühlen über die barbarische Schranke, die man der Geistesentfaltung von Oben aus durch eine beispiellose Handhabung der Zensur entgegen­setzte. Alles, was seit Joseph II., seit 1780 dem öffent­lichen Verkehr frei gewesen, war schon seit 1795 einer strengen und schmachvollen Rezensuirung unterworfen worden. Alle Klassiker deutscher Zunge, Göthe, Schiller, Wieland, Herder, Johannes Müller, Jean Paul, Lessing, waren verboten. Von einigen eristirten schmachvoll und lächerlich verstümmelte Nachdrucke, z. B. ein Schiller ohne dieResignation", ohneDie Götter Griechenlands" u. s. w. Besonders brach von Seiten der Zensur ein Hauptsturm gegen Hormayr los, nicht nur wegen dessen freisinniger, oft schneidend ironischer Sprache, sondern auch weil dessen politische und einflußreiche Rolle in Tyrol,