Gegend haben alle ihre 6 Pferde im Stall und viele noch mehr. Man war in einem stattlichen Zuge hierher gefahren mit Vorreitern und Trompetern. Es ist nämlich hier das Land, dessen Glück jenes Reichstagsmitglied auch in Nassau verwirklichen möchte. Die Bauern tragen eine Masse Silbersachen, wohl auch der Eine oder der Andere silberne Knöpfe. Ob aber wir sie je erhalten werben, das ist eine Frage. In jener Gegend ist ein sehr schwerer fruchtbarer Boden, den wir bei uns nur in einigen Thälern haben, und eS erbt daselbst der älteste Sohn alle Gebäude und Güter. Es gibt daher nicht bloß Leute, die silberne Knöpfe tragen, sondern einen bei weitem größeren Theil, der sie nicht hat.
Ich muß sagen, daß die Musik nicht sehr anziehend war; die Neugierde plagte uns aber doch, einmal die Lustbarkeit in Augenschein zu nehmen. In der That fand ich mehr, als ich erwartet hatte. Jnsbesonders anziehend waren mir die auffallenden Trachten, namentlich die deS weiblichen Geschlechtes. Die Braut hatte einen sonderbaren Kopfputz, der von einer Unmasse kleiner Spiegel, buntem Glase und Flittergold zusammengefügt war, von welchem vier Goldtressen auf den Rücken und ebenso viel auf die Brust mehr als ellenlang herabhingen. Sie allein war in einen feinen, schwarzen Tuchanzug gekleidet, nach altem Schnitt gemacht, wie der der übrigen Frauenspersonen, aber reichlich verziert mit Brabanter Spitzen, sowie denn auch alle übrigen Stoffe zeigten, daß die Braut einen theueren Anzug hatte, als manche Braut aus höheren Ständen. Die ganze übrige weibliche Gesellschaft war roth gekleidet und zwar ziegclroth. Rothe Mieder von blumigem Kattun, Röcke von rothem Tuche, rothe Strümpfe mit blauen Zwickeln. Es mußte eine wahre Augenweide für einen Republikaner gewesen seyn. Um den Hals trugen diese ländlichen Schönheiten eine Halskette von Bernstein. Die einzelnen Perlen sind so groß, wie ein Hühnerei und vorne ist dieser plumpe Schmuck durch ein ungeschickt großes silbernes Schloß befestigt, das in seiner Breite den Hals in die Höhe hält, wie eine breite Kravate. An Schmuck lassen eS sich diese Leute also was kosten. So ist das silberne Brustschild, das die Braut ebenso wie alle andern trugen, blos etwas Blinkendes, gerade nichtS^Schönes, da in der Regel bloß der Name darauf steht, worüber der Lieblingsvogel der Landleute prangt, der Hahn. Braut und Bräutigam trugen die größten silbernen Ringe, die ich je gesehen habe, denn sie waren ein Glied lang.
Von einer ganz besonderen Konstruktion sind, um dieß doch auch noch zu erwähnen, die Schuhe, in welchen zu gehen eine große Kunst ist, und natürlich noch eine
viel größere zu biegen. Der Schuh hat nämlich einen ungeheuren Absatz mitten unter dem Fuße, so daß nur die Spitze der Zehen die Erde berührt. Den Grund von dieser tollen Art von Schuhen habe ich nicht in Erfahrung bringen können, ich glaube aber, daß die Sparsamkeit wohl der Grund davon ist, indem die Sohlen unmöglich viel Geld kosten können. (Forts, f.)
M theilen.
— Die „Reichstagszeitung" enthält folgende Anzeige: Herr Vogt! Beranger, „der Sänger der heiligen Allianz der Völker", hat mich gebeten, ihn mit 20 Franken für die Nachgelassenen Blum's zu unterschreiben. Er setzt hinzu, ich solle ihn anonym einschreiben lassen, wenn dies möglich sey. Ich denke aber, es ist das nicht möglich, und somit bitte ich im Gegentheile „den Freunden der heiligen Allianz der Völker" das Andenken Be- ranger's an ein Opfer der deutschen Freiheit durch die Presse zu verrathen. Frankfurt, 3. Jan. 1849. J. Venedey.
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"— Am Sylvester-Abend erschien ein angesehener berliner Bürger mit seinem kleinen Töchterchen im berliner zoologischen Garten, um, wie derselbe fast jeden Abend zu thun pflegt, mit den Thieren, denen er bereits eine vertraute Erscheinung geworden ist, zu spielen. In dem Augenblicke, als der Wachter in den Käfig des Löwen und der Löwin treten will, um frisches Stroh auszustreuen, reizt unbeachteter Weise das kleine Kind die Thiere dadurch, daß es mit seinem Wintermuff über den Käfig streicht. Der Löwe so wie die Löwin, deren Raubgier durch die Erscheinung des Kindes ohnedem aufgeregt worden war, gerathen darüber in solche Wuth, daß ein Satz sie beide aus dem Käfig befreit. Schrecken bemächtigte sich Aller. Der Inspektor des zoologischen Gartens hat indessen die Geistesgegenwart, das Kind unter seinem Rocke zu bergen. Der Löwe springt dem unerschrockenen Manne auf die Schulter, seine Hintertatzen in die Schenkel desseben einkrallend. Der Wächter hält mit riesiger Anstrengung die Löwin zurück. In dieser furchtbaren Sage gelingt es dem Muth und der Besonnenheit der beiden Männer dennoch, das Kind zu retten, und später auch, die Thiere zu beschwichtigen und in den Käfig zurückzubringen. Großes Unglück ist durch die Umsicht und Unerschrockenheit der bezeichneten wackern Männer vermieden worden.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Theater zu Wiesbaden.
Samstag, den 13. Jan. Marie Anne, oder: ein Weib auS dem Volke, Schauspiel in 5 Akten. Nach dem französischen von Drârler-Manfred.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.