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hören, sich seiner begünstigten Stellung zu überheben, vor allem aber suche man dem Handwerk, dem Ackerbau, der Industrie den goldenen Boden wieder zu gewinnen. Man kann keine besseren Truppen gegen die Kommunisten in's Feld schicken, als eine Schaar recht tüchtiger National­ökonomen.

Es verdient bemerkt zu werden, daß in dem Lande der Praxis, in Nordamerika, von Deutschen angestellle Versuche, sozialistische oder kommunistische Kolonieen zu gründen, schnell gescheitert sind. Hiervon macht das Un­ternehmen des Leinewebers Rapp die einzige Ausnahme. Das äußere Gedeihen der Rapp'schen Kolonie läßt sie wie das Muster Zeiner Niederlassung erscheinen. Allein die gesellschaftliche Reform erweis't sich hier als ein ganz asiatischer Despotismus, und nur ein düsterer reli­giöser Sektengeist läßt die Leute diese traurige Gemein­samkeit ertragen, welche nichts weiter ist, als die despo­tische Vernichtung des Individuums. Schon der Zwang der regelmäßigen Arbeit, der Zwang der Gemeinsamkeit wird zur fürchterlichen Qual werden. Es zeugt darum von Rapp's Scharfblick, daß er den guten Platz im Him­mel von der regelmäßigen Arbeit in der Kolonie abhän­gig macht. Nur dadurch, daß er mit Beihülfe der reli­giösen Schwärmerei eine vollendete Abgeschlossenheit seiner Jünger von der übrigen Welt erzielte, sicherte Rapp der Kolonie Bestand. Der Verkehr mit den Amerikanern, die einen so großen Werth auf Besitz und Eigenthum legen, läßt den persönlichen Erwerb dort sehr schnell wünschens- werth erscheinen, der praktische Geist des Landes stempelt es bald zu einer Lächerlichkeit, nach Büchern einen Staat, und bestehe er auch nur aus ein paar Dutzend Menschen, aufbauen zu wollen, und endlich ist Amerika in der That zu sehr ein Land der Freiheit, als daß eine Knechtschaft, die, wie der Sozialismus, alle Selbstständigkeit des ein­zelnen Menschen, alle persönliche Entfaltung aufhebt, dort Bestand haben könnte. Bei uns dünkt der Sozialis­mus Manchem Freiheit zu seyn: es ist bemerkenswerth, daß er in Amerika noch immer als eine unerklärliche Skla­verei sich bewährt hat. (Schl f.)

Goethe über Friedrich Wilhelm IV.

Der durch sonderbare Umstände so lange zurückge- haltene dritte Band der Gespräche Göthe's mit Ecker­mann gehört zu den bedeutendsten Bereicherungen der Göthe-Bücher, die gegenwärtig schon eine beträchtliche, zum Theil seltene Sammlung bilden. Er erhebt sich noch über die beiden ersten Bände, indem er ausführliche Mit­theilungen über die höchsten menschlichen und göttlichen

Dinge, über Leben, Kunst, Staat, Kirche und Religion bringt. Alles mit dem Gepräge der Hoheit und Wahr­heit, wie der große Meister, dessen es dem empfänglichen und treuen Gemüthe seines innigen Verehrers vertrante. Dar­unter erinnern wir heute an folgende denkwürdige Worte, welche der weise Dichter schon am II. März 1828 über den damaligen Kronprinzen von Preußen aus­sprach:Wäre ich ein Fürst, fuhr er lebhaft fort, so würde ich zu meinen ersten Stellen nie Leute nehmen, die bloß durch Geburt und Anziennität nach und nach heraufgekommen sind und nun in ihrem Alter in gewohn­tem Gleise langsam gemächlich fortgehen, wobei den frei­lich nicht viel Gescheidtes zu Tage kommt. Junge Männer wollte ich haben! aber es müßten Kapazitä­ten seyn, mit Klarheit und Energie ausgerüstet, und da­bei vom besten Willen und edelsten Charakter. Da wäre es eine Lust zu herrschen und sein Volk vorwärts nr bringen! Aber wo ist so ein Fürst, dem es so wohl würde und der so gut bedient wäre? Große Hoff­nung setze ich auf den jetzigen Kronprinzen von Preußen. Nach allem was ich von ihm kenne und höre, ist er ein sehr bedeutender Mensch! und das gehört dazu, um wieder tüchtige und talentvolle Leute zu erkennen und zu wählen. Denn, man sage was man will, das Gleiche kann nur von Gleichen erkannt werden, und nur ein Fürst, der selber große Fähigkeiten besitzt, wird wiederum große Fähigkeiten in seinen Unterthanen und Dienern gehörig erkennen und schätzen."

Weferreise.

(Fortsetzung.)

Nachdem ich eine Zeit lang so meinen Betrachtungen mich überlassen hatte, wurde ich auf eine sehr angenehme Weise aus meinen Gedanken gerissen, durch die Ankunft des Herrn nämlich mit den beiden Damen. Die Gesell­schaft hatte mir nun schon auf den ersten Blick gefallen und darum war es mir, als seyen es alte Bekannte, und unvermerkt war ich mit den Leuten in das lebhafteste Gespräch gekommen.

Während wir so redeten, waren wir, durch die untergegangene Sonne gemahnt, ohne daß Einer den Andern dazu aufgefordert hätte, dem Wirthschaftsgebäude immer näher gekommen. In dem Tanzsaale ging's lustig her; denn wie ich bei näherer Erkundigung erfuhr, hatte ein reicher Bauer denselben gemiethet, um darin die Hochzeit seines Sohnes zu feiern. Eine Menge stattlich aufgeputzter Leiterwagen und Pferde standen um das Hans herum; denn die reichen Bauern (Vollmaier) jener