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wenn ich den Kampf liebe, wenn ich mich den Gefahren aussetze, so räume ich nicht das Schlachtfeld, ich nehme während des Feldzuges nicht auf Monate Urlaub; denn es sind zwei Monate, daß Ihr die Fahne verlassen habt. Rechtfertigt Euch, wenn Ihr könnt!"

Ich hatte wichtige Gründe, zu wichtig, als daß ich sie angeben könnte."

Das sind schöne Gründe, Euere Gründe! Ich kann sie Euch schon sagen!"

Ihr?" versetzte Milon unruhig.

Ja, ich! Ihr liebt Euere Nichte."

Schweigen Sie, Abbe, es ist nicht so, das kann nicht seyn!"

Das schöne Geheimniß und das große Verbrechen! Es gibt Ablaß dafür. Ich sage Euch, Ihr liebt Euere Nichte, und es ist recht, daß Ihr sie verlaßt, weil Ihr sie liebt; weil man Euch zufolge alle menschlichen Re­gungen, selbst die süßesten ersticken muß; weil Ihr Alles bezwingen und Allem zuvorkommen wollt, weil Ihr ein Koloß von Stolz seyd!"

Ihr seyd im Irrthum !" sagte Milon, ihn mit sol­cher Energie und Festigkeit unterbrechend, daß der Abbe verstummte und auf dem Wege stehen blieb.

Milon blieb ebenfalls stehen.

Ihr wollt Alles wissen, Ihr treibt mich dazu. Ver­nehmt denn, daß etwas Stürmisches und Dämonisches in mir ist, das man nicht mit einer Liebe in Berührung bringen muß. ... Ihr wollt Alles wissen.... Wohlan, höret noch dieses: Wenn ich meine Kousine liebte, so wäre dies mit der Wildheit, die mich erschreckt, und die ich unterdrücke, und dann dieser Mensch, dem ich vorhin begegnete, dieser Mann, der wagte, mich zu täuschen, der Mann, der sie aufgehetzt hat... . Wißt Ihr, daß nur der Tod zwischen ihm und mir steht? und sehet Ihr Euren Fehler jetzt ein? ..."

Milon betrachtete den alten Pfarrer mit finsterem, zornigem Blicke. Der Abbe Gilbert nahm seine Zuflucht zu seiner Tabatiere und, eine Prise nehmend, erwie­derte er:

Ich sehe nun die Frucht des Treibens, das ich Euch vorwarf. Was meinen Fehler, d. h. Euren Fehler an­belangt, so ist er durch Euer eigenes Geständniß zu ent­schuldigen. Denn, wenn Ihr Luzienne liebt, warum flieht Ihr sie? warum heirathet Ihr sie nicht?"

Oh! rief Milon mit Bitterkeit, aus einem sehr un­bedeutenden Grunde, ja noch weniger als unbedeutend! Weil sie mich nicht liebt."

Sie liebt Euch nicht?!..."

Nein, sie liebt mich nicht, fuhr Milon fort, weil ein Zufall, ein Lichtblick ihr plötzlich gezeigt hat, wer ich

bin; weil ich vor zwei Monaten einen Menschen halb erdrosselt habe vor ihren Augen...."

Einen Menschen!"

Ja, ein Vagabund, der ihr durch sein Betteln lästig wurde, hier auf diejem Wege, und ihr Angst machte. Zufällig war ich dort hinter der Hecke. Ich sprang wie ein Tiger herbei, faßte den Menschen bei der Kehle, und warf ihn fast todt in die Dornen der Hecke. Dann wollte ich Luzienne meinen Arm geben, sie zögerte, sie fürchtete sich; da begriff ich: ich ging neben ihr, und jedesmal, wenn ich sie ansah, überraschte ich sie, wie sie mich mit Staunen, mit Schrecken ansah...."

Ha, ha! das ist gut! ha, ha! Wenn ich nicht Priester wäre, so würde ich mich vor Lachen darüber auf der Erde umherwälzen."

Lachet nur, wenn Ihr wollt. Von diesem Augen­blicke an mied sie mich, sie hat nicht mehr mit mir ge­sprochen, sie kam nicht mehr in meine Nähe, ohne zu er­bleichen und zu zittern... Ja, lacht nur! denn ich bin nicht mehr zurückgekehrt. In meiner Abwesenheit, nicht wahr, zeigte sich Jemand, gegen den ich auffallend abstach?"

O, Unsinniger! Unsinniger, der Ihr seyd, rief Gil­bert, in die Hände schlagend. Aber, Herr, wir Andern, die wir eine Musketiermoral haben, wir wissen wenig­stens das, daß man natürlich seyn muß, daß man die Frauen nicht erschrecken darf, daß man beharrlich bei ihnen seyn muß, versteht Ihr? Die erste Bedingung, eine Schlacht zu gewinnen, ist, nicht davon zu laufen, seine Fahne nicht zu verlassen. O! die Kapuziner!"

Ungeachtet der Halsstarrigkeit Milons machten diese ironischen Bemerkungen des Pfarrers doch Eindruck auf ihn. Er betrachtete ihn mit großen Augen, schwieg und versank in tiefe Betrachtungen.

Man kam an der Meieret an und hatte nur noch den Hof zu passiren, der den Weg begrenzte.

(Fortsetzung folgt.)

* Der Kommunismus in seiner kultur­geschichtlichen Begründung.

(Fortsetzung.)

VJ. Die beste Taktik gegen den Kommunismus.

Bekämpft man den Kommunismus und Sozialismus theoretisch, so werden immer beide Parteien Recht.behal- ten. Man muß ihn durch die Praris bekämpfen. Man muß dem gemeinen Mann Vertrauen zeigen, statt ihn vorweg zu den unsicheren Personen zu rechnen, das Ge­schlecht muß spartanischer werden und der Reichthum auf-