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Unsicheren" (also muthmaßlich Bescholtenen!) die Handwerksbursche, daS Gesinde, die gemeinen Soldaten! Und wie würde nun dieser Ur-Polizeigedanke, wäre er auSgeführt worden, auf das moralische Selbstgefühl der unteren Klassen gewirkt haben? Sollte man es da dem unsicheren" gemeinen Manne verargen, wenn er revo­lutionär und kommunistisch geworden wäre?

Man hat in neuerer Zeit kaum gehört, daß die idealistische gelehrte Jugend unserer Hochschulen, daß die Studenten politische Ideologien praktisch zu machen gesucht hätten; denn daß sie in Wien und Berlin zu­griffen und dreinschlugen, gehört nicht hierher. Allein man verbiete ihnen einmal alle Nacht-Skandale auf's Strengste, man konsiszire ihre Bänder und Mützen, hebe die alten Kreditgesetze auf, betrachte sie wie die Hand­werksbursche als unsichere Personen, als förmliche Dienst­objekte der Polizeidiener, so wird man binnen Jahres­frist die Hände voll zu thun haben mit akademischen Kommunistenuntersuchungen. (Forts. f.)

Fabel oder Wahrheit?

Ueber Robert Blum's Ende liegt uns eine Darstel­lung vor, die wir mittheilen, ohne ihre Wahrheit indeß verbürgen zu wollen: Das in Paderborn erscheinende Westphälische Kirchenblatt" berichtet nämlich nach einem Schreiben des k. k. Hofrathes Dr. F. Hurter in Wien an einen demselben befreundeten Pfarrer, daß Robert Blum sich vorseiner Hinrichtung mitderKirche ausgesöhnt habe und als Katholik gestorben sey. In dem Schreiben heißt es wörtlich: Der Ruf, am 9. Nov. des Morgens um 5 Uhr in dem Gefängnisse sich einzufinden, war an den Geistlichen Tages zuvor kurz vor Mitternacht ergangen. Zu wem er sich zu ver­fügen habe, wußte er nicht, er vernahm es erst beim Eintritt. Wie er zu Blum kam, sagte dieser: Wer hat Sie gerufen? Ich bin Deutschkatholik! (Bei dem Ver­hör jedoch hatte er sich nicht als solchen, sondern rund­weg als Katholik angegeben, wie solches in den Akten steht.) Der Geistliche erwiderte, das weiß ich, aber den Rath eines Freundes werden Sie doch in so bitteren Augenblicken nicht verschmähen! Blum kam nun auf seine Familie, und bejammerte, von derselben getrennt zu werden, ohne Abschied nehmen zu können; wenn ihm doch nur der Trost zu Theil würde, sie hier in seinem Gefängniß zu sehen und einige Worte des Abschiedes zu ihr zu sprechen.

Der Geistliche bemerkte, das würde seine letzten Augenblicke nur noch schwerer machen, und wies ihn da­

bei auf das Beispiel des Sokrates, der die Seinigen fort­geschickt habe, um nicht durch deren Klagen in den Unter­redungen mit seinen Freunden über die Unsterblichkeit ge­stört zu werden. Während der Unterredung schien in Blum's Innerem eine große Veränderung vorgegangen zu seyn; er faltete die Hände, fiel auf die Kniee und bat inbrünstig, der Geistliche möchte ihm das heilige Sakrament reichen. Herr P. Raimund bemerke: er müsse wohl wissen, daß dies nur dann geschehen könne, wenn er zuvor durch aufrichtige Beichte mit Gott sich versöhnt habe. Auch dazu erwies sich Blum willfährig. Der Prosos verließ das Zimmer, der Verurtheitte beichtete und empfing darauf mit gebührender Andacht den Leib des Herrn. Diesen aber dürfen wir preisen, daß er ihn der Gnade zugänglich und empfänglich gemacht habe, und müssen es allen Einwendungen und absichtlichen Ent­stellungen als unbestreitbare Wahrheit verkünden: daß Robert Blum vor seinem Ende den deutsch-katholi­schen Irrthum verlassen und mit der Kirche sich ausgesöhnt habe.

Auf dem Wege aus dem Gefängniß nach der Bri­gittenau, wo das Urtheil vollzogen wurde, wurde in einer Kaserne Halt gemacht. Blum mußte dort seinen Wagen verlassen, aber bald darauf wieder einsteigen und weiter fahren. Einen Augenblick schien in ihm die Hoffnung aufzutauchen, er könnte noch begnadigt werden. In mei­nem Kopfe, sagte er, ruhen noch so viele Entwürfe; sol­len diese alle unter die Erde gehen? Unterwegs schallte der Ton eines Glöckleins herüber; dies erinnerte ihn an seine Knabenjahre in Köln- wo er bei den Benediktinern so oft ministrirt hatte, an seine alte Mutter, die ihn im­mer mit der Aufforderung, nie von der Gottesfurcht zn weichen, zu der Kirche gesendet.

Weferreife.

(Fortsetzung.)

Bei Hörter, einem preußischen Städtchen, fuhren wir unter einer stattlichen Brücke her, deren Brückenbalken von steinernen Pfeilern getragen wurden. In der Nähe von Hörter liegt die berühmte Benediktinerabtei Corvey, deren Bewohner sich einstmals durch Gelehrsamkeit aus­zeichneten. Manchen Schatz haben sie der Wissenschaft erhalten und auch Originalwerke geliefert, worunter eine altsächsische Geschichte, um das Jahr 1000 geschrieben, den Mönch Wittekind zum Verfasser hat.

ES ist übrigens keine kleine Arbeit, in Erfahrung zu bringen, welchem Lande die Weserufer angehören, denn Kurhessen, Hannover, Preußen, Braunschweig und Lippe- Detmold theilen sich in einer ganz kurzen Strecke darein.