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Der Wanderer.

Bellktnstischks Beiblatt zur Naffamsche» Allgem. Zeitung.

1849. VIS 9

8 u j i e n u e.

(Fortsetzung.)

Milon sah Orizelle an, und Orizelle, Milon. Es war nur ein Blick, aber er drückte Alles aus. Es be­stand unter diesen beiden Männern eine völlige Gleich­heit des Verständnisses und des Hasses.

Und warum, fuhr Milon zu Romain gewendet fort, hat der Herr dem Leguillon einen Thaler gegeben?"

Leguillon sagte, es sey für weiter nichts, man habe über dies und jenes gesprochen."

Was einfacher? bemerkte Orizelle, ich habe einen Glücklichen machen wollen."

Hat Leguillon den Thaler bewahrt?"

Nein, Herr, er hat ihn gestern mit Drian ver­trunken."

Es ist gut. Noch heute soll Leguillon aus der Meierei."

Armer Teufel! sagte Aubry. Sie werden es viel­leicht ziemlich natürlich finden, mein lieber Herr, daß ich mich mit ihm belästige?"

Ich werde Sorge tragen, ihn zu Ihnen zu schicken, mein Herr, ich empfehle mich Ihnen."

Milon, sich mit Romain entfernend, schickte sich an, in das Gehölz zur Rechten des Weges einzudringen. Aubry blieb stehen.

Wie! sagte er leisten Sie mir nicht Gesellschaft bis zum Schlosse?"

Nein, mein Herr. Das Schloß ist am Ende dieser Auffahrt, und das Dorf am Ende dieses Fußsteiges."

Ist nicht dieser Fußsteig der Coupe-Gorge? Und dahin gehen Sie?"

Oh, ich fürchte nichts! versetzte Milon. Ich habe meinen Vetter, der mich nicht verläßt."

Ihr Vetter? Wenn es Romain ist, den Sie mei­nen?"

Nein, Nein! das ist es, was ich meine."

Er zog hierbei aus seinem Rocke eines jener furcht­baren Messer, die man zu jener Zeit verfertigte. Augen­scheinlich war es zur persönlichen Vertheidigung bestimmt. Durch einen geschickten, damals noch wenig gekannten Mechanismus konnte man beim Gebrauche das Schließen desselben verhindern, und wurde also das Messer, wenn es geöffnet war, zum wirklichen Dolche.

Milon öffnete es, und es dem Edelmanns darrei­chend, sagte er zu ihm:

Was halten Sie davon, mein Herr?"

Es ist eine Hülfe, auf die man zählen kann, ver­setzte d'Orizelle, indem er es nahm und es leicht in sei­ner Hand zuklappen ließ. Dann gab er es Milon zurück Und fügte hinzu: Man muß aber den Feind in der Nähe und eine sichere Hand haben."

Milonantwortete, das Heft mit Kraft umfassend: Die Hand ist stark, wenn der Feind in der Nähe ist."

Ich, sagte Aubry, ich habe zwar keinen Vetter; aber ich habe von London ein Paar Bullenbeißer mitgebracht, die mich ebenfalls nicht im Stiche lassen."

Der Edelmann zog aus seinem Rocke ein paar Pisto­len, und hielt sie Milon hin."

Was halten Sie denn davon?" sagte er seinerseits. Milon betrachtete sie geringschätzig.

Von weitem richtet das nicht viel aus," versetzte er,die Hand kann zittern, und die Kugel fliegt daneben."

Ja, aber in der Nähe, zum Beispiel auf die Ent­fernung Ihres . . . Vetters . . .

Milon lächelte von Neuem.

Auf die Entfernung meines Vetters hin, erwie­derte er, zittert die Hand gewiß, weil man ein schlechtes Bewußtsein hat."