Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1849. — â 8.
t Deutsche Kaiser.
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Die Schatten viel herrlicher Helden, Sie sanken in bergende Nacht, Der Karl, der auf goldenem Stuhle Im Grab noch gehalten die Wacht.
Der sächsische Heinrich, der Vogler,
Der muthig die Slaven bekriegt, Und Ungarn im offenen Kampfe Mit Blick und mit Schwertschlag besiegt.
Die Franken auch liegen tief unten, Und Konrad, der Salier, entschlief, Der einst gegen Roma, die stolze, In Waffen sein Vaterland rief.
Und tief in dem Berge da schlummert, Aus Staufens hochedelm Geschlecht, Der Rothbart, der kühn an den Türken Sein Volk und Europa gerächt.
Ja alle die hehren Gestalten, Sie mußten, wie Sterne verglühn, Der Habsburg, dem blüht um die Schläfe Ein Lorbeer, so ewiglich grün.
Wohlan denn, mein Deutschland, erledigt Ist Kar ls, ist der He inriche Thron, Tief unten, tief unten da liegen Still K onrads und Fried er ichs Sohn.
So tauch' über Gräbern und Schatten Ein neues Geschlecht Dir nun auf, Ein anderer Friederich steige Die purpurnen Stufen hinauf.
Er halte auf goldenem Stuhle, Wie Kaiser Karolus die Wacht, Und strafe die Feinde Germaniens Mit des Reiches zerschmetternder Acht.
Franz Lacy.
(Fortsetzung.)
Wirklich hatte auch Romain seit dem Zusammentreffen mit dem Edelmanne, den er sehr gut kannte, Stillschweigen beobachtet, aber für den aufmerksamen Beobachter war es ein spaßhaftes Schweigen. Er hatte die jungen Sprößlinge eines Haselstrauches abgeschnitten, und war eifrig beschäftigt, Pfeifen daraus zu schneiden und sie eine nach der andern in dem henlichen Echo des Waldes zu probiren.
„Du weißt also nichts Anderes zu machen?" fragte Oubry.
„Es ist die Jahreszeit dazu," sagte Romain mit seiner einfältigen Miene.
„Gut! und was macht man im Sommer?" „Im Sommer, Trompeten aus dem Korn.
„Und im Herbst?,,
„Im Herbst macht man Pfeile und wirft sie nach Aepfeln."
„Und im Winter?"
„Im Winter macht man Schleudern und wirft Kiesel in die Hohe."
„Das ist richtig, jede Jahreszeit hat ihre Beschäftigung. Als ich Romain begegnete, Herr Milon, während er mit Pfeisenschneiden sich beschäftigte, wollte ich mit ihm plaudern; aber er ist sehr wild, und fing damit an, mich zu fragen, wer ich sey und warum ich in der Woche spazieren gehe. Da mich dies in Verlegenheit setzte und ich nicht wußte, wie ich ihm es erklären sollte, so sagte ich ihm, daß ich spazieren zu gehen genöthigt sey, weil ich der ewige Jude wäre. Man muß gerecht seyn, er hat es nicht sogleich geglaubt. Er hat mir Einwendungen gemacht: „Sie haben ja keinen Bart!" Ach! den schneide ich alle 5 Jahre gb, um Ostern, und das ist erst