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worauf er eine Komposition spielte, in welcher die Marseillaise mit demFor Norge kjampers Födeland" verbunden war.

* Wiesbaden, 1. Jan. Als Flugblatt ist dieser Tagen hier ein in seiner Art ganz klassisches Gedicht verbreitet worden, dessen spezielle Beziehungen namentlich unsere Nassauischen Lesern zu einiger Erheiterung dienen werden:

Ein Neues vom Heyo popeyo,

gedichtet

und mit Choral-Orgel-Begleitung gesungen

von

Walther von der Pfingstweide.

Wer nicht, wenn er in's Bierhaus geht, Gleich redend auf dem Tische steht

Und dann so lange dran sich hält,

Bis fertig er darunter fällt,

Der ist--

Chor: Heyo popeyo ic.

Wer nicht für alles Linke schwärmt,

Für Blum sich halb zu Tode nicht härmt,

Wer bei des Windisch-Grätzens Nam'

Nicht zusetzt,daß den Gott verdamm'

Der ist--

Chor: Heyo popeyo ic.

Wer, was er kauft, nicht schuldig bleibt,

Versproch'nes nicht in Schornstein schreibt,

Wer nicht zu 15 accordirt

Und dann die Leut' noch persiflirt,

Der ist--

Chor: Heyo popeyo re.

Wer bei dem Wörtchen Bourgoisie

Nicht kriegt einen Anfall von Epilepsie;

Wem sich beim Anblick eines Fürsten

Die Haar nicht sträuben starr wie Bürsten,

Der ist--

Chor: Heyo popeyo ic.

Wer johlend nicht die Straß' durchzieht,

Auf Anstand noch ein wenig sieht,

Nicht blos an Vogt allein noch glaubt,

In die Kirch' zu geh'n sich gar erlaubt,

Der ist--

Chor: Heyo popeyo ic.

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In Düsseldorf auf dem Galleriesaale ist ein neues, herrliches Meisterwerk Lessings ausgestellt: Landschaft mit mittel­alterlicher Staffage. Man hofft dasselbe für Düsseldorf zu er­werben. Sein großes historisches GemäldeHuß vordem Schei­terhaufen", an welchem der Maler bereits über 2 Jahre gear­beitet, ist bis jetzt noch nicht vollendet.

In dem Augenblick, wo Pius des Neunten Stern im Sinken ist, vielleicht um nie wieder am Horizont sich zu erhe­ben , erhalten wir in der eben erschienenRömer fahrt" von L. Scbücking eine mit Liebe entworfene Charakter-und Lebens- skizze des Kirchenfürsten, dem das von ihm zum politischen Leben erweckte Italien jetzt Verwünschungen nachruft, während er sonst das Volk von Rom mit einer Handbewegung leiten, mit einem Worte berauschen konnte. Schücking hielt sich wie man aus seinen Briesen an die Kölnische Zeitung weiß gerade in den Wonnemonaten jener Popularität in Rom auf. Seine Schrift ist mit der Begeisterung geschrieben, die jeden der Italien und die ewige Stadt zum erstenmal betritt überfliegt, wenn er nicht zum Geschlecht der Berliner Nicolai gehört.Die nachfolgen den Blätter (so beginnt der Verfasser seine Vorrede) sind vor gar langer Zeit geschrieben: es sind skizzenhafte Aufzeichnungen über Erlebnisse zumeist aus dem Jahre 1847. Ja 1847 so lange ist es her! Es war eine schöne Zeit. Die dunkeläugige Italia war eben aus ihrem Schlummer erwacht. Sie besah sich im Spiegel, ihre Kinder legten ihr Festgewänder und Geschmeide an, und das Herz lachte ihr , wie sie sich so schön, so verjüngt, so strahlend sah. ... Es war eine schöne Zeit! Der goldigblaue Sommer konnte sich nicht losreißen von dem hinreißenden Weibe und während er auf den langen Strahlenschwingen längst über die kalten Zonen des Nordens davongeflogen war, wie ein sehn süchtiger Wandervogel, schwebte er über Italien bis in den No­vember, bis tief in den Dezember hinein. Er wollte das Weih­nachtsfest in Rom feiern, und als die Glockentöne aus deu drei­hundert Thürmen der ewigen Stadt die Geburt des Heilands einläuteten, da mischten sie sich mit warmen Lüften und mit dem Duft neublühender Orangenbäume, auf deren dunklem Laub die heiße Sonne lag. Wie lange ist das her, wie lange seitdem das Tambouringeklirr der üppigen Weiber aus Trastevere und der Becherklang erhitzter Minenti am Monte Testaccio verklungen! Seitdem ist die Welt untergegangen nein, nicht untergegan­gen, aber das Weltgericht hat seinen Anfang genommen."

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Das Elisöe Bourbon , das Palais des Präsidenten der Republik, wurde 1718 erbaut und hieß damals Hotel d'Evreur. Madame de Pompadour kaufte es von der Familie Evreur und besaß es bis zu ihrem Tode. Es kam alsdann in Besitz des Finanziers Beaujon, der es 1786 an Ludwig XVI. verkaufte. Nachdem es Eigenthum der Republik geworden, wurde es nicht beuutzt, bis es unter dem Kaiserthum Murat kaufte. Nach der zweiten Restauration nahm es der Staat in Besitz, ohne auf die Ansprüche der Familie Murat Rücksicht zu nehmen. Das Gesetz, welches 1830 die Zivilliste Ludwig Philipps regelte, wies das Elysee Bourbon der Königin Amalie zur Wohnung an, im Fall sie ihren Gatten überleben sollte. Zuletzt wurde der Palast bewohnt von Napoleon , bevor er 1815 Frankreich verließ. Er stieg hier am 21. Juni nach der Schlacht von Waterloo ab und unterzeichnete hier seine Abdankung zu Gunsten des Königs von Nom.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.