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und eS war ihr, als ginge ihr ein Messer durch's Herz, weil der Balzer so lästerliche Worte gesprochen.

Sey kein Närrchen!" rief er, da er des widerwär­tigen Eindrucks inne ward, den sein Spruch hervorge­bracht.Spaß muß seyn!"

Aber Katharine blieb im innersten Gemüthe ver­stimmt. Es war ihr, als ob die Züge im Bilde des Geliebten, welche ihr bisher stets so rein und edel ge­bäucht, sich mit jenen Worten zu einer Fratze verzerrt hätten. Und obgleich er den Abend schou hundert Stichel­reden hatte fallen lassen, in denen sich ganz derselbe Sinn ausgesprochen, hatte sie doch nichts Arges geahnt, bis es ihr bei den letzten Worten plötzlich erschienen war, als lasse sich ein dichter Schleier vor ihrem Auge nieder, und wo sie bisher auf heiteres Gefilde geblickt, da er­scheine ihr jetzt nur eine düstere Nebellandschaft.

So hat jedes Herz seine Stunden der Offenbarung, die dem liebenden Herzen freilich meist am allerspätesten kommen.

Die Feuer waren verglommen. Die Nacht mit ihren tiefsten Schatten hatte sich über die kaum noch so glanz erleuchtete Thalschlucht gelagert. Die lustige Menge war heimgezogen. Nur Katharine saß immer noch einsam unter dem einsamen Weidenstumpf. Balzer war in wü­thenden Zorn gerathen, weil sie den Schauer vor ihm selber, den er plötzlich in ihr hervorgerufen, nicht ver­bergen, nicht vertilgen konnte, und im Zorne hatte sie ihn weggehen sehen, die lustige Marie-Christine am Arme.

Erst spät schlich Katharine ganz allein nach Hause, recht tief im Herzen betrübt. (Forts, folgt.)

Die Johanniskirche bei Niederlahnstein

Da es eine Hauptaufgabe desWanderers" seyn soll, auf Alles, was in den engeren Marken unseres Heimathslandes Nassau eine künstlerische Bedeutung beansprucht, die Aufmerksamkeit zu lenken, so werden wir öfters Veranlassung nehmen, auf die mancherlei architektonischen Kunstbenkmale, welche eine großartige Vergangenheit unsern Gauen hinterlassen hat, zurückzu­kommen. Dabei haben wir uns Zweierlei als Ziel ge­steckt: den leider noch- gar zu sehr schlummernden Sinn für diese Meisterwerke mehr und mehr zu wecken, dann aber auch, wo dieselben dem Verderben preisgegeben, oder durch späteren Ungeschmack verunziert sind, auf deren Erhaltung oder Restauration wenn sich letztere auch erst in besseren Zeiten verwirklichen sollte eifrig hin­zuarbeiten.

Wir können in diesem Sinne nicht besser beginnen, als indem wir nachfolgende Notiz über die weltberühmte

und doch so trostlos vernachlässigte Kirchenruine bei Nie­derlahnstein aus demKölner Domblait" mittheilen:

Es ist wahrhaft schmerzlich für den Kunst- und Ge- schichtsfreund, daß eine der schönsten und interessantesten Kirchen am Rheine, die Johannis-Kirche, in dem Winkel zwischen Rhein und Lahn und auf der Spitze des Dreieckes, welches sich durch die Verbindung beider Flüsse bildet, bisher vergebens nach der Theilnahme der Zeit­genossen gesteht und obdachlos dasteht, Sturm und Wet­ter preisgegeben, theilweise zusammenstürzte und, wenn es so fortgeht, bald keine Spur mehr zeigen wird, wo sie gestanden.

Selbst die wilden Zeiten des dreißigjährigen Krieges dachten in jener Beziehung ehrenwerther, und sind, was wir gewiß schwerlich erwarten sollten, in Angelegenheiten der Johanniskirche von Niederlahnstein unsere Ankläger. Barthold erzählt nämlich in seiner Geschichte des großen deutschen Krieges:

Um die gegenseitige Erbitterung zu schildern, mit welcher die Deutschen damals gegen die Franzosen foch­ten, gibt uns das Tagebuch des weiblichen Baiern, Au­gust von Fritsch, bie mannigfachsten Farben. Unterlahn­stein, ein fast offener, nur in Eile befestigter Flecken, ward am 16/26. März nach mannhafter Gegenwehr erobert; dagegen flüchtete sich ein Haufe von fünfzig Mann unter einem Deutschen Lieutenant zu einem nahen französischen Posten auf einem ummauerten Kirchhof, welcher an der Ecke des Rheins und der Lahn sich mäßig erhebt, unv vertheidigte sich aus dem Thurme und den aufgeworfenen Blockhäusern unerschrocken bis zum folgenden Abende. Unterdeß ersann Augustin von Fritsch, Hauptmann im Regimente Melchior Reinach's, Bruder des Befehlshabers von Breisach, einen geschwinden Kriegspossen, den man nicht im Poiyân findet. Er grub drei Klafter tief auf dem Pfarrhofe, welcher unter der Kirchhofsmalier sich hinzieht, eine Mine an der Weinpresse, ließ das eine Kirchhofsthor durch angehäuftes Stroh ausbrennen und forderte am Morgen die Besatzung durch einen Trommel# schlâger zur Uebergabe auf, weil er durch seine Mine den Thurm in die Luft sprengen könne und ihn nur der Menschen und der schönen Kirche erbarme. Aus die erste Mahnung kam der befehlende Sergeant, ein Stockfranzos, aber wackerer Kerl, als eigentlicher Befehls­haber der Schanze, mit einem Führer des zu ihm geflüch­teten Lieutenants heraus, um die verderbendrohende Mine zu besichtigen. Ihn zu täuschen, hatte der schlaue Baier das Ende des Ganges mit einem schwarzen Mantel ver­hängt und ließ beide Abgeordnete nur in bas bunkle Loch gucken. Als jene sich von der Gefahr überzeugt, wurden sie darauf in der Pfarrstube beim ungerichteten Frühmahle so bezecht, daß sie, an Entsatz von Koblenz aus verza-