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Der Wanderer

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen eiligem. Zeitung.

1849. 3f 1.

T h ürmerlied *)

Wachet auf! ruft Euch die Stimme Des Wächters von der hohen Zinne,

Wach' auf, Du weites deutsches Land!

Die Ihr an der Donau hauset,

Und wo der Rhein durch Felsen brauset, Und wo sich thürmt der Düne Sand.

Habt Wacht am Heimathsherd,

In treuer Hand das Schwert, Jede Stunde Zu scharfem Streit Macht Euch bereit,

Der Tag des Kampfes ist nicht weit!

Hört Jhr's dumpf im Osten klingen?

Er möcht' Euch gar zu gern verschlingen, Der Geier, der nach Beute kreist.

Hört im Westen Ihr die Schlange?

Sie möchte mit Sirenensange

Vergiften Euch den frommen Geist.

Schon naht des Geiers Flug,

Schon birgt die Schlange klug Sich zum Sprunge, Drum haltet Wacht Um Mitternacht

Und wetzt die Schwerter für die Schlacht!

Sieh herab vom Himmel droben, Herr! den der Engel Zungen loben, Sey gnädig diesem deutschen Land.

*) Dieses choralmâßig schöne Lied, das auf's Reujahr in einigen deutschen Städten durch geübte Mannerchöre gesungen werden soll, scheint uns wichtig genug, um unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen auch die Leser dieses Blattes daranf aufmerksam zu machen.

Donnernd aus der Feuerwolke

Sprich zu den Fürsten, sprich zum Volke;

Vereine sie mit starker Hand.

Sey Du uns Fels und Burg, Du führst uns wohl hindurch.

Hallelujah!

Denn Dein ist heut

Und allezeit

Das Reich, die Kraft, die Herrlichkeit!

Emanuel Geibel.

* Der Dorfproph et

Novelle von W. H. Riehl.

war um die Herbstzeit. Das ganzeWeiber­volk" aus dem Dorfe war hinaus in dieHohle" gezo­gen, um Hanf und Flachs zu brechen, und als es zu dun­keln begann, daß Feierabend gemacht werden mußte, kamen die Bursche den Mädchen nachgegangen. Die Hohle aber, in welcher seit Menschengedenken vom ganzen Orte der Hanfgebrecht" wird, ist eine schluchtige Thalrinne, die gerade bei den letzten Häusern ausmündet, von einem Bache durchflossen, dem entlang der schmale und gefahr­volle Hohlweg zieht. Die Wände der Schlucht steigen terrassenförmig hinan, von zahllosen engen, gleichlaufenden Pfädchen durchzogen, welche die Schaafheerden und die Geisen ausgetreten haben. Unten am Hohlwege hatten die Frauen ihr Tagewerk vollbracht, das ihnen eher ein Fest als eine Arbeit war, denn geschäftiger noch als ihre Hände den Hanf schwangen, pflegten die Zungen allezeit bei diesem Anlaß in Schwung gesetzt zu werden, und jetzt, wo sich die Burschen mit den Mädchen und ältern Weibern die terassenförmigen Abhänge hinauf in Gruppen feiernd gelagert hatten, wußte man nicht, ob die Arbei-