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MM-M Nassauische Allgemeine Zeitung, ss

Wiesbaden. ISO

Deutschland.

* Wiesbaden, 22. August. Gestern erhielt der Redacteur dieses Blattes die Weisung, das Herzog- thum binnen 8 Tagen zu verlassen. Als Grund dieser Maßregel lvurde die trotz des bestehenden Ver­botes erfolgte Aufnahme kirchlicher Artikel angegeben.

* Wiesbaden, 22. August. Gestern wurden die Assisen für das III. Quartal des l. I. eröffnet. Gegenstaitd der Verhandlung waren die Anklagen gegen Georg L iesem von Flörsheim, wegen Diebstahls, und Jakob Karl unL Peter Schreiner von Niedern­hausen, wegen Diebstahls. Georg Liesem wurde zu 1 Jahr, Karl Schreiner zu 1 Jahr 3 Monaten und Peter Schreiner zu 1 Jahr Correctioushansstrafe vcr- urtheilt.

Gegenstand der heutigen Assisenverhandlung bilden die Anklagen gegen H. Kleni von Winkel, 31 I.alt, Tag- löhncr, wegen Dicbhahls, und gegen Sophie Tresch von Caub, 17 Jahre alt, ohne Geschäft, und die Wittwe des Peter Kern von da, 36 Jahre alt, wegen Diebstahls.

~ Tsljcubgrg, 19. August. Vvr den Assisen des dritten Q'naMw werden folgende Fälle zur Verhand­lung kommen und zwgr:

A. Mit Geschwornen : Montag den 21. August, Morgens 9 Uhr: Joh. PH. Keiper von Hambach, we­gen Diebstahls. 2) Dienstag den 22. August, Mor­gens 8 Uhr: Wilhelm Schäfer aus Dillenburg, wegen Brandstiftung. 3) Dienstag den 22. August, Nach­mittags 3 Uhr: Simon Ni aller aus Helferskirchen, wegen Diebstahls. 4) Mittwoch den 23. August, Mor­gens 8 Uhr: Elisabethe Katharine Ott aus Hirsch­hausen, wegen Tödtung. 5) Donnerstag den 24. Aug., Morgens 8 Uhr: Bartholomäus Becker aus Langen­dernbach, wegen Diebstahls. 6) Freitag den 25. und Samstag den 26. August, Morgens 8 Uhr: Franz Braun aus Montabaur, Anton Jung und Anne Aèarie Jung aus Thalheim, wegen Diebstähle. 7) Montag den 28. August, Morgens 8 Uhr, Philipp Brenner aus Herboru, wegen Diebstahls. 8) Dienstag den 29. AuMt, Morgens 8 Uhr: Joh. Fried. Hâmann auS Linien, wegen Diebstahls. 9) Mittwoch den 30. Aug., Morgens 8 Uhr: Heinrich Fröhlich und August Jung aus Berzahn, wegen Meineid resp. Anstiftung. 10) Donnerstag den 31. August, Morgens 8 Uhr und fol­gende Tage: die Ehefrau des Joh. Jacob. Rech aus Emerichenhaill, wegen Mords.

B. OiM Geschworene: 1) Montag den 4. Sept., Morgens »Uhr: Bürgermeister Peter Dickopf ans M^schbach wegen Schriftfälschung. 2) Montag den 4. September, Nachmittag 3 Uhr: Bürgermeister Johann Feigen aus Roden, wegen Schriftfälschung. 3) Diens­tag den 5. Sept., Morgens 8 Uhr: Joh. Mied. Woll- niaml aus Nauheini, wegen Körperverletzung. 4) Mitt­woch den 6. September, Morgens 8 Uhr: Sebastian Herz, Joseph Schutt aus Möllingen und Leonhardt Reifenberg aus Kölbingen, wegen Todtschlags. 5) Don­nerstag den 5. Sept., Morgens 8 Uhr:. Jacob Ceti Hardt 2r aus Ransbach,, wegen Schristfalschung. 6) Donnerstag den 7. Sept., Mittags 3 Uhr: Jacob

Die Liebesprobe.

Novellete.

(Schluß.)

Im physischen Sinne dagegen," fuhr Lorenz zögernd fort und blickte Julien an, deren Auge gierig auf seinem Munde Has. tete:nein, ich darf es Ihnen nicht verhehlen, mein Frau- lein! im physischen Sinne ist eine große Umwandlung mit ihm vorgegangen: nicht nur daß die Krankheit ihre âfen Spu­ren in seinem Gesichte zurückgelassen hat das wäre das We­nigste, denn was ist die Schönheit im Verhältniß zu den ediern Eigenschaften des Gemüths ? . . ."

Ist er sehr häßlich?" fragte Jnlie gespannt.

Leider muß ich zur Steuer der Wahrheit bieje »rage bethen, mein Fräulein!" entgegnete Lorenz.sein Gesicht ist voll Pockennarben. Sie werden übrigens morgen selber am beste hierüber urtheilen können!" - Die be-den Damen wechse u bedcutsame Blicke, aber Lorenz ließ sich dadurch nicht irre machen, sondern fuhr »üaernd fort:das ist aber nicht Alles; seine etim nun« Ä ein Theil seines Vermögens steh ans Ui SM in einem Prozesse . sein Großvater scheint ihn teilweise enterben zu wollen .'

Wie?" rief Madame Rabener und vergaß alle Selbstbeher-r- schnug;er ist also vielleicht arm geworden? Nun denn, Herr Lorenz, dann werden Sie gewiß auch mit mir einverstanden scii , daß es für Herrn Marberg das Klügste wäre, sogleich nach DJdn- cheu zurückzukehren! Seine Vermöaensumstande e.heische i doch gewiß alle Aufmerksamkeit; man sann doch noch mehr für sich thun , wenn man selbst an ~-rt und stelle st. ., schickten Aerzte in München finden vielleicht auch Mittel, hin die entstellenden Spuren seiner Krankheit zuv«treibe wie hoch, sagen Sie, beläuft sich Herrn Marberg« Verlust ö Silber kann ich Ihnen leider mchts MstiMN't^ sagen, Madame," entgegnete Lorenz achselzuckend.Verilehu > wohl, ich weiß hierüber nichts Zuverlässiges.^ Nichts darüber mitgetheilt. Allein seine Zerstreutheit, sein ^rul-

Nr. 196

^MIMiaHWfc.tM^^

Schröder aus Ellenhausen, wegen Entweichung im Complott. 7) Freitag, den 8. September, Morgens 8 Uhr: Adam Römer aus Birlenbach, wegen Schrift­fälschung. 8) Freitag den 8. September, Nachinittags 3 Uhr: Wilhelm Stein aus Flacht, ivegen Schrift- fälschung.

Frankfurt, 20. August. In der 26. Sitzung der Bundesversammlung am 17. d. Mts. machten Oesterreich und Preußen gemeinsame Vorlage der auf die orientalische Frage bezüglichen Actcnstücke. Dieselbe war aus dem Grunde bis zu dieser Sitzung ausgesetzt worden, weil das k. k. österreichische Cabinet der Bun­desversammlung die gesummten Verhandlungen bis in die jüngsten Tage zur Kenntniß zu bringen beabsichtigte.

Stuttgart, 19. Aug. Nachts 11 Uhr. Seit 7 Uhr haben wir einen schliminen Bäckerkrawall, der fast in eine förmliche Revolte auszuarten droht. Nachdem vor­gestern der Brodpreis, den Fruchtprcisen angemessen, um 7 Kreuzer für 6 Pfund (Weesbrod auf 22, schivar- zes auf 20 Kreuzer) herabgesetzt worden war, die Bäk- ker aber eine geringere Taxerinäßigung verlangt haben, suchten die Bäcker in ihrer Verblendung Obrigkeit und Publicum dadurch zu chicmiren, daß sie zu schlechtes, zu leichtes und zu wenig Brod backten. Heute verwei­gerten sie die Brodabgabe vom Morgen an ganz, so daß die Bevölkerung in Harnisch gerieth und in der Hauptstadterstraße, wo 1847 auch der Maicrawall sei­nen Anfang genommen hatte, einigen Bäckern die Fen­ster einzuwerfen und Alles im Hause zu Dem otireu an­fing, auch sich mit Gewalt Brod holte. Von Exceß kam es zu Exceß; das Erscheinen der Obrigkeit mit Polizei und Gendarmerie vermochte nichts rnehr, es mußte Militär requirirt werden, das die Bäckerhäuser zu schützen nnd das Volk auseinander zu treiben ge­nöthigt war. Viele Verhaftungen von Tumultuanten, auch von Bäckern wurden vorgcnonuncn. Aèorgen, Sonntag dürften sich wie zu befürchten ist diese traurigen Scenen wiederhclen.

Köln, 17. August. Eben ist der Prospectus der von vorgestern an hier bot v. Florencourt im Selbst­verlag des Verfassers erscheinenden PöMschen Wochen­schrift ausgegeben worden. Dieselbe wird ein Pendant zn den historisch-politischen Blättern sein. Als Tendenz ist angegeben: Anwendmg der katholischen Lehre auf die Zeiterscheinungen. D^ katholische Politik ist dahin formulirt: Bekämpfung des modernen centralisirten StaateS in seiner Slllbcrchtigung, sobald sich irgend ein geschichtlicher Anlaß nach irgend einer Seite hin dazu darbietet. Von der Deutschen Volkshalle und von der in der letzten Generalverstmmlung der Actionäre decla- rirten Spaltung ist keine Sylbe erwähnt.

Berlin, 19. Aug. Se. Maj. der König werden nach den neuesten Bestiinmungen erst heute Nachmittags 5 Uhr die Reise nach Putbus antreten. Die Veran­lassung dieser Verschiebung der Reise dürfte in der heute erwarteten Ankunft Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Georg von Sachsen liegen, Höchstwelcher dem Verneh­men nach die Antwort Sr Biaj. des Königs von Sach­sen auf das Condolenz-Schreiben Sr. Dlaj. überbringt. Se. Majestät werden Helte in Stettin übernachten,

sinn und theilweise sogar Schvermuth . . . dunkle unbestimmte Gerüchte, die mir in Münäen zu Ohren gekommen . . . meine Vermuthungen . . . Se verstehen mich Madame! Ich weiß nichts Zuverlässiges und sie Sache wird in Wahrheit nicht ^ ^Aun", die Leute machn gleich einen ungeheuern Lärm über' derlei Dinge!" sagte Madime Rabener sehr kalt;indessen ist doch gewiß das Klügste, deß Herr Marberg nach München geht. Die besten Aerzte und Dvocaten trifft er dort, denn hier ans dem Lande findet mau nur Stümper. Meines Erachtens sollte er keine Stunde mehr in Träumn verweilen!"

Aber morgen bringe ich Hn doch noch heraus!" sagte £o« Sie werden ihm doch erlauben

'Wir werden schwerlich morgen hier sein, bester Herr Lorenz, vers'evte Madame.Ich hatte ganz vergessen, daß wir mit Herrn Rabener nach Salzburg reifen selten, der so schlecht auf ist, bau er noch mit seinem Geschäftsm-m sich über Verschiedenes berathen muß Aber wir werden in Westens acht Tagen rn München sein und ich hoffe, Sie werden ms dort recht oft besuchen, denn meine Julie ist ganz enchantirt von Ihnen . . ."

Unb was soll ich von Ihnen meinem armen Freunde mel- den "mein Fräulein?" fragte Lormz die sehr verdüsterte Julie.

Sagen Sie ihm, daß er in München mehr von nur hören werde'" erwiederte sie kalt unb verlegen.

Unb von mir aus sagen Sie Herrn Marberg, er solle nur so rasch wie möglich sich zu seiner Gesundheit und zu leluem Ver- nöa n verselM Sie aber werden uns in München recht bald mit einem Besuche erfreuen, nicht ^'"^Schr ^verbunden, Madame! Zhre Wünsche und nur Befehl und ich werde meinem Freunde Ihre Ideen wegen seiner Ver- usstnine mittbeileu!" sagte Lorenz mit einer ceremomoseu ^cr< Säum und empfahl sich. Als er Kaußen war und im Schlitten saß^ warf er noch einen verächtlichen Scheideblick nach dem Herren- Kl- Ä ««* m» sagte: ' M WjAB» (kn Leute, niemals werde ich weder eimu Schritt utm ^SScÄe^ sagte Lorenz nrch seiner Rückkehr zu Eugen

W^yv^en ctfd)chit sein Blatt.

Dienstag, 22. Angnst

morgen daselbst dem Gottesdienste beiwohnen und dann nm 11 Uhr die Reise nach Putbus fortfetzen. Zm Schlosse zu Charlottenburg fand gestern Nachmittags, zur Feier des G e b u r t ö t a g e s Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich, ein glänzendes Diner Statt.

Die ministerielle »Preußische Corrcspoudcnz» äußert sich über die augenblickliche Situation wie folgt: »ES ist Preußen, leider nicht bloß von der Peesse des Aus­landes, der Borwurf gemacht worden, daß es in den orientalischen Angelegenheiten eine schwankende Hal- tung beobachtet, und daß cs durch dieselbe dazu bei- getragen habe, dem Kriege eine weitere Ausdehnung zu geben, der zwischen Rußland auf der einen und der os- manischen Pforte, so wie deren Verbündeten, England und Frankreich, auf der anderen Seite ausgebrochen ist. Doch scheint uns nichts leichter, als den Beweis zu führen, daß die Königlich Regierung das Ziel, wel­ches sie in Bezug auf die Zerwürfnisse des Orients von Anfang Dor Singen gehabt, immer unverrückbar festgehalten hat, und daß nicht an ihr die Schuld liegt, wenn dieses Ziel, welches der Ministerpräsident Frhr. von Manteuffel in seinem Vortrage beim Schlüsse der Kammern am 29. April d. mit unzweideutigen Worten als die »Wiederherstellung des gestörten Friedens und dessen möglichste Sicherstellung» angab, bis jetzt nicht erreicht worden ist. Durch das Protocoll der Wiener Conserenz vom 9. April war es urkundlich festgestellt, daß auch nach dem damals bereits erfolgten Ausbruche des Krieges zwischen Rußland und den beiden West­mächten die Union der vier in der Conserenz vertre­tenen Mächte auf. dem Boden der in den Protocollen vom 5. December 1853 nnv43. Februar 1894 nie­dergelegten Grundsätze f o r t b e st e h eiEs wurde dem­gemäß von den das Protocoll unterzeichnenden Bevoll­mächtigten erklärt, daß ihre Regierungen in dein dop­pelten Zwecke vereinigt blieben, die Gebiets-Integrität des osmanischen Reiches aufrecht zu erhalten, für welche die Räumung der Donaufürstenthümer eine der wesent­lichsten Bedingungen sei und bleiben werde, und, int Einklänge mit den Geütmunaen des Dââ , ^mch alle mit seiner Unabhängigkeit und Souveränetät ver­einbaren Mittel die bürgerlichen und religiösen Recht e der christlichen Unterthanen der Pforte zu sichern. Die Gebiets-Unabhängigkeit des osmanischen Reiches wurde als eine conditio sine qua non jeder die Her­stellung des Friedens zwischen den kriegführenden Mäch­te» bezweckenden Verhandlung bezeichnet, und die vier Regierungen verpflichteten sich, gemeinschaftlich die ge­eignetsten Bürgschaften für die Verknüpfung der Existenz dieses Reiches mit dem Europäischen Gleichgewichte auf­zusuchen, wie sie sich bereit erklärten, über die Mittel, welche zur Erreichung des gemeinschaftlichen Zweckes am besten geeignet wären, in Berathung zu treten und sich gegenseitig zu verständigen. Auch gingen die bc- theiligten Regierungen die Verpflichtung ein, keinen de­finitiven Vertrag mit Rußland oder mit irgend einer andern Macht zu schließen, der den in dem Protokolle ausgedrückten Grundsätzen zuwider sei, ohne vorher mit einander gemeinsam berathen zu haben. In vollkom­mener Uebereinstimmung mit den Grundsätzen desPro-

Marberg,zahlen Sie Jbren Arzt, packen Sie ihre Siebensachen zusammen und lassen Sie uns nach Hause reisen. Wir haben hier nichts mehr zu suchen!"

Wie so ? Wie verstehen Sie das?" fragte Eugen.

Ich meine, wenn Sie nun noch daran denken, Fräulein Julie Rabener zu heirathen, so werde ich in meinem Leben kein Wort mehr mit Ihnen reden und Sie meiner sollen Achtung verlustig gehen!" versetzte Lorenz und erzählte ihm ausführlich die Fiction, womit er Julien und ihre Mutter auf die Probe gestellt und wie beide diese Prüfung bestanden.Sie sehen, ich hatte Recht, lieber Marberg," fuhr er fort,Juliens Liebe galt nicht dem bie- dern, offenen Eugen, sondern dem Besitzer eines glatten Gesichts und eines hübschen Vermögens; jene beiden Koketten verschmähen Sie, weil Sie glauben: Sie seien packennarbig und minder reich als zuvor! Wann reisen wir ab?"

Ich reise noch nicht, ich werde noch einige Tage hier blei- ben!" sagte Engen entschlossen.

Das mögen Sie thun, jedoch ohne mich," erwiederte Lorenz. Wenn Sie noch Einen Gedanken an Julien hegen, so mögen Sie sich einen andern Brautführer wählen, denn ich werde diesen beiden Frauen niemals mehr einen freundlichen Blick gönnen!" _

Am anderen Morgen waren die beiden Freunde zum Früh­stück allein in Dr. Meßner's Wohnzimmers. Eugen nahm Lorenz bei der Hand, führte ihn zum Fenster, schlug den leichten MnSlm- vorhana zurück und zeigte ihm draußen auf dem Hofe vor der Hausthüre' Fanny, welche Suppe und Brod unter etliche arme

dort das Weib meiner Wahl, lieber Lorenz!" saatë Eugen?nd deutete auf Fanny.Ich liebe Juli- Rabener mit dem Kopse; diese gute edle Fanny hwr liebe uh ab erm Herz und Seele. Und nun," setzte er lächelndi hinzu,werden Sie hoffentlich Ihre Abreise noch auffchieben und meinen Braut- ^^ FannyÄrbera ist nun eine der glücklichsten Frauen in Mün- dieit Von Fräulein Rabener kann man nicht Gleiches rühmen. Sie heirathete ein HalbesJahr später den ältlichen Baron Brrnan, der für reich galt und den ihre Blutter für eineglanzende