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Die »Nassauische Allgemeine geitung» erscheint, Sonntag auSnenommen, täg­lich. Preis: Vierteljährig für Wies­baden und den Thurn und Tarischen Postbezirk 2 fL, sonst 2 fl. 24 tr.

Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Zur Situation.

Die Situation klärt sich in schnellen Zügen. In Wien und Berlin ist jetzt seitens des St. Petersburger Cabiuets die Erklärung abgegeben, daß der Kaiser der Sommation Oesterreichs vollständig nachgebe; es ist ferner sogar von Seiten desselben Cabinets ein Termin bezeichnet, in welchem die Räuinung der Donaufürsten­thümer vollständig vollzogen sein würde; es ist ferner durch den Fürsten Gortschakoff in Wien erklärt worden, daß die Antwort der Westmächte auf die russischen FriedenSvorschläge ihm keineswegs als ein letztes Wort der Ablehnung erscheinen könneh und daß er eine wei­tere Determinirung dieser Antwort in dem Augenblicke erwarten zu dürfen meine, in welchem die Donau- fürstenthümer der vertragsmäßigen Intervention Oester­reichs ganz offen lägen, d. h. in welchem die russischen Truppen sie ganz geräumt hätten. Fürst Gortschakoff macht sogar kein Hehl daraus, daß er vollständig au- torisirt ist, an der Jnswerksetzung einer europäischen Conferenz theilzunehmen, deren Berathungen dem Schick­sale der Christen im Oriente gewidmet sein sollen. Es frägt sich allerdings, auch wenn solch ein Congreß zu Stande käme, an das Ende der Krisis gekommen sind, oder ob diese nur der Ausgangspunkt neuer Störungen sein wird. So berichtet dieFr. P. Z."

Die Rückantwort der Westmächte aus den ersten Tagen des August ist, nach der »Köln. Ztg.« an das Wiener Cabinet gerichtet und von diesem der preuß. Regierung mitgetheilt. Sie verwerfen darin die russi­schen Vorschläge als Basis einer Verhandlung mit Ruß­land und bemerken, daß sie nur in dem Falle zu einem Waffenstillstände bereit seien, wenn Rußland folgende Punkte als Grundlage den Friedens annehme. Diese sind: 1) Verzicht auf das Protectorat über die Do­naufürstenthümer und Serbien; 3) an dessen Stelle tritt das Protectorat aller Großmächte zugleich mit der Garantie aller Rechte, welche den Bewohnern dieser Fürstenthümer vom Sultan zugestanden sind; 3) Her­stellung der freien Schifffahrt auf der Donau bis zu ihrer Mündung, wie dieses schon durch den Art. 109 der Wiener Congreß-Acte garantirt worden; 4) Revi­sion des Vertrages vom 13. Juli 1841 im Interesse des europäischen Gleichgewichts; 5) Aufhören des Protcctorates Rußlands über die christlichen Unter­thanen der Pforte. Ueberhaupt dürfe ferner von keiner Macht ein Protectorat der Art ausgeübt werden. Aber den christlichen Unterthanen der Pforte sollen durch die Bemühung der Großmächte die Rechte bürger­licher Gleichstellung mit den Muselmännern gesichert wer­den, ohne dadurch der Unabhängigkeit der Pforte entgegen zu treten. Preußen und Oesterreich haben diese Vorschläge der Westmächte dringend in Petersburg zur Annahme empfohlen, nud Oesterreich hat sich außerdem verpflichtet, sich dieserhalb in keine Separat-Berhandlungen mit Rußland eiuzulas- sen. Der Einmarsch der österreichischen Streitkräfte in die Fürstenthümer wird erfolgen, sobald dieselben von den Russen geräumt sind, und die Besetzung der Län­der wird in Gemeinschaft mit den Türken Statt finden.

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Das Schloß am Terek.

Ein Märchen aus dem Kaukasus,

von Emil Prinzen von Wittgenstein.

(Schluß.)

Ein langes Schweigen ... Thränen ohne Wort, Das Morgenroth erhellt den stillen Ort, Da spricht das Mädchen hold und feierlich: O du mein süßes Alles, höre mich! Glaubst du denn nicht, daß brünstiges Gebet, Wie es hervor aus reinem Herzen geht, Vermöge vor den drohendsten Gefahren, Den, den wir einzig lieben, zu bewahren? Glaubst du es nicht, daß Gott, der allgerechte, Der neue Gott, vor dem der Donner schweigt, Der neue Gott, vor dem Ormuzd entweicht, Der Liebe schützend sende starke Mächte?

Giebst du von hier, so wird bei Nacht und Tag ältern heiß Gebet für dich znm Himmel flehen, Von dir zn wenden jeden Unglücksschlag Und dich als Sieger wieder hier zu sehen. Denn wisse, Theurer, daß die arme Maw, Die du geliebt mit schwerem Herzeleid, Des Stamines würdig ist, dem bu entsprossen ; Vernimm, daß nie ein edler Blick geflossen, Als das, womit mein Vater todtumgraut Die Fluren Imeretiens bcthaut.

Er war der größte Fürst in jenem Land, Von Stamm und Macht und Weisheit wohlbekannt. Doch Stamm und Macht und Weisheit schützen nicht, Wenn Unheil mordend in das Leben bricht! Des Persers Schwert zerstört' in Einer Nacht Deö väterlichen Schlosses stolze Pracht... Mein Vater ruht bei Bielen dort gebettet, Die mit ihm stauben bis zum letzten Mann.

Die Amme hat als Kindlein mich gerettet Als mich der Flammen heißes Netz umspann;

Ur. 189.

Man spricht, schreibt ein Wiener Corr. der D. V. in mehreren deutschen Blättern von einer "Abschwä­chung der Stellung Oesterreichs zu einer bewaffneten Neutralität«, und die bekannte russenfreundliche Partei, die leider auch in einigen Rcgierungskreifen Anhänger zählt, läßt bekannt machen, der Kaiser von Rußland habe sich zur Räumung auch der Moldau erboten, wenn er dadurch eine sichere (d. h. zum Voraus günstige) Friedensbasis erlange. 'Alles das sind eitle Mähren und die letztere ist obendrein eine Tendenzlüge. Der Ernst der Dinge wird dieser russenfreundlichen Partei gar bald über den Kopf wachsen. Ist denn dieselbe wirklich so blödsinnig, daß sie glaubt, es handele sich zwischen Rußland und Oesterreich bloß um die Räu- mung der Donaufürstenthümer? Es handelt sich um ein großes europäisches, deutsches und österreichisches Interesse, darum, ob Rußland die Schutzmacht dieser Fürstenthümer wieder werden solle oder nicht. Ich sage "wieder werden«, weil durch den Krieg alle Ver­träge zwischen Rußland und der Pforte, folglich auch diejenigen, welche jenem bestimmte Rechte in Bezug auf die Fürstenthümer gegeben haben, aufgehoben worden sind. Auch bezieht sich das »wieder werden» nur auf Oesterreich und die übrigen Mächte, denn Rußland selbst betrachtet sich fortwährend als die Schutzmacht derFür- stenthümer und in seinem Sinne ist Schutz und Herr­schaft gleichbedeutend. Die Schutzherrschaft Rußlands über die Donaufürstenthümer ist der faulste Fleck in Europa, ist eine beständige Bedrohung der Türkei, mit­hin des europäischen Gleichgewichtes, wie nicht minder der Machtstellung Oesterreichs. Rußland wird niemals die Donaufürstenthümer aufgeben, und Oesterreich wird niemals die Herrschaft Rußlands über sie zugeben. Hierin liegt die Unvermeidlichkeit des Krie­ges zwischen diesen beiden Mächten. Oester­reich wird diesen Kampf für seine eigene, für Deutsch­lands und für Europa's höchste Interessen führen. Alle Herzen in Deutschland schlagen jetzt Oesterreich entge­gen, weil zu diesem Kriege entschlossen ist; das weiß man hier, und man freut sich auf das innigste, daß endlich der Ausbreitung des russischen Cäsaropapismus Schranken werden gezogen werden. Wenn das jetzt nicht geschieht, so ist das Vorschrciten desselben zur Weltherrschaft unaufhaltsam.

Das Journal de Francs. bringt folgende bemerkens- werthe Correspondeuz: »Wien, 10. August. Gestern hat, wie man vernimmt, der kaiserl. russische Gesandte Fürst Gortschakoff dem Minister des Aeußern, Grafen v. Buol, vorläufig und mündlich die Mittheilung ge­macht, Se. Maj. der Kaiser von Rußland habe den gänzlichen Abzug seiner Truppen aus den Donaufürsten- thümern befohlen. Es wurde ihm vorläufig und münd­lich geantwortet, daß kaiserlich österreichische Truppen in die Donaufürstenthümer einrücken würden, daß aber diese Bewegung, gegenüber von Rußland, keine feind­selige Bedeutung habe. Wenn dieser russische Ent­schluß ein freiwilliger wäre, wenn er wenigstens in Folge der österreichischen Note vom 2. Juni gefaßt worden wäre, so hätte er wohl dazu führen können, den gestörten europäischen Frieden bald wieder herzu-

Ihr Vaterland, Assctien, ward das meine,

Und, als sie starb, ein Pfleger mir ihr Gatte: So steh', die letzte meines Stamms, alleine

Ich und beraubt der Hoffnung, die ich hatte, Wird nicht zum Schirme mir dein Arm und Schwert Und bin ich dir nicht deines Eides werth."

Sie sagt's, und in des Glückes höchster Lust Drückt er sie wonnig bebend^ an die Brust.. . Was sie gesprochen, jene heißen Eide, Die einzig Liebe lehrt in trunkner Freude, Was Blick und Mund da selig ausgetauscht, Hat nur die stille Einsamkeit belauscht.

Fünf Tage waren schon vorbeigeslogeu, Seitdem der Jüngling, kaum vom Tod erstanden, Nach seines Vaters Schloß, des nie gekannten, Bom gastlich armen Dache war gezogen.

Er hatte Daria in einem langen, Gleichwie im letzten Abschiedskuß umfangen, Dann war er schnell bem stillen Ort enteilt, Sein Herz von Tod und Hoffnung bang getheilt.

Und stille, wie es früher immer war, War's wieder in der Hütte, doch entflohen Der Jungfrau Frieden, denn mit fernem Drohen Umschwebt in ihrem Ang' den Liebsten die Gefahr.

Sie sah in Träumen langer finstrer Nächte Ihn kämpfen, ach, und fallen im Gefechte; Und wenn vom Schreck erschüttert sie erwacht, Umftarrte trostlos sie die dunkle Nacht. Und glücklicher nicht waren ihre Tage, Ihr ganzes Leben, das um ihn sich dreht, Zerfloß in einem einzigen Gebet, Ju einer ungesprochnen bangen Klage. Ihr Pflegevater, mitleidvoll und schlicht, Sah solches trauernd und begriff es nicht. Vielleicht, so dacht' er, daß ihr Herzeleid Durch ein Geschenk er ablenkt und zerstreut, So hatt' er ihr am fünften Tage eben Des Zwerges gvldne Spangenhast gegeben.

Montag, 14L August.

stellen. Aber dieser Entschluß ist so wenig ein frei­williger, daß er vielmehr das Ergebniß des Mißglückes des Feldzuges gegen die Türken und der großen Macht­entfaltung Oesterreichs ist. (Auch der Moniteur hebt hervor, daß der Rückzug der Russen nicht mehr als ein Zugestäildniß angesehen werden kann.) Oesterreich wird die Donaufürstenthümer besetzen, ob Rußland gestattet oder nicht. Gestattet Rußland es nickt, so ist der Krieg sofort da. Gestattet es Rußland, wohlan, dann wird Oesterreich von demselben Bürgschaften ver- langen und nach Erlangung derselben den Frieden zu vermitteln bestrebt sein. Verweigert dagegen Rußland diese Bürgschaften, so wird Oesterreich den Krieg ent­schieden führen. 'Unter diesen Bürgschaften dürfte oben­an stehen die Verzichtleistung Rußlands auf jede Art von Schutzherrschaft über die Donausürstenthümer, weil dieselbe mit den Interessen Europas uud insbe- sondere Oesterreichs und Deutschlands schlechterdings unverträglich ist. Man verlasse sich darauf, daß der Entschluß Oesterreichs, Rußland unter keiner Bedingung die Schutzmacht der Donaufürstenthüiner sein zu lassen, unerschütterlich fest steht.»

Deutschland.

* Wiesbaden, 13. August. Die Aufhebung der gegen unser Blatt von Seite der Polizeibehörde getroffenen Maßregel ist bis jetzt nicht erfolgt.

_ Frankfurt, 10. August. Die russische Antwort auf die österreichische Sommation ist in der heutigen Sitzung der Bundesversammlung nicht vorgelegt worden, so bestimmt sie auch noch gestern in unter­richteten Kreisen erwartet wurde. Warum sie nicht er­folgte, darüber variiren heute noch die Ansichten. Von der einen Seite wird behauptet, der friedlich lautenden neuesten Nachrichten wegen (Räumung beider Fürsten­thümer von den Russen) habe man von jeder weiteren Behandlung der orientalischen Frage vor dem Bunde, welcher eine kriegerische Bedeutung gegeben werden könne, Abstand genommen, und deßhalb sei auch der von Oesterreich beabsichtigte Antrag auf Mobilisirung des Bundesheeres heute nicht gestellt worden; von an­derer, sonst wohlunterrichteter Seite wird dagegen ver­sichert, Herr v. Prokesch-Osten, der österreichische Ge­sandte, sei nicht mit definitiven Instructionen versehen gewesen.

* Die »Badische Landeszeitung« fordert den Herrn Erzbischof von Freiburg zur Abhaltung einer Synode auf, indem sie an die Spitze ihres heutigen Blattes mit großen Buchstaben die Worte setzte: »Herr Erzbischof eine Synode!« Wir enthalten uns, hierüber weiteres zu bemerken, da dies ganz die Art und Weise der Presse der Jahre 1848 und 1849 ist, worüber vor dem Rich­terstuhle der öffentlichen Meinung bereits abgeurtheilt ist.

München, 10. August. Diesen Mittag, gleich nach dem Bekanutwerden der Nachricht von dem traurigen Ende des Königs von Sachsen hat der k. sächsische Minister v. Beust München mit der Eisenbahn verlassen. Die Leiche des Königs wird dein Vernehmen zufolge nach Kempten und von dort mit der Eisenbahn nach

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Fünf Steine dies so himminelblau und fein, Fünf Tage schon, ach, ohne Hoffnungsschein!

O Gott, soll dieser Steine sanftes Blinken Mir als ein Schimmer neuer Hoffnung winken!" Und kniend hält sie die Wunderspange Fast unbewußt, in brünstigem Gebet Für ihres Liebsten Sicherheit und dreht Sie breimal um in unerklärtem Drange.... Und durch die Kraft des Talismanes war Zur selben Zeit gewendet die Gefahr, Und durch der Liebe starke Glaubensniacht Befreit der Jüngling aus des Todes Macht. Wie in der Ferne dies sich zugetrageu, Bleibt noch mit kurzen Worten euch zu sagen.

Es saß der Zauberer auf seinem Schloß, Ein finster für sich brütender Genoß, Von seinen Zauberkünsten all umringt, Da sieht felssteigend einen Jüngling er, Der rasch heran zu seinem Horste bringt, Geschmückt mit Panzerhemd und Waffen schwer. Er kennt ihn nicht, es blitzet Zorn sein Blick: Ein Mensch, der zn dem Len'u zu dringen sucht, Von- dem Geschlecht, dem längst der Leu geflucht! Ihn liefert mir sein blutiges Geschick!" Und mit der Hand beschreibt er einen Kreis _ Zum Himmel rufend:Blitze, stark und heiß. Herab zu mir! Dort ist für euch ein Raub: Zermalmt den Wicht zu Asche und zu Staub." - Da rollt der Donner aus dem Wolkensitz, Das Thal wird kalt und dunkel wie das Grab, Und krachend, schmetternd, zischend fließt herab AuS unheilschwaugerm Schooß ein Zackenblitz I Sausend durchflanimt er die erzürnte Luft, Von dichtem Rauch gefolgt unb Schwefelduft. Da, durch die Macht des Talismans gebannt, Treibt ihn der Geister unsichtbare Hand Nach anberm Weg, als nach des Edlen Leben. Der Zaubrer sieht ihn drohend abwärts schweben,