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Wiesbaden. ISO*
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Friedrich August II.
Ueber die Reise II. KK. Majestäten des Königs und der Königin von Sachsen welche so ver- Hängnißvoll enden sollte, bringt das Dr. I. aus Pos- senhofen vom 6. d. M. folgende ausführlichere Nachrichten : Am 1. August Abends ein Viertel 10 Uhr kamen II. KK. Majestäten in Leipzig au, wo Aller- Höchstdieselbcu im Hotel »zum großen Blumenberg übernachteten. Den 2. August früh 6 Uhr erfolgte die Abreise von Leipzig mit dem Eilzuge nach München. Abends drei Viertel 10 Uhr wurden II. KK. Majestäten in Pasing durch den Hofmarschall Grafen Arsch im Namen Sr. Majestät des Königs von Bayern bc- willkömmt und nach dem eine halbe Stunde entfernten Schlosse Nymphenburg geleitet, wo Allerhöchstdieselben von II. Majestäten dem Könige und der Königin von Bayern erwartet wurden. Den 3. August von früh ein halb 11 bis Nachmittags drei Viertel 3 Uhr nahmen die Allerhöchsten Herrschaften die untern Räume der deutschen Industrieausstellung in dem, einen großartigen Anblick gewährenden Glaspalast in Augenschein, geleitet vom Staatsrath Fischer, dem Ministerialrath Dr. von Hörrmann, sowie dem geheimen Rath Dr. Weinlig und den übrigen Mitgliedern der vom Königreiche Sachsen für die Ausstellung bestimmten Commission. Mittags halb 4 Uhr war große Tafel im Schlosse zn Nymphenburg, zu der Se. Königliche Hoheit der Regent von Baden, der noch an demselben Abend die Rückreise nach Karlsruhe antrat, der Prinz und die Prinzessin Luitpold, der Prinz Adalbert von Baiern, sowie die in München anwesenden baierischen Minister zugezogen waren. Der 4. August Vormittags wurde von II. KK. Majestäten zur Besichtigung, der allgemeinen Kunstausstellung und der neuen Pinakothek verwendet. Am Abend besuchten die Majestäten einen Augenblick das Theater, in dem »s'letzte Fensterln» gegeben wurde und machten dann noch eine Spazierfahrt in dein englischen Garten. Den 5. August wurde am Vormittage die Besichtigung der deutschen Industrieausstellung und zwar der beiden Galerien von Ihren Majestäten vollendet. Nach der Tafel, Abends 6 Uhr, erfolgte die Abreise der Majestäten von Nymphenburg nach Possenhofen, wo Allerhöchstdieselben Abends ein viertel vor 8 Uhr von der Frau Herzogiu Luise in Baiern freudigst empfangen wurden. Am 6. August, Abends halb 10 Uhr, gedachte Se. Majestät, Allerhöchst welcher Sich der besten Gesundheit erfreute, die Reise die Nacht durch bis Zirl (PA Meile westlich von Innsbruck) fortzufetzen.
Die in Dresden am 10. August mit der erschütternden Trauerkunde eingegangene telegraphische Depesche des Baron v. Könneritz an das königl. sächsische Ministerium des Aeußern lautet: Wien, 9. August, Abends 11 Uhr. Soeben trifft folgende telegraphische Depesche aus Imst ein: Se. Maj. der König von Sachsen wurden heute auf dem Wege nach Pikzthal umgeworfen, das Handpferd wurde scheu, schlug aus, wodurch Se. Majestät rückwärts am Kopfe getroffen wurden. Se. Majestät wurden sogleich vom Kammer-
Das Schloß am Terek.
Ein Märchen aus dem Kaukasus, von Emil Prinzen von Wittgenstein.
(Fortsetzung.)
Derscll'e Morgen hatte in dem Thal Mit seinem warmen scgenvollen Strahl Beschienen eine klein bescheidne Hütte, Erbaut in grüner Bäume dunkler Mitte. Der Vater hatte früh sein Kind geküßt, Mit frommem Spruch den jungen Tag begrüßt, Und hatte dann mit emsig flinker Hand Die starken Büffel vor den Karrn gespannt. „Ich geh' hinauf, nach unsrer Saat zu sehen, Die ich gestreut dort oben auf den Hohen; Besorge, Daria, alles mit Geschick, Vor spätem Abend kehr' ich nicht zurück." Drauf hatte er das Zweigespann angetrieben Und bald war weit zurück das Thal geblieben. Er stieg den stillen Felsenpfad daher. Zog langsam über's Steingeröll die,Uuer, Und blickte so in seinem stillen Sinn Gedankenlos des Wegs nach allen Seiten hin. Und als er jenen Beraeskamm erreicht, Der fernerm die schroffen Zacken zeigt, Was sah er plötzlich? — Eines Pferdes Spur, Gedrückt seit gestern in die feuchte Flur! Er staunt... In jene Kluft die Fährte führt; Gewiß hat sich ein Reiter dort verirrt, — Und Neugier treibt ihn, suchend uachzngchn, Und wo der Reiter hin sei zu erspähn.
Berg auf und ab zieht uustät hin die Fährte, Jetzt fast verschwunden auf des Felsens Harte, Jetzt sich verlierend au dem Abhang jach, Jetzt wieder deutlich eingedrückt am Bach.
Nr. 188.
Actei vom Pferde weggerissen, auf den Grasboden gelegt und mit Hilfe herbeigernfeucr Leute in das Wirthshaus Brennbüchl gebracht. Zwei Aerzte wurden gerufen, allein mit Entsetzen wird mir berichtet, daß sich die Besinnung bald verlor und Se. Majestät eine halbe Stunde darauf zu Brennbüchl verschieden sind, nachdem Allerhöchstdieselben früher durch den Priester Stefan KieSmar mit den Sterbesakramenten versehen worden waren. Nach Aussage des FlügcladjMantcn v. Zezschwitz trifft den Postillon keine Schuld.
In Folge dieser erschütternden Katastrophe ist die Krone Sachsen auf den Bruder Sr. Majestät, den Prinzen Johann übergegangen. Von den Prinzen des königl. Hauses weilt gegenwärtig nur Prinz Georg in Dresden, während Prinz Johann selbst mit der prinz- lichen Familie auf seinem drei Wegstunden von dort entfernten Schlosse Wesenstein rcsidirt und Prinz Albert, nachdem derselbe erst kürzlich seiner verstorbenen Schwiegermutter, Prinzessin Wasa, die letzten Ehren erwiesen, zu seiner erlauchten Gemahlin nach Bad Elster im Voigtlaude zurückgekehrt ist, leider um demnächst in der Dresdener KönigSgrnft abermals einen Cypresseuzweig aus ein theures Grab zu legen. Die mit Tagesanbruch nach den entfernten Ucbungsplätzcu ausgezogenen Artillerie- und Cavalleriemannschaften sind nach dem Bekanntwerden der Trauerkunde schleunigst in die Kasernen consignirt worden und haben sodann mit den Jnfanteriemannschaften in der großen Kaserne dem neuen König Johann vor dem Kriegsminister, Ge- uerallieutenant von Nabenhorst, den Huldigungseid geleistet.
Friedrich August II., König von Sachsen, ältester Sohn des Prinzen Maximilian, Herzogs zu Sachsen, und der Prinzessin Caroline Maria von Parma, war am 18. Mai 1797 geboren. Er folgte seinem Oheim, dein Könige Friedrich August I. in früher Jugend schon bei allen Wechselfällen der damals so bewegten Zeit: so 1809 nach Regensburg und Frankfurt a. M., 1813 nach Regensburg und Prag. 1815 war Friedrich August im österreichischen Hauptquartier zu Dijon in Burgund, hatte aber keine Gelegenheit, sich an dem großen Kampfe zu betheiligen, da die Schlacht bei Waterloo Alles entschieden hatte, bevor die österreichischen Truppen ins Gefecht kamen. Der Prinz Friedrich August wurde 1818 General-Major und 1822 Mitglied des Geheimraths und machte 1824, 1825 unb 1828 größere Reisen nach Paris, Italien und nach den Niederlanden. Ein edler, feingebildeter, milder und gütiger Fürst, that Prinz Friedrich August im Stillen unendlich viel Gutes; seine Mußestunden waren dem Studium der Mineralogie und Botanik gewidmet. Am 5. Mai 1827 starb König Friedrich August I. von Sachsen, ihm folgte auf dem Throne sein zweiter Bruder An ton Clemens Theodor, der wegen der unruhigen Zeiten und in Rücksicht auf sein hohes Sitter am 13. September 1831 seinen ältesten Bruderssohn, den Prinzen Friedrich August, zum Mitregenten annahm. Der Herzog Max, des Prinzen Vater, hatte auf die eventuelle Thronfolge Verzicht geleistet. Friedrich August, Prinz- Mitregcut von Sachsen, wurde am 22. Mai 1822
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Dor gute Mann von Eifer mehr getrieben, Je mehr des Weges hinter ihm geblieben, Fühlt doch sein Herz wie in Besorgnis; klopfen; Denn was wird er entdecken, dort so weit?
Welch' ein Empfang ist wohl für ihn bereit?
Und von der Stirne wischt er dicke Tropfen, Macht seinen Dolch jetzt in der Scheide los, Und schreitet fürbaß durch der Klüfte Schvoâ. Der Pfad wird steil und lang und immer länger, Die dunkle Kluft wird eng und immer enger, Jetzt nichts als Fclscnwände rings umher.
Und wie er späht, wo er den'Ausgang fände, Kommt er an eines andern Pfades Ende, Und sieht auf einmal unter Massen schwer, Wo mit Kristall die Zacken schrosi sich dehnen, Den Eingang einer tiefen Höhle gähnen.
Er stockt... ihm sagt es eine innre Stimme:
Dort haust der Tod in blutig finstrem Grimme! —
Er taucht hinein den forschend trüben Blick, Er möchte gern, und kann doch nicht zurück.
Jetzt, seinen Dolch gefaßt, tritt er hinein, Und düster dringt ihm nach des Tages Schein. Die schwarze Stille stört kein Lant, kein Stöhnen, Und an die Finsterniß, die wie ein Schild Das späh'nde Auge deckend ihn; umhüllt, Fühlt er den Blick sich allgemacb gewöhnen, Als er entsetzt, mit schwarzem Blut bedeckt, Den todten Zwerg zur Erde fand gestreckt.
Wie er den Leichnam sieht, erfüllet Trauer
Das Auge und die Seele dem Beschauer, Daß, der wohl lauge heimlich bier gehaust, Den Tod gefunden so durch Räubersaust; „Wie unbekannt sein Leben au dem Ort, So bleibt vor aller Welt nun auch sein Mord, Doch nehm ich mir ein Angedenken mit",, So spricht er still, indem er näher tritt. Er bückt sich und nimmt ans der kalten Hand, Die krampfhaft noch eâ hält, ein gülden Band,
Samstag, 12. August.
Wittwer von der Erzherzogin Caroline Ferdinande Therese, Josephe Demetria, des Kaisers Franz von Oesterreich Tochter, und vermählte sich zum zweiten Male am 24. April 1833 mit Maria Anna Leopoldine, königl. Prinzessin von Baiern. Am 6. Juni 1836 starb König Anton von Sachsen, und der Prinz-Mit- regent bestieg unter dem Namen Friedrich A u g u st II. den sächsischen Königsthron. Sachsen hat unter der Regierung Friedrich August's II. eine Periode materiellen Wohlstandes und zugleich geistiger Regsamkeit gehabt, die in den Annalen der Geschichte unvergessen sein wird; vielfache Kränkungen sind vem milden gütigen Fürsten, namentlich seit dem Jahre 1848 zu tragen gegeben, und auch er hat eS erfahren, »wie rauh der Kön'ge Pfade und wie so dornenvoll», aber viel tausend treue Herzen werden weinen um ihn in den Meißnischen Marken unb den andern Landen der Wettiner, den durch ein so seltenes entsetzliches Unglück seinem Volk entrissenen König. Da er in beiden Ehen keine Kinder hatte, so folgt auf dem Thron sein Bruder Johann Nepo- mncenus Maria Joseph, königl. Prinz von Sachsen, geb. am 12. December 1801, vermählt am 21. November 1822 mit der Herzogin Amalie Auguste, des Königs Maximilian Joseph von Baiern Tochter, aus welcher Ehe eine reiche Nachkommenschaft. Der älteste Sohn des nunmehrigen Königs Johann von Sachsen und der Thronerbe ist Prinz Albert, Herzog zu Sachsen, General-Lieutenant, geb. den 23. April 1828 und seit dem 18. Juni 1853 vermählt mit der Prinzeß Caroline, Herzogin zu Schleswig-Holstein, des Königs Gustav IV. von Schweden Enkeltochter.
Deutschland.
^Wiesbaden, 12.August. Die Aufhebung der gegen unser Blatt von Seite der Polizeibehörde getroffenen Maßregel ist bis jetzt nicht erfolgt.
Wiesbaden, 9. August. Unter vorstehenden Datum schreibt man der Köln. Ztg.: »Außer dem Ihnen bereits gemeldeten Wechsel im Ministerium sind noch verschiedene andere Ernennungen erfolgt, z. B. Major Roth (bekannt als Parteigänger von Don Carlos) zuin Oberst-Lieutenant, der Flügel-Adjutant des Herzogs, Major von Ziemiecki zum Bureau-Chef des Kriegs-Ministeriums, Major von Holbach in Biebrich zum Oberst-Lieutenant. Bezeichnend ist es, daß alle Beförderten der clericalen Partei angehören.»
Darmstadt, 11. August. Wie man vernimmt, sind auf unserer Hochschule Gießen auf Anlaß der Verhaftung eines Studenten Unruhen unter der akademischen Jugend ausgebrochen. Herr Ministerialrath v. Rieffel, Referent in Angelegenheiten der Universität, ist darum nach Gießen gereist, indessen wieder hierher zurückgekehrt.
Bromberg, 5. Aug. Vorgestern kamen hier wieder ein großer Transport Waffen, besonders Gewehre an, welche in belgischen Fabriken für die russische Regierung gefertigt worden- sind. Gestern und heute sind dieselben auf Kähne geladen worden wid nach Warschau
Geziert mit Schnitzwcrk und Türkisen fein,
Und steckt es sinnend in die Tasche ein.
Jetzt tritt er wieder an den Tag biiiauS, Verschließt mit Steingeröll der Hölle GrauS, Spricht einen Spruch noch für des Todten Ruh Und wendet dann dem Ort den Rücken zm Er treibt den Karrn zuni tiefern Thal hinab, Gedenkend an das sonderbare Grab, Und $iebt wohl eine Stunde durch die Flur Jetzt unter jener Wand, auf deren Höhen , Der andre Pfad führt, den er hinwärts fuhr, Da hält er ein — was muß er wieder sehen? Zerschmettert liegt ein stolz gezäuntteS Roß Am Boden, und dort in den Sträuchern weiter Bluttriefend, bleich dahingestreckt sein Reiter, Ein schöner Jüngling schlank gebaut und groß. Er hebt ihn sachte auf, er legt die Hand Auf's Herz ihm, fühlt und lauschet unverwandt... Ein leises Klopfen und der Lippen Beben Zeigt an, daß noch nicht ganz entflohn das Leben... „Der stürzte", denkt er, „sicher von der hohen Wand, Gar schlüpftig ist des Abgrunds jäher Raud." Und sorgsam, wie die Diutter, die ihr Kind, Das kranke, einlullt, also legt gelind Den wunden Jüngling ans den Karrn der Mann Unb lenket heimwärts langsam das Gespann. —
In einer niedern kleinen Baueruhütte, Erbaut in grüner Bäume dunkler Mitte, Verbreitet noch ein Lämpchen rothen schein Bis in die späte lange Nacht hinein. Und auf dem schmalen niedern Betten von Hauten, Wie's Armuth nur vermochte zu bereiten. Ein Jüngling lag, im Scklnmmer hingcstreckt, Die bleiche Stirn mit Tüchern überdeckt.
Sein Schwert und Dolch, sie hingen an der Waud Mit seinem Bogen, oft mit Kunst gespannt, Sein Panzerhemd und seine Elseuhanbe Hielt eine Kiste wohlverwahrt Donn Staube.