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Wiesbaden. iS 54k
Mr. 186.
Donnerstag, IO* 'Anglist.
Spanien,
(Schluß.)
Obwohl der "New-Iork-Herald» im eignen Lande ohne politischen Einfluß sein und als Organ der ausgewanderten Irländer den Nationalhaß dieses Volksstammes gegen die Engländer theilen soll, verdient dennoch die obige Mittheilung dieses Blattes eine Beachtung. Der in jenem Artikel genannte Consul der Vereinigten Staaten, Saunders in London, soll nämlich ein im hohen Grade gefährliches Subject sein. Er soll früher in New-Jork ein ultraradicales Blatt redigirt haben und sich laut in London rühmen: "Präsident Pierce habe ihn nach London geschickt, um ihm den Mund zu stopfen.» Seine Ernennung zum Consul ist bekanntlich von dem nordamericanischen Senate (mit starker Majorität) nicht bestätigt worden. Nichts desto weniger hat er bisher die Functionen eines Cousuls der Vereinigten Staaten in London ausgeübt und wird dies auch ferner thun, indem die Ankunft seines Nachfolgers nicht so bald zu erwarten ist. Es besteht kein Zweifel darüber, daß er mit Kossuth, Mazzini, Garibaldi und ihrem ganzen Gelichter in vertrauter Beziehung stehe; man behauptet auch, er habe den nordamericanischen Gesandten, Herrn Buchanan, durch die Drohung, widrigenfalls seine republicanische Gesin- nung zu Hanse zu verdächtigen, bewogen, einem Flücht- lingSdiner beizuwohnen.
Die Anschaffung der 200,000 Musketen wäre allein deßhalb zu bezweifeln, weil Saunders nicht die Geldinittel zu besitzen scheint, die dazu gehören; hierzu kommt, daß jetzt alle englischen Häsen für Waffen und Munition gesperrt sind. Nach Ncw-Iorker Privatberichten hatte jedoch ein Speculant Lau in New-Jork eine große Anzahl (über 100,000) ausgemusterter Musketen aufgekauft, mit der Absicht, sie durch Sauuders mit Profit an Kossuth und Genossen zu veräußern. Die Zahlungsmittel der Letztern hätten jedoch bisher gefehlt, und die Gewehre sollen am Bord eines kleinen Schiffes, »Grape-Shot" int. Hafen von New-Orleeurs liegen und nunmehr wahrscheinlich nach Cuba be- stimint sein.
Also auch Gefahren von Außen zu den Wirren im Innern, eine neue Heimsuchung für das unglückliche Land. Der Thron Isabellens ist für den Augenblick gesichert, aber um welchen Preis und auf wie lange? Die Barrikaden sind hinweggeräumt, der Republicanis- mus ist nicht nieder geworfen, die Demagogie ist nur beschwichtigt. Wie steht Espartero mit den Freimaurern, deren Macht, deren Einfluß auf die stattgehabte Bewegung und auf die Schicksale des Landes wir geschildert haben? Ist die Verbindung Espartero's und O'Donncl's eine aufrichtige, kann sie es sein; kann Espartero den nach allen Seiten hin übernommenen Verbindlichkeiten, allen gemachten Zusagen genügen?
Bezeichnend ist, daß Espartero am Abend vor seinem Einzug in Madrid durch seinen Adjutanten Salazar in den "Circulo Politico de la Union« (dem repn- blicanischen Club unter Präsidentschaft des Grafen de
las Navas und des Capitalisten Cordero), erklären ließ, er komme, um der Washington Spaniens zu werden. Kann man, frägt die "A. Z.», die Absicht Espartero's, die Absicht wenigstens, die ein Theil seiner Anhänger ihm zuschreibt, deutlicher ausdrücken?
Das Vorhaben der republicanischen Minorität, welche in diesen Tagen in solcher Gährung ist, geht dahin, den Infanten Heinrich, dessen Verbannung die Junta aufgehoben hat, auf den Posten des Staatsoberhaupts zu stellen. Wohl mochte mit Recht ein Mann im demokratischen Club ausrufen: "Die Revolution läßt sich in Spanien nicht mehr aufhalten; Espartero ist ein Waffenstillstand; nach ihm wird es weiter gehen.»
Einige Optimisten, sagt die »D. VH.», zählen auf den nahen Zusammentritt der Cortes, um die Königin aus ihrer moralischen Gefangenschaft zu befreien. Wir thei- leu dieses Vertrauen nicht. Die Cortes werden sich sich entweder dem Willen Espartero's unterwerfen oder selbst die Souverainetät an sich reißen. In beiden Fällen ist die Königin Isabella geopfert. Alan wird sie vielleicht vor wie nach mit äußern Ehren umgeben, ihr sogar Gehorsam versprechen; in der That aber wird das Königthum zum glanz- und einflußlosen Schatten herabsinken. Das wird dann so lange dauern, als es kann, wahrscheinlich nicht sehr lang. Die neuen Herren von Spanien werden ihre Verfassung achten, wie die gestürzten Herren die ihrige geachtet haben, und die Herrschsüchtigen werden binnen 12 oder 6 Monaten schon tausend Vorwände finden, zu schreien, was man gestern schrie: "Nieder mit den Ministern!
Es lebe die Königin! und es lebe die Constitution!» Aber welche Constitution? Das ist und bleibt das Räthsel in Spanien, seitdem es gewaltsam aus seinen Gesetzen, Sitten, Gewohnheiteu und Traditionen hinausgeworfen wurde. Vormals ging Spanien allen Nationen voran, und die Sonne in seinen unermeßlichen Gebieten niemals unter; jetzt weiß man kaum, ob es ein Spanien gibt. Seine Revolutionen sind Futter für die NeuKer der Menge, die Regierungen achten kaum daraus. Ob Espartero, Narvacz oder San Luis triumphirt, vas kümmert Europa wenig ; das sind ja doch nur Parteisiege; Spanien, das alte Spanien sieht ihnen zu oder ergibt sich darin, doch seine Ruhe, seine Sicherheit, sein Glück erwartet es von der Seite nimmer.
Der Absall von der Legitimität, des Niederreißen der Grundgesetze des Staates läßt sich als der Ausgangspunct alles Unheils bezeichnen. Seitdem ist das unglückliche Land der Spielball der Intriguen, der Tummelplatz der Parteileidenschaften und des Ehrgeizes. Einen Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptung finden wir in unserer nächsten Nähe, in der Theilnahme, welche Se. Hoheit der verstorbene Herzog Wilhelm der Sache des legitimen Königs geschenkt, indem er nicht nur mit einer beträchtlichen Summe an der carlistischen Anleihe sich betheiligte sondern auch eine Anzahl von Officieren, welche der Sache deS Königs Don Carlos mit Auszeichnung gedient hatten, in seine Dienste nahm. Er erkannte mit richtigem Blick, daß ein Schritt auf einer abschlüssigen Bahn zur Haltlosigkeit, zum Falle führen müsse. Die Sache des le
gitimen Königs war ihm die Sache der Stabilität der Souveränetät der untastbaren Hoheit der Herrscherwürde.
Die Monarchie Spanien schwankt nicht nur aufs Neue zwischen dem salischeu Gesetz, welches Philipp V., her Enkel Ludwig des XIV., der Gründer einer neuen Dynastie mit Recht einführen konnte und zwischen dem s.g. altspanischeu Successionsrecht, welches Ferdinand VII. zu Gunsten seiner Tochter wieder einsetzte: sie ist auch andern Wechselfällen preisgegebcn. Es handelt sich um Isabella II., um Don Enrique, oder den Grafen Mon- temolino, um Pedro V., um eine militärische Dictatur unter Espartero oder unter jenem der ihn verdrängt, endlich möglicherweise um eine pyrenäische Republik, eine brennende Lunte neben dem Pulverfaß: Frankreich.
Deutschland.
* Wiesbaden, 10. August. Die Aufhebung der gegen unser Blatt von Seite der Polizeibehörde getroffenen Maßregel ist bis jetzt nicht erfolgt.
Vom 11. September d. I. an werden sämmtliche nassauische Truppeutheile ein Lager bei Hofheim beziehen und vom 23. bis zum 28. sollen daselbst Feldma- növcr abgehalten werden.
Frankfurt, 7. August. Hiesige Zeitungen, schreibt man dem "St.-A. s. W.», haben kürzlich gesagt, daß die Vorlage der russischen Antwort auf die Souunatiou Oesterreichs unb die Unterstützungsnote Preußens in der nächsten Sitzung der Bundesversammlung geschehen, folglich, daß die hohe Versammlung sich mit den nöthigen Anordnungen in Betreff der Rüstungen der verschiedenen deutschen Bundesstaaten, in Folge des Beitritts des Bundes jum Allianzvertrag vom 20. April, nächstens beschäftigen würde. Wahr ist die Sache an sich selbst; allein diese Vorlage könnte leicht einen Aufschub erleiden durch einen Vorfall, der in diesem Augenblick ein ungewöhnliches Aufsehen in der diplomatischen Welt erregt. Am 28. Juli nämlich ist von ©eiten des österreichischen Cabinets an alle Bundesregierungen eine Note ergangen, in welcher, nachdem die Freude der österreichischen Negierung über den Beitritt des Bundes zum österreichisch-preußischen Allianzvertrag ausgedrückt, die Bemerkung enthalten ist, daß, nach vorhergegangenem Uebereinfommen mit Preußen, nächstens eine Vorlage über eben diese Rüstungen des deutschen Bundes in der Bundesversammlung geschehen solle. Es wird sodann darin die Stärke der von Preußen und den übrigen Bundesstaaten aufzustellenden Streitkräfte, sowie die verschiedenen dazu bestimmten ArincecorpS, angegeben. Nun erklärt auf einmal das preußische Ca- binet, es wisse nichts von einem solchen Uebereinkommen; es sei durchaus nichts über diesen Punkt bis jetzt verabredet worden. Das österreichische Cabinct hingegen behauptet, Beweise des Gegentheils in Händen zu haben. Es ist leicht zu begreifen, welches Erstaunen dieses Mißvcrständniß erregen mußte. Allein die Sache wird sich aufklären, ohne daß es zu unangenehmen Verwicklungen fommt und die gedachte Vorlage wird wohl dadurch nur einen Aufschub erlitten haben.
Die Einzeichnungen des österr. Ofsizierscorps in
Das Schloß am Terek.
Ein Märchen aus dem Kaukasus, von Emil Prinzen von Wittgenstein.
(Fortsetzung.)
Wie herrlich sind Assetiens schroffe Berge
Mit ihrer Ströme wildverworr'nem Schwall,
Mit ihren Erzen glitzernd von Kristall, Mit ihren Höhlen tief, dem Sitz der Zwerge i
An kahler Wand, die dis zuin Himmel ragt, In finst'rer Kluft, wo nie die Sonne tagt, Wo nur der Geier kreist in freier Stärke, Da thun sich kund des Schöpfers kühnste Werke. Im Bett von Felsen brauset eingeschränkt Der Strom dahin, von jähem Zorn gelenkt; Wie Silber sprudelt vor aus hoch entlegner Stelle Roth färbend das Gestein die eisenhalt'ge Quelle; Das wilde Schaf flieht vor dem Tiger bang, Der jach hervor ans dunkler Höhle sprang, Und stürzt sich, bebend vor des Räubers Zorn, Herab die Felswand aus sein mächt'ges Horn ; Der Steinbock klimmt am Berge hoch hinaus, Nicht hemmt ihn des Gießbachs toller Lauf, Dort auf den Zacken ruhet erst sein Fnß, Wo rosig färbt den Schnee der Sonne Kuß, Wo in der Wildniß, frei vom Sturm umweht, Der Gletscher ragt in seiner Majestät.
Und unten in der Thäler tiefern Räumen, Da prangt eS herrlich von den ältsten Bäumen, Und an den Gründen her, im Schatten kühl Zieht sich der Pfad, erfrischt von sanfter Quellen Spiel.
Ihn zog der Jüngling, stauneud hingegeben Der Herrlichkeit tu diesem wilden Leben, Ihm schien ein neues Glück das Herz zu drängen Unb ihm die Brust mit Wonne cinzuengeu;
Er wußt es selber nimmer zu erklären, Doch sah er so das Alles mächtig schön, Da zwang eS ihn, zum Himmel aufzusehn, Und Gott in seiner Größe zu verehren. — So klomm denn mühsam fort und fort sein Roß Entlang der Felswand, unermeßlich groß, Entlang den Klüften, dunkel wie das Grab, Bis nach und nach der Abend sank herab. Doch mit dem Abend kam auf Wolken schwer Auch ein Gewitter mächtig donnernd her. Die Blitze sprühten blendend durch die Lust Und von den Schlägen dröhnten Berg und Kluft. Wer niemals sah den Regen, wenn er jach Zum Strom verstärket den geschwoll'nen Bach, Den Dust nicht, der dem sendeten Thal entflieht Und mit den Wolken sich zusammenzleht, Der weiß nicht, was es heißt, wie Staub so klein, Dem eignen Blick nur noch ein Wurm zu sein! So war dem Jüngling eben auch zu Muth : Des Regens Guß durchschauert ihm das Blut; Sein Pferd am Zaum unb vorgestreckt die Hände, Sucht er vergebens, wo er Obdach fände.
Und weiter in dem Thal, durch das er zog, Saß zu derselben Zeit an warm verwahrter Stelle Ein rauh grotesker Zwerg, der bei des Feuers Helle Sich emsig über eines Buches Blätter bog. Ein Abkömmling der Gnomen — die mit Macht Metalle schmieden in der Berge Schacht, Für Mcnschenglück geschaffen und für Leid — Hatt' er der schwarzen Kunst sich ganz geweiht. Sein kahles Haupt bedeckte eine Kron' Von Silber blank, mit Steinen bunt gezieret; Sein schwerer Leib war komisch auLstasfiret Mit Stoffen mancherlei, der Eitelkeit zur Frohn. Die Höhle groß, in der sich der Gesell Seit langen Jahren wußte zu gefallen. Erhielt ihr Licht von einem Feuer grell. In eeni die Wände glänzten voll Kristallen.
Der Tropfstein hing in mancherlei Gestalten Hernieder und die hochgewölbte Deck' entlang; Ein eisenschwang'rer Wasserstrahl entsprang Daraus, zerfließend in des Bodens Spalten. Da hanste nun der Zwerg, nicht allzu schlau, Mit einem Schakal blind und altersgrau, Der nahe bei dem Feuer Nacht und Tag Auf einem alten Prunkgewande lag. Da brütet er seit langer Zeit in Frieden, Von Menschen unbesucht, in seinem Zauberbuche Wohl über manchem dunklen Zauberspruchc, Deß Lösung seinem Geiste nicht beschicken. Und eben schien auf inhaltschweren Zeilen Sein Blick mit stummem Staunen zu verweilen, Da von des Nekromanten sichrer Hand Im Zauberberbuch also geschrieben stand:
„In Grusien ist ein Talisman Von hoher Kraft und starkem Bann: Wer dreimal reinen Sinn's ihn dreht Und spricht ein gläubiges Gebet, Zum Morgenröthe hingebeugt, Der, was sein Herz begehrt, erreicht.
Und daß du schnell ihn magst erkennen,
Will ich ihn dir getreulich nennen : Die goldne Spange schwer und fein, Fünf Himmelfarbe Steine drein, Und auf dem mittleren, da blitzt Das Wort „Assaf", in Gold geschnitzt. Nun, wo er sei, such' zu ergründen; Wer lange sucht, wird endlich finden."
Als nun der Zwerg den Zauberreim gelesen, Da ward's in seinem Sinn noch wirrer als zuvor; 9He war so schwül die Höhle ihm gewesen, Und immer klang es wieder an sein Ohr:
„Nun, wo er sei, such zn' ergründen; Wer lange sucht, wird endlich finden."