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Die »Nassauische Allgemeine Zeitung» erscheint, Sonntag ausgenommen, täg­lich. Preis: Vierteljährig für Wies­baden und den Thurn und Taxischen Postbezirk 2 fl., sonst 2 fl. 24 kr.

cstellungen nehmen an in Wiesbaden e Expedition (grosse Schwalbacher- MÜe Nr. 7) auswärts alle Postan- ilten. - Inserate: die vierspaltige Petitzcile oder deren Raum 3 k.

Wiesbaden. 18 3M«

Zur Situation.

Der Ton, den neuerdings Wiener Blätter gegen die von Preußen befolgte Politik anschlagen, Hat in Berlin sehr verletzt. Eine aus officiöscr Quelle stam- mende wie soll man es nennen? Berichtigung (der Pr. Corresp.) bemerkt darüber in wohlverständ­licher' Weise: »Von verschiedenen, namentlich öster­reichischen Blättern wird unablässig berichtet, daß die russische Antwort von Seiten des Wiener Cabinets den Westmächten nur einfach zur Kenntniß übermittelt, nicht aber zur Basis für Wiederanknüpfung friedlicher Ver­handlungen empfohlen worden sei. Von preußischer Seite wird dagegen, ans guter Quelle, hervorgehoben, daß das Wiener Cabinet diese Empfehlung in der That ausgesprochen hat. Zahlreiche österreichische Cor- respondenten, wie die österreichischen Blätter zum Theil selbst, fahren mit ihren Schilderungen der österreichischen Kriegslust gegen Rußland in einer Weise fort, welche ebensowohl objective Ruhe, wie richtige Bekanntschaft mit den neuesten österreichischen Regierungsmaßregeln vollkommen vermissen läßt. Unablässig wird hervorge­hoben, daß Oesterreich seine außerordentlichen militäri­schen Anstrengungen nicht gemacht habe, und noch mache, um mit diplomatischen Schachzügen die Zeit zu ver­lieren, daß es längst feindlich gegen Rußland vorge­schritten wäre, wenn es nicht von einer befreundeten Großmacht, die sich übrigens dadurch selbst zu einer Macht zweiten Ranges Herabdrücke, davon abgehalten würde. Es muß dagegen wiederholt und aus Grund glaubwürdiger Eröffnungen über die preußische Politik hervorgehoben werden, daß Oesterreich durch Preußen in keinerlei Weise vom Einmarsch in die Moldau und Walachei abgehalten wird. Wenn Oesterreich es zu seinem eigenen Heile für unumgänglich nothwendig er­achtet, schon jetzt in die Donauländer einzurücken, wenn durch eine Verzögerung der Ausführung dieses Planes für Oesterreich vieles auf dem Spiele stände, so würde es sich bei seinen trefflichen militärischen Rüstungen von einem seloständigen und einseitigen activen Vorgehen ge­wiß durch keine andere Wacht zurückhalten lassen, am wenigsten durch eine solche, die, wenn die Zeitungen Recht haben, sich selbst zu einer Macht untergeordneten Ranges herabdrückt. Spielt Preußen wirklich die ihm zugewiesene unbedeutende Rolle, warum bemüht man sich von allen Seiten so angelegentlich um seine Freund­schaft ? Wir sind vielmehr überzeugt, daß die öster­reichische Regierung eine ganz andere Ansicht von dein ihr engverbundenen Preußen hat als die Herren Correspon- denten, und daß die letztern dem Wiener Cabinet über­haupt einen schlechten Dienst erweisen, wenn sie dem­selben Absichten unterschieben, welche durch die letzten bekannt gewordenen Schritte Oesterreichs ihre vollstän­dige Widerlegung finden. Oesterreich hat nicht nur die russischen Propositionen nach Paris und London em­pfohlen, und bemüht sich aufrichtig das Einvernehmen mit Preußen in vollem Umfang zu erhalten, sondern wird auch alle seine ferneren Actionen von der Zustim­mung der übrigen deutschen Staaten abhängig machen, denen die russische Antwort durch deren Vorlage am

Aus München.

Im GlaSpalaste. Ein Münchener VergnügnngSort.

(Schluß.)

An der Ausstellung der Seidenwaaren wird noch theilweise gearbeitet, doch sind schon schöne, farbenfrische Saminte da, welche italienischen Ursprungs sein dürften, wie denn auch die Kaufleute, welche sie arrangiren, den Mailänder Dialcct sprechen. Im Gan­zen genommen macht sich jedoch schon die Ansicht geltend, daß in Seidenwaaren die Wiener das Außerordentlichste geleistet haben. Auch die rohe Seide, die Nähseide und der Zwirn sind zum Theil in zierlichen Arrangements, reizenden Tableanx ziemlich reich vertreten. ___

Wenn man die Menge der Spitzen, der Tüll- und Florzeuge erschaut, so ertaubt mau, die ganze Dpitzenfabrication des böhmi­schen Gebirges habe sich hierher gezogen. Daß nun aber diese Abtheilung beim zarten Geschlechte großen Anwerth findet^ und geduldige Ehemänner an der Seite ihrer Halsten mit dem Blei­stift inber Hand umhergehen müssen, nm-Notate zu machen, die ihnen dietirt werden, das versteht sich von selbst. Von gleicher Anziehungskraft für die Frauen sind die Depots weiblicher Wäsche, die Wiegen und Kinderbettchen, die Matratzen und ge­steppten Decken, worunter eben so schöne als billige Arbeiten. El» hirschledernes vollständiges Bettzeug wie jenes, wäre bet dieser Hitze nicht unangenehm. .

An ganz aufgeschirrten uub bekleideten Pferden vorüber, kom­me« wir zu den fertigen Herrenkleidern, den Uniformrocken, ben Ueberziehern, Paletots, Röcken, Fracks, Gilets nnd Pantalons. Mancher Dandy steht hier viertelstundelang, die Lorgnette nicht vom Auge bringend, nnb studirt die Zettel und Karten, welche in den Taschen der Kleider stecken, bei auswärtigen Wiener ober Prager Operateu bedauernd, daß die Firma nicht in Mün­chen efablirt sei.

Die Expositionen scharfsinniger Kleiderkünstler grenzen an daS Gebiet deö höheren Scharfsinnes, das, Instrumente aller Art zur Anschauung bringend, mit der Waage sich einleitet und weiter

Nr. 182.

Bunde kundgcgebcn und die zur weiteren Verhandlung mit den auswärtigen Mächten zugezogen werden sollen. Schon hieraus geht hervor, daß Oesterreich noch manche Erwägung einem Einmarsch in die Walachei vorangehen lassen wird. Ucbcrdieß geht auch ans den Verhand­lungen im englischen Parlament hervor, daß weder Lord Clarendon noch Lord John Russell dem Parlamente von irgendwelchen Garantien zu erzählen wissen, die Oesterreich den Westmächten für sein entschiedenes Bünd- niß mit denselben gegeben haben soll. Die genannten Lords sprechen nur von ihren subjectiven Hoffnungen und Voraussetzungen, daß Oesterreich sich nicht untreu werden, seine Verpflichtungen nicht versäumen und vom Gipfel einer ersten Macht nicht werde herabstürzen wollen. Bürgschaft für die weitere Entscheidung Oester­reichs wollten die Lords nicht übernehmen. Am deutlich­sten geht die österreichische Bereitwilligkeit zu friedlichen Verhandlungen aus dem Wortlaut der in der 22sten Sitzung der Bundesversammlung vom 20. d. M. von Seiten Oesterreichs und Preußens abgegebenen Erklä­rung hervor, in welcher es ausdrücklich heißt, daß beide Cabinette an der Hoffnung sesthalten daß der Kaiser von Rußland der Sprache seiner alten Verbündeten Gehör geben und dadurch den Wunsch friedlicher Aus­gleichung bethätigen werde, damit die Wege der Ver­ständigung wieder geöffnet und das im Interesse Deutschlands Erreichte auch für die Beruhigung Eu­ropas nutzbar gemacht werden könne. Die Cabinette von Wien und Berlin werden es sich zur Pflicht ma­chen der Bundesversammlung die russische Antwort mit» zutheilen, auch dem Bunde bei allen späteren Ver­handlungen die gebührende Einflußnahme zu sichern. Hiermit hat Oestereich die unzweideutige Verpflichtung übernommen nicht einseitig in der Walachei vorzuschrci- ten. Dieß ist auch für den Fall eines ablehnenden Ausfalles der westmächtlichen Rückäußerungen auf die ihnen communicirten russischen Propositionen als maß­gebend festzuhalten."

Wiener Blätter vom 1. d. M. melden:

Heute ist hier auf telegraphischem Wege die Note des englischen Cabinets auf die russischen Propositionen bekannt geworden. Die Erwiderung lautet kurz dahin, die Westmächte seien unabänderlich entschlossen, den Krieg fortzusetzen, bis 'Rußland annehmbare Friedens­bedingungen macht; in seinen gegenwärtigen Propositonen gäbe es keine Anhaltspunkte für Unterhandlungen, die geeignet wären, den Frieden herbeizuführen. Der Courier, welcher die Antwort des französischen Cabinets zu überbringen hat, wird heute Abend erwartet. Wie hier in unterrichteten Kreisen verlautet, ist bis zur Stunde eine officielle Erklärung Rußlands in Betreff einer beabsichteten Räumung der Donaufürstenthümer nicht eingetroffen und wird sonach jetzt von Seite Oesterreichs die Erwiderungsnote aus die russischen Propositionen nach St. Petersburg abgehen und zwar im Laufe der nächsten Tage. Ueber den Inhalt dieser Note läßt sich jetzt schon mit einiger Bestimmtheit sa­gen, daß Oesterreich unter Aussprechung des tiefsten Bedauerns über die Erfolglosigkeit der Bemühungen zur Friedensvermittelung, auf seiner Forderung der Räumung

fortschreitct zur Uhr, die durch einige tausend-Individuen vertre- tat. Die Schwarzwälder Fabricatiou nimmt einen guten Theil davon ein. Interessant sind zumeist aber die astronomischen UH- ren, dann die GlaSuhrcu.

Den friedlichen Zeitzertheilern reiht sich die unheimliche Werk, statte des Wundarztes an. Dem Laien ist es da besser, rasch vorüber zu huschen. Diese PräparativuSapParate, diese Ampu- tationöetuis, diese Steinoperations-Instrumente berühren mit ihren tausend spitzen Messern, Messerchen, Sägen und den Dor- siellungen, die sie anregen, peinlich. ES wäre wohl leicht, schnell zu passiven, wenn uns nur z. B. dies im großartigen Maßstabe gefertigte Gehörorgan, diese Brütungsgeschichte des Vögleins in den tagtäglichen Fortschritten deö Eies dargestellt, nicht ganz be­sonders anzöge.

Wenn wir die zweite Gallerie Hinansteigen, auf welcher nebenbei gesagt, die größte Hitze herrscht, so finden wir da zumeist die Fortsetzung der als siebente Gruppe der Ausstell­ung zusammcngesaßtcn Webe- und Wirkwaaren, Leder- und Be- kleidnngSgegeuftände. Wolle und Leinwand, Garn und Seide, Wachstuch und Tapete, Tuch und Leder rangiren.nebcn einander, und ist ein Reichthum an Waare da, daß man ein Weltmagazin damit füllen, einen Weltmarkt damit versorgen könnte.

Noch sind wir mit der Umschau nicht ganz fertig, als das Glockenzeichen ertönt, das die fünfte Stunde und mit ihr den Schluß der Ausstellung signalisirN Die Aufsichtsmänner athmen auf mib sehen einander lächelnd an: Leute, die eben im schönsten Beschauen waren und darüber die Zeit vergaßen, ziehen die Uhr und werden mit Mißvergnügen die vorgeschrittene Stunde gewahr, Personen endlich, die erst vor kurzem eingetreten, drücken ihr Be­dauern aus, so schnell wieder scheiden zu müssen. Hier vermögen sich Einzelne von besonders reizenden Partien nicht zu trennen, dort wieder suchen Andere Lieblingsgegenstände aus, ehe sie der Herrlichkeit den Rücken kehren. Die dies blos für heute thun, machen es doch mit leichtein Herzen aber dort steht Einer, der all die Pracht zusammenfaßt mit einem letzten, überschauenden, fast wehmüthigen Blicke und dann rasch davon geht, dessen Mün­chener Tage sind gewiß gezählt, und er hat seine Aussicht mehr, nochmals wieder zu kommen. Die Eisvertilger erheben sich von

Samstag, Z. August.

der Fürstenthümer beharren müsse, und falls dieselbe in einer sehr kurzen, genau festgesetzten Frist nicht er- fotgt, zur Durchführung des mit der Pforte abgeschlos­senen diesfälligen Vertrags im Verein mit seinen Ver- bündeten schreiten wird. Außerdem melbet die C. Z. C., gestern sei aus London die officielle Mittheilung hier eingetroffen, nach welcher das englische Ministerium nur solche Vorschläge für Friedensuntcrhandlungen geeignet finden könne, welchen ein Zurückkommen auf den Sta- tusquo nicht zu Grunde liegt.

Deutschland.

^Wiesbaden, 5. August. Die Aufhebung der gegen unser Blatt von Seite der Polizeibehörde getroffenen Maßregel ist bis jetzt nicht erfolgt.

# Vom Westerwald, 30. Juli. Nachdem, wie bereits in Ihrem Blatte gemeldet, die s. Z. gegen den Herrn Pfarrer Kuch in Seck eingeleitete Untersuchung wegen Forstdiebstahls als ungegründet aufgehoben wurde ist nun auch die weitere gegen denselben eingeleitete Untersuchung wegen Ungehorsams gegen obrigkeitliche Anordnungen wegen Mangels an Beweis für den Thatbestand eingestellt.

Frankfurt, 31. Juli. Die zuerst in der "Leipziger Zeitung" erschienene Relation über die Bundestagssitzung vom 24. Juli, ist in Bezug auf die Behauptung, daß der kgl. niederländische Gesandte in seiner BeitrittScr- kärung zur österreichisch-preußischen Allianz uub bezieh­ungsweise zu dem Bundesbeschluß vom 24. b. M. eine Unterscheidung zwischen Luxemburg und Limburg ge­macht und erklärt habe wie das letztere Herzogthum wegen seiner administrativen Verbindung mit dem Kö­nigreich der Niederlande, der von demselben gewählten Politik voller Neutralität sich anzuschließen habe unrich­tig und die unbedingte Accessionserklärung des nieder­ländischen Gesandten für Luxemburg und Limburg eine Wahrheit. In dem Separatismus haben also die bei­den Mecklenburge keine Genossen.

Frankfurt, 3. August. Nach dem »Franks. I.» ist Dänemark in der gestrigen Sitzung des Bundestags nachträglich ohne Vorbehalt dem preußisch-österreichischen Schutzbündnis beigetreten.

München, 2. August. (N, C.) Heute am späten Abend sind II. MM. der König und die Königin von Sachsen hicH resp, im kgl. Schlosse zu Nymphenburg eingetroffen und von unsern kgl. Majestäten empfangen worden. Ihre Majestäten werden einige Tage verwei­len und sich dann zum Besuche bei der Frau Herzogin Max nach Possenhofen begeben, von wo ber König eine Reise zum Botanisiren antritt. Morgen werden die königlich sächsischen Majestäten in der Industrieausstel­lung erwartet, und Nachmittags ist denselben zu Ehren festliche Tafel im kgl. Schlosse Nymphenburg. Heute begaben sich unsere königliche Majestäten und ebenso der Prinz-Regent von Baden wiederholt in die Ausstellung, die von 3686 Personen besucht war.

Kassel, 3. August. Die hiesige Zeitung verkündigt in ihrem amtlichen Theil kraft landesherrlicher Verord­nung vom 25. Juli d. J. denBundeöbeschlnß vom

den Restaurations- umd Credenzftschen, die dienstbaren Geister fangen an, Tische und Stühle hinwegzuränmen, die Pomeranzen- Hügel al'zutragen, während die numerirten Anfsicbtsoraane der Ausstellung Tiicher und Leinwänden über die werthvolleren, be­sonders zu schützenden Partien zu breiten sich anschicken. _

Immer noch will der Raum sich nicht leeren dieser hat noch das zu bemerken, jenem ist früher etwas entgangen, das er nun nachholt, dort wieder ruhen Gesellschaften vom laugen Wan­dern durch die Säle auf der Bank am kühlen Springbrunnen aus, es könnte noch eine Stunde vergehen, ehe der letzte sich ent­schlösse fortzugehen. Da wird ein heroischer Entschluß gefaßt, um den Saal rein zu machen. Ein Anssichtsorgan geht vom unter­sten Puncte des Mittelschiffes ans mit einer ganz artigen Glocke bewaffnet und läutet die Leute förmlich aus. Einer so eindring­lichen Bitte, sich gefälligst zu entfernen, vermag nun auch der entschiedenste Glaspallast-Enthusiast nicht zu widerstehen, und ehe eine Viertelstunde vergeht, ist die ganze Gesellschast in den bo­tanischen Garten hinanSgeläntet.

Stäbe von der Wanderung nnb dem vierstündigen Umzug durch den GlaSpallast müssen wir an eine Erbolung denken.

Riesige Annoncen kündigen ein Prachtfeuerwexk in der neuen Schießstätte au werfen sie sich mit mir in den ersten Ein­spänner , den wir habhaft werden, und steuern Sie hinaus mit mir durch den fürchterlichen Staub, um den Müinhcner an der Quelle des Vergnügens zn belauschen, nehmen Sie aber unter Einem die Versicherung, daß wir auf diesem kaum halbstündigen Ausfluge mehr Stand schlucken müssen, als ihr Berichterstatter während des ganzen vierzehntägigen Olmützer Lager elnzuathmen betaut. Indessen man muß die Sachen nehmen wie sie liegen, Ganz München scheint auf den Beinen zu fein oder sich in die Droschke oder den Fiaker geworfen zu haben, um der neuen Schießstätte zuzueilen. Es ist ein Pilgern, jenem der Wiener nach dem Prater vergleichbar, wenn ein schöner Sonntag seinen Glanz über das Grün breitet. Die Schießstätte liegt aber auch namentlich dem Fremden sehr günstig, da sie sich in der unmittel­baren Nähe der Ruhmeshalle und der Bavaria befindet.

Ehe die Fremden den Garten betreten, durch,chreiten sie daher die Halle der bayerischen Größen, besehen sich Tilly den Heerfüh-