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Die »Nassauische Allgemeine Zeitung» V z^V ,

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Wiesbaden. IS541

Nr. 179

Mittwoch, 2. August

333

VI

Das neue österreichische Staatsanlehen.

(Schluß.)

Von Bedeutung und charakteristisch ist der kaiserliche Erlaß, der die Auflegung des Anlehens ankündigt, auch dadurch, daß der Geldsuchcude nicht allein seine Verle­genheiten dein Darlehenden unumwunden darlegt, son­dern ihm auch geradezu eingesteht, daß am Vorabende einer bedrohlichen die äußersten Kraftanstreiigungen des Staates herausfordernden Krisis sein Capital dem öf­fentlichen Schatze anvertraut werden soll. Es wird in der Situation nichts geschineichelt, nicht mit Phrasen von Sicherheit und Vertrauen gespielt: es wird einfach gesagt, daß Noth an Mann geht, daß »die dringendsten Rücksichten der allgemeinen Wohlfahrt eine durchgrei­fende und umfassende Maßregel» gebieten, daß es dazu «des werkthätigen Zusainmenwirkens» Aller bedarf, daß der Kaiser sich an "die bewährte Vaterlandsliebe» sei­nes Volkes wendet, um den vorgesetzten hohen Zweck erreichen zu helfen.

Vor dem Jahre 1848, bemerkt die "Weser Ztg.», würde dieser kaiserliche Aufruf fchlverlich seinen Weg in die "Wiener Zeitung» gefunden haben. Die Wiener Censur hätte ihn, nach den damals geltenden Grund­sätzen, streichen müssen. Die schwachen Seiten des kaiserlichen Aerariums so rückhaltlos darzulegen, die Unterthanen so allgemein in das Geheimniß der Finanz- gebahrung zn ziehen, das Heil des Staates von dem Patriotismus und guten Willen so direct abhängig zu machen, würde umnaßgeblich als eine höchst bedenkliche Abweichnng von den altbewährten Principien erschienen sein. Und selbst wenn man sich einen Augenblick von diesen engherzigen Ueberlieferungen hätte losmachcn kön­nen, es würden sich doch hundert andere Rücksichten der Ausführung in den Weg gestellt, die Furcht vor einem halben oder ganzen Akißlingen, die Gewohnheit nur mit Bankhäusern zu verhandeln, die Angst vor einer höheren Erregung der Gemüther, vor dem Zeugnisse eines großen volksthümlichen Aufschivunges würde läh­mend dazrvischen getreten sein. Diese politische Bedeu­tung des Actes ist vielleicht kaum mmder groß, als ihre finanzielle Tragweite.

Welchen Erfolg diese offene und ritterliche Appel­lation an die Einsicht und den Patriotismus der Völker hatte, in welch großartiger Weise dem Vertrauen des Herrschers das Vertrauen der Unterthanen entgcgenkam, davon geben die uns zuströmenden Nachrichten über die außerordentliche Betheiligung an dem gemeinsamen natio­nalen Werke glänzende Beweise und wir zweifeln keinen Augenblick, daß Oesterreich allein ^mrch sein Ermannen das großartige Unternehmen zu Stande bringen wird.

Das österreichische Anlehen ^iunt jedoch, abge­sehen von den materiellen Vortheilen , welche es bietet, für uns Deutsche eine andere Bedeutung, als die einer blosen Creditoperation. _ .ft unser Vorkämpfer, be­reits als solcher, mqd blos durch die nahezu einstlm- mige öffentliche Meinung, sondern auch durch den feier­lichen Beitritt unserer Regierungen, der Vorkämpfer unserer Selbständigkeit nnd Zukunft im Osten; der Vertheidiger unserer höchsten politischen Interessen ist

Dic Schwägerin.

Ein Bild aus dem schwäbischen Volksleben.

(Fortsetzung.)

Jacob dagegen achtete Margarethen um so höher, da rr aner­kannte wie die Einwirkung in seinem Hause so wohlthätig sich erwies. Er war nicht wie sein Bruder von NahrungSforgen be­lastet- sein Gut war unverschuldet, darum hatte thu der durch den Hagelschlag erlittene Verlust weniger zurückgebracht; um so mehr blieb ihm Zeit zu andern Betrachtungen übrig. Da er der Wirthshausgesellschastcn überdrüssig war, so brachte er seine Abende in' seines Bruders Hause zu, wo er auch seinen Vater antraf, dem seit dem Walten der freundlichen Schwiegertochter aus's Neue behaglich in seinem eigenen Hause geworden war. Margarethe war ebenfalls stets zu Haus, denn Jett 'hr Mann sich über seinem Handel mit einigen Gemeinderäthen verfeindet hatte, die alle wieder ihren Anhang hatten, hatte sie wemg Lust Hueber aus dem Hause zu gehen, und besuchte keine ^niustube. Ohne sich nun vorlaut in das Gespräch zu mischen, pflegte sie ^dasselbe zu beleben und in wenigen Worten oft einen treffenden Sinn zu legen. Jacobs Theilnahme für sie nahm zu, je mehr er sie von ihrem Maune vernachlässigt sah. Margarethe aber, der eil Faunes Gemüth abgestoßen wurde von ihrem Anime, fuh te sich hier be­wundert und beliebt. Ahnungslos, wie mit geschloffenen Augen, gingen beide so an einem Abgrunde hin, der den Frieden >h e Seelen, das Glück und die Ruhe zweier Familien für immer zu verschlingen drohte. ,, .

Ein unvorhergesehener Vorfall öffnete ihnen die Augen ul er sich selbst. Noch war der Winter nicht zu Ende, als endlich HausjörqS Gesuch von der obern Forstbehörde bewilligt wurde. Nach langer Zeit kam er denn einmal wieder mit sreunduchcm Gesicht nach Haus; aber es war nicht die ehemalige wohlmeinende Heiterkeit. Es war am Ende der Woche, als er die Nachricht er­halten batte, und Montags wollte er gleich mit dem Fällen des Holzes beginnen. Deßhalb forderte er am Sonntag Weib und Bruder auf, ihn nach dem Walde zu begleiten, wo er die schlag­fertigen Bäulne aussuchcn wollte.

es, der im Nationalanlehen seinen Haushalt ordnet und in ihm die Mittel sucht, um seine Mission mit Kraft und Nachdruck zu übernehmen. Welcher Deutsche sollte sich dem Gewicht dieser Erwägung entziehen?

Man hat, sagt das "Deutsche Volksbl.» die Selbst- ermanuung Oesterreichs dein Befreiungskämpfe von 1813 an die Seite gestellt; ganz mit Recht, aber der Befrei, ungskampf von 1813 blieb nicht auf Preußen beschränkt, er dehnte sich aus auf das gesummte Deutschland und entzündete, was seitdem im deutschen Volke als Sehn­sucht nach dem Wiedererstehen des Reiches gelebt hat. Jetzt hat nur der Schauplatz gewechselt, die Sache ist dieselbe. Die Unabhängigkeit deutschen Wesens soll im Osten erkämpft, die Lcbensquelle deutscher Macht und deutschen Wohlstandes soll an den Mündungen der Do­nau geöffnet werden. Voraussichtlich werden deutsche Heere sich abermals mit dem kaiserlichen mischen, es werden Worte nichts mehr richten und allein Thaten ein gütiges Zeugniß geben von der innersten Gesinnung der Fürsten wie der Völker. Vollwichtige Opfer kön­nen nöthig werden, um so fruchtbringender, je williger sie gebracht wurden, aber auch um so schwerer, je länger der träge Sinn zögerte, sich mit ihnen vertraut zu machen.

Noch handelt es sich nicht um Opfer, sondern um eine gute Rechnung. Wenn Oesterreichs Politik gestützt erscheint durch Deutschlands Vertrauen, so wird es noch selbstständiger auftreten, noch größere Forderungen stel­len können, es wird mehr imponiren, mit leichterer Mühe und geringeren Kosten seiner deutschen Mission genügen, als wenn es blos die österreichischen Volks- stäinme auf seiner Seite hat, ja der deutsche Charakter seiner Action wird eben von dem Maße bedingt sein, als Deutschland thatkräftig, nicht blos durch schöne Worte sich bethciligt. Wir wüßten aber nicht, wie dieses besser und unwiderleglicher vor aller Welt gezeigt wer­den könnte, als durch eine frische Betheiligung am österreichischen Nationalanlehen, und es wundert uns billig, daß nicht schon gewichtigere Stimmen in der deutschen Presse mit einem Ausruf dazu vorangegangen sind, obwohl wir nicht verkennen, daß namentlich von der "Allgemeinen Ztg.» schon vieles in der Richtung geschehen ist.

Es ist ja eigentlich doch nur eine strenge Pflicht erfüllt, wenn die nationalgesinnte Presse dieses Unter­nehmen als ein deutschnationales unterstützt. Wir neh­men uns jeden Tag heraus, Oesterreich unsere Rath­schläge zu ertheilen, ihm Vorschläge, auch Verweise, zu- koinmen zu lassen, wenn es seine Dispositionen nicht nach unserm Willen trifft. Wir gewöhnen auch unser Publicum an diese superiore Stellung; wohlan, so er­ringen wir uns auch das Recht dazu: belehren wir über die Tragweite dieses Nationalanlehens, sprechen wir es offen und ungescheut aus, daß es eine Ehrensache der Deutschen ist, in ihm ihr Vertrauen auf Zinsen anzulegen, zerstreuen wir die Nebel der Übeln Meinung gegen Oesterreichs Lage und guten Willen mit vereinten Kräften, lehren wir die Nation sich selber achten, damit sie auch nach Außen Achtung einflöße.

Schweigend gingen sie dem Walde zu; Hansjörg mit seinem Triumph, die andern jedes mit seinen eigenen Gedanken be­schäftigt. Eine heilige Stille empfing sie im Walde, Leben und Frieden athmend, während ringsum die Fluren nur die winter­liche Ruhe' des Todes zeigten. Margarethe däuchte es fast wie Kirchenraub, daß Hand an den Wald gelegt werden sollte. Ohne ihre Stimmung zu theilen, war Hansjörg geschäftig, die schönsten Stämme anzuzeichnen.Nur die da laß stehen!" sprach Marga­rethe, auf die hohe Tanne zeigend;ich habe, so lange ich hier bin, meine Freude an ihr gehabt; und wenn ich noch so weit weg im Felde arbeitete, konnte ich doch die Tanne unterscheiden und dachte unseres Hochzeitsabends. Ohne sie müßte der Wald hier ansscheu wie eine Kirche ohne Thurm."

Die eben muß ich zuerst haben," versetzte Hansjörg mür- risch.Ein recht schöner Stamm muß es sein, dem Forstwart, dem Schultheiß und ihrem ganzen Anhang zum Trotz." Mar- garcthe antwortete nicht, aber ihre Blicke hingen mit sprechender Wehuluth an dem herrlichen Baume, dessen immergrüne Krone der klaren Himmclwölbung entgegen ragte, indeß die mächtigen Wurzeln den dunkeln Grund weit umher umspannten.

Jacob schaute sie an; ihn verletzte die rauhe Abfertigung ihres Wunsches von Seiten ihres Mannes, und schärfer als er vielleicht wußte, entgegnete er:Es wäre dein Schade nicht gewesen, denn der Stamni wächst eben in der Breite und hatte in zehn Jah­ren dein Warten gelohnt. Kein Hausstand kaun gedeihen, wo das Weib nicht auch ihren Willen hat, und dir würde es mehr Ehre bringen, ihr zu Wunsch, als andern zum Aerger zu leben."

Hansjörg hatte indeß ein Zeichen in den Baum gemacht; nun wandte er sich um und sagte in bitterem Tone:Wem sein Weib ein schuldenfreies Gut zugcbracht hat, der hat gut nach ihrem Willen thun, unser einer aber muß sehen, wie er sich wohl oder Übel durch die Welt schlägt." Nach diesen Worten gmg er weiter, nach einer andern Seite des WaldcS. Margaretda konnte die Thränen nicht länger zurückhalten, denn die orte ihres Mannes hatten ihr tief in s Herz geschnitten. Jacobs Blicke hafteten mit tiefem Ausdruck aus ihrem Gesicht. Die Rundung desselben, der jugendlich heitere Glanz, der es ehemals so anziehend gemacht, waren verschwunden; aber nur um sorüh-

Wir werden damit den Erfolg der Anleihe nicht ermöglichen, denn ihr Gelingen ist in Oesterreich ge­sichert, aber wir werden beweisen, daß unsere Begeiste- riliig für eine _ selbstständige mitteleuropäische Politik keine hohle, auf Phrasen aufgebaute, sondern daß sie ins Mark der Ueberzeugung übergegangen ist.

Deutschtand.

* Wiesbaden, 2. August. Die Aufhebung der gegen unser Blatt, von Seite der Polizeibehörde getroffenen Maßregel ist bis jetzt nicht erfolgt.

0 Wiesbaden, 1. August. Das Herzoglich Nass. Allg. Itttelligenzblatt liefert in seiner neuesten Nummer einen Beitrag "zur Geschichte der Nassauischen landstättdischen Diät von 1853 un $1854.« Das Regierungsorgan nimmt ans dem »auf den ersten Blick vollkommen gerechtfertigt scheinenden» Tadel über die "endlos scheinende Dauer des Landtages" Verein- sassung die Gründe derselben und der »insgemein den Ständen zur Last gelegten» Verzögerung in der legis­latorischen Thätigkeit zu untersuchen. Es findet diesel­ben in der Behandlungsweise der Gcsetzentwiirfe und es sei weder den Ständen noch der Regierung eine Schuld zur Last zu legen. Zu dieser Ueberzeugung ist das Regierungsorgan bezüglich der Stände erst durch sorgfältige Prüfung der landständischen Verhandlungen gelangt; die von ihm selbst als gegründet bezeichnete Annahme, daß die Stände der Ausübung eines so wich­tigen Rechtes wie die »Mitwirkung bei der Gesetz­gebung» sich stets mit allem Fleiß und der größten Sorgfalt unterziehen werden, schien ihm nicht-hinrei­chend. Jin weiteren Verlauf des Artikels werden je­doch Gründe angegeben, welche darthun , daß bei der seitherigen Behandlung der Geschäfte, bei den Grund­sätzen, durch welche einzelne Mitglieder sich leiten las­sen, bei den Zufälligkeiten, welchen das Zustandekom­men der Majoritäten ausgesetzt sei, »unmöglich gute Gesetze entstehen können», daß daher, wenn selbst be­schlossene Gesetze noch nicht in daS Leben getreten sind, die Ursache dieser Verzögerung in diesem Umstande zu suchen sei.

Die Art der Ausführung dieser Bedenken ist zu ungewöhnlich, als daß wir den Wortlaut derselben nicht ausführen sollten. Das Regierungsorgan sagt:

»Einen weit größeren Nachtheil, als Zeitverlust, fin­den wir aber in dem bis jetzt eingehaltcnen zeitrauben­den Verfahren bei Berathung der Gesetzvorlagen bezüg­lich der Gesetze selbst.

Mit Leichtigkeit können Aenderungen beschlossen wer­den, ohne daß eine Garantie dafür geboten wäre, daß nur ein guter, zweckmäßiger Beschluß gefaßt werde. Gegen die Annahme eines Gesetzes kann sich eine Ma­jorität bilden, weil diese mit den Grundsätzen nicht übcreinstimmt, welche das Gesetz beherrschen, und diese Majorität kann dann durch den Beschluß, daS Gesetz der Regierung zur näheren Erwägung* zurückzugeben, alle darauf verwendete Zeit und Mühe verloren machen.

Wenn nun auch nicht alle Gesetzentwürfe ein solches Schicksal hatten, so findet man doch bei der Berathung der anderen häufig Streit über Principienfragen, darauf

renben sprachen die stillen Spuren des GramS aus den abgebleich- tcn Zügen zum Herzen.Hätt' ich nur dich, Margarethe, ich wollte nicht nach Gut und Vermögen fragen!" rief er in unwill­kürlicher Bewegung aus.

Margarethe erfdiract; es war ihr, als ob mit diesen Worten ihres Schwagers eine Lui auf ihr Herz gefallen wäre, von deren Schuld auch sie sich mehr frei fühlte.Geh' hinweg, Jacob!" sprach sie mit beklommenem Herzen.Ach Gott! dies hättest du nicht denken, noch sagen sollen; in meinem Leben bekomme ich keine Ruhe mehr!" Jacob aber waren die raschen Worte ent­schlüpft, ehe ihrer ganzen Schwere sich bewußt geworden. Ber- geblich suchte er nach einem Wort, um jene gut zu machen; kein Laut wollte mehr über feinen Mund. Voll innerer Qual folgte er seinem Bruder nach, ohne sich Rechenschaft geben zu können, was aus ihm werden sollte, nachdem er sein Innerstes sich und seiner Schwägerin enthüllt hatte. W

Margarethe aber hatte sich an den Stamm gelehnt und blieb zurück. Sie fühlte sich unbeschreiblich elend. Die ganze Zeit ihres kurzen Ehestandes ging an ihrer Seele vorüber mit all Glück und ihrem Gram. Lebendig stand der Abend ihrer Hoch­zeit, an dem sie zum erstenmal diesen Wald betreten hatte, vor ihr, und alles, was der Seelsorger camals von der Pflicht einer alles überdauernden Liebe und einer verzeihenden Geduld unter Ehegatten gesagt hatte, tauchte srisch in ihr auf. ,

Und dann fielen ihr alle die guten Eigenschaften Hansjörg« ein, und die herzliche Einigkeit, in der sie die erste Zeit ihres Ebestandes mit einander zugebrackt hatten ; sie fühlte mit Gewiß­heit, daß er doch auch in seinen Fehlern ihr lieber wäre als sein Bruder und jeder andere, und daß keiner sonst so für sie sich ge­schickt hätte. Seine harte Strenge, die ihr in der letzteu Zeit so schwer gefallen war, däuchte sie immer noch annehmlicher und einem Manne schicklicher, als Jacobs ungleiches Wesen, ber nie *tt wissen schien, wie er mit sich selbst daran war und waS er wünschte. Sie gelobte sich, Alles geduldig zu tragen, was tu ihrem Ehestand noch über sie kommen konnte, und befahl mit ' nstiaem Herzen Gott ihre und ihres Mannes Sachen; so ging

endlich den Männern nach, die an den AuSgang beb Waldes

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auf sic wartend standen. Jaèob ging, als sie das Dorf er-