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ubr bald teil Iktngang von den Drehungen her Presse 'jit Drehungen der NegicruuKen Hervorrufen könnte. Darauf wird Preußen gefaßt sein. Ist es übrigens zu verwundern, daß Meinungen wanken und Entschlüsse wanken, da wo noch auf einem und demselben Terrain die feindlichen diplomatischen Kräfte mit einander um aufhörlich ringen ! Bei alledem ist nicht zu glauben, daß Oesterreich von der activen Betheilnug an den Kriegswirren in den Donauläudern noch znrückgchalten werden könne. Mag die österreichische "Unterstützung der russischen Antwortnote lauten wie sie will, es sind Worte, denen vielleicht jetzt schon die bestimmte Ableh­nung der Westmächte gefolgt wäre, wenn der Kaiser der Franzosen sich nicht in einem fernen Pyrenäen-Bade befände; es sind nur die letzten Zuckungen jener freund­schaftlichen und innigen Berbindung, welche die Herr­scher von Rußland und Oesterreich aber beileibe nicht ihre beiderseitigen Völker pflegten, und die sich nicht so leicht zerreißen läßt. Uebrigens wird Oester­reich, wenn, es intervenirt, damit nicht zugleich den Krieg an Rußland erklären; cs sieht die Besetzung der Fürstenthüuier als eine Vollzüge maßregel aus dem mit rer Türkei geschlossenen Vertrag an. So bombardirteu einst die Franzosen Antwerpen, ohne mit dem König der Niederlande in Krieg zu sein, und nahmen in einem nächtlichen Anfall Ancona, ohne dem Papst den Fehde­handschuh hinznwerfen. Das heutige Völkerrecht ist sehr lax in seinen Begriffen.«

Ein Wiener Correspoudeut der "A. A. Z.« schreibt Allen Andeutungen zufolge scheint man sich keinerlei Täuschungen hinzugeben über den Erfolg, den die vf- ficielle Commnnication der von Rußland hierher gelang­ten Antwort bei den Kabinetten von Paris und London haben wird. Wie mir von gut unterrichteter Seite mitgetheilt wird, stunde von Seite der Wcstmächtc eine Rückantwort zu gewärtigen, daß man die Vorschläge zu Unterhandlungen zwar nicht rundweg znrnckwcisen, je­doch die kriegerischen Operationen gegen Rußland nichts­destoweniger fortsetzen würde.

Deutschland.

Wiesbaden, 30. Juli. Die Aufhebung der gegen unser Blatt von Seite der Polizeibehörde getroffenen Maßregel ist bis jetzt nicht erfolgt.

Augsburg, 27. Juli. Die bischöfliche Conferenz ist vorgestern eröffnet, an demselben Tage aber auch noch geschlossen worden, ein Beweis von der obwalten­den Einmüthigkeit. Des gestrigen Tag widmeten die Kirchenfürsten der Besichtigung von Heiligthümern und Kirchenschätzen, sowie mehreren Besuchen. Heute sind der Erzbischof, Graf v. Reisach, der Bischof v. Eich­städt und der Weihbischos von Bamberg nach München gereist, während die Bischöfe von Regensburg und Würzburg über Donauwörth die Reise in ihre Diöce- sen, antraten. Die Abreise der Hochw. Bischöfe von Speyer und Passau erfolgt erst später.

Danzig, 27. Juli. Der Englische Dampfer »9?U colai I." kam so eben im hiesigen Hafen an. Der­selbe verließ die Flotten am 25. d. bei Ledsund. Ad­miral Corry ist heute als Invalide nach England ab- gegaugen. Der Dampfer-Vaterons« , welcher auf den Grund gerathen war,wurde dabei stark beschädigt. Das Mecklenburgische Schraubendampfschiff «Erb- großherzog Friedrich Franz,« Voß, ist von Barösund kommend, hier eingetroffen, um wieder Proviant für die Englische Flotte einzunehmen.

Berlin, 28. Juli. Der Eingang der noch fehlen­den Ratificationen zu den Beschlüssen der vorjährigen General-Zoll-Conferenz steht nach Bericht der j

des Wirkens und der abenteuerlichen Lebensschicksale seines schwä- tischen Landmanns, des in der philologischen Welt und in der Geschichte der neuern lateinischen Poesie geschätzten Frischlin. Es war dies einer der unruhigen, durch den Rcformationsgcist geweckten halb literarischen, halb politischen Köpfe, die ihrem Zeit­alter voran, dabei aber in einem ewigen Kampfe waren, wie sie ihre Ahnung neuer Lebens- und Denkrichtungen mit den Be­dingungen ihrer Zeit sowohl wie mit der Unrube ihres angeborenen Naturells in Einklang bringen sollten. Frischlin war vom Kaiser Maximilian für seine lateinische KomödieRebekka" gekrönt, sogar zum Pfalzgrafen ernannt, gerieth aber sowohl mit der gelehrten -Seit wie durch gewagte Abschweifungen seines Urtheils auf positive Gebiete ans einer Bedrängniß in die andere, indem er auch seine Stellungen unaufhörlich wechselte. Er war Rector im österrei­chischen Laibach, kehrte nach Tübingen, wo sein Hauptgegner Crusius wirkte, zurück, lebte dann am Rhein, in Sachsin, in Braunschweig, in Marburg, bis er um Erbscbastsangclegenheiteu, die er an die Oerfentlichkeit brachte, in Collision mit der württembergischen Re­gierung gerieth und deßhalb Kaiser und Reich in Bewegung setzen wollte. In einer Literaturgeschichte, die ohne Rücksicht aus Later- land und Sprache rein nur nach dem Geiste der Dichter ge­schrieben würde, nähme auch Frischlin besonders im Lustspiel eine bedeutende Stelle ein. Dr. Strauß theilt denUnterhalt. a. h. H." nachstehende Erzählung nicht als Fragment, sondern nur als Probe derjenigen Stimmung mit, die ihn bei Sammlung seines umfangreichen Materials (er verglich allein sechsthalbhun- dert Nummern des württembergischen Staatsarchivs) allmälig für die Form und den Ton seines Werkes überkommen hat.

Es war der 29. November 1590.

Bereits über sieben Monate lag Nicodemus Frischlin auf HohenUrach gefangen. So weit war es mit dem Manne gekom­men, der noch vor wenigen Jahren durch Geist und Gelehrsamkeit eine Zierde der tUbinger Hochschule, durch seine dichterischen und geselligen Gaben ein Liebling seines Fürsten gewesen war und durch zahlreiche Schriften freilich auch Streitigkeiten sich weit über Deutschlands Grenzen hinaus einen Namen gemacht hatte. Der Neid seiner College» drückte, des Adels Haß verfolgte _W: aber was ihn verderbte, war seine eigene Leidenschaft. Lange

"Zeit« in tut nächsten Tagen zu erwarten. Sobald sie eingegarM, würben diejenigen beschlossenen netten Tarif Bestimmungen, welche nicht bereits besonders ra- tifieirt worden, zur Publication gelangen.

Die diplomatische Differenz, welche seither zwischen der k. preußischen und der größherzoglich hessischen Re- gieruug obgewaltet, ist, wie wir vernehmen, ihrer Aus­gleichung nahe.

Der König von Portugal ist mit seinem Bruder dem Herzog von Oporto von hier nach Coburg abge­reist. Appellationsgerichts - Präsident Kisker, als Abgeordneter zur preußischen Kammer oft genannt, ist gestorben.

Dem Vernehmen nach ist das Todesurtheil über den Mörder des jungen Krackrügge nunmehr von dem Könige von Preußen bestätigt worden.

Dresden, 26. Juli. Ihre-Kais. Hoh. die Erzher­zogin Sophie ist heute Nachmittag von Pillnitz nach Wien abgereist.

Schon wieder begehen preußische Blätter die Takt­losigkeit, der Reise Ihrer kaiscrl. Hoheit der Frau Erz­herzogin Sophie politische Beweggründe zu unterstellen. Dem kann auf das bestimmteste widersprochen werden. Ueber die weiteren Bemerkungen, welche die bezeichneten Blätter bei diesem Anlaß machen, kein Wort. Dieses und so vieles andere Gerede ist lediglich der Wuth zu- zuschreiben, Neuigkeiten um jeden Preis zu bringen. Immerhin aber hat man ein Recht zu verlangen, daß solche ^^paltenfüllselmacher« wie Ranpach sie nennt bei ihrer Fabrication wenigstens den Weg des An­standes und der Schicklichkeit beobachten. Uebrigens dürfte mehr eine Herkulesarbeit, als ein Geschäft für zarte Frauen sein, Preußen den Westmächten näher zu bringen.

Wien, 25. Juli. Wie die "Voss. Ztg.« schreibt, hatte der französische Gesandte. Herr von Bvurqueuey vor Kurzem eine Conferenz in dein Ministerium des Aeußern, bei welcher Gelegenheit derselbe eine Note überreichte. In der Note ist nämlich die Mittheilung enthalten, daß die Westmächte den Beschluß gefaßt ha­ben, ihre Truppen in keinem Falle über Bukarest hinausrücken zu lassen, daß dieselben im Gegentheil den gemessensten Befehl erhalten hätten, wieder über die Donau zurückzugehen, wenn sie etwa schon einen Theil der Walachei besetzt haben sollten, sobald die öster­reichische Armee in die Donaufürsteuthümer einrückt. Von Seiten unseres Sabiners ist diese Eröffnung mit um so größerer Befriedigung ausgenommen worden, als dasselbe sicherem Vernehmen zufolge den Beschluß ge­faßt hatte, diese Forderung an die Regierungen Frank­reichs und Englands zu richten, welche letztere nun zu- vorgekommensind. Sie werden sich erinnern, daß ich Ihnen schon vor längerer Zeit mitgetheilt habe, daß Oesterreich beschlossen hat, die Wiedereinsetzung der Hospodaren Stirbey und Ghika von der Pforte zu ver­langen; damals wurde dieser Angabe von verschiedenen Zeitungen eifrigst widersprochen, nun aber vernimmt man, daß die diesfällige Rote bereits wirklich in Con- stantinvpel überreicht worden ist und daß der Sultan geneigt sei, dem Begehren Oesterreich zu willfahren. Die Besorgnisse, welche von verschiedenen Seiten an die Wiedereinsetzung der beiden Fürsten in ihre frühe­ren Würden geknüpft werden, sind jedoch ganz unbe­gründet; denn Oesterreich hat zugleich solche Reformen in den politischen und administrativen Verhältnissen der beiden Donaufürsteuthümer in Vorschlag gebracht, daß dadurch alle Ungerechtigkeiten in der Verwaltung und alle Willkürlichkeiten, an denen die Geschichte der bei­den Fürstenthümer so reich ist, für immer beseitigt wer­den müßten. Es ist übriges nicht zu bezweifeln, daß

hatten ihn der gutmüthige Fürst und seine Räthe, wenn auchim- mer schwächer, geschützt; endlich, da seine Unbändigkeit es ihnen allzu schwer machte, ließen sie ihn fallen. Erst des Landes ver­wiesen, wurde er auf einen Schmähbrief hin, den der Gereizte offen an die herzogliche Kanzlei nach Stuttgart geschickt hatte, durch einen württembergischen Abgesandten in Mainz ergriffen und als Gefangener in die Heimat zurückgcführt. Anfangs lag er auf dem alten Hause Württemberg in gelinder Haft; doch da er diese so­gleich zu mißliebigem brieflichen Verkehr benützte, erfolgten bald schärfere Maßregeln. Am Abend des Palmtags war er auf Württemberg eingebracht worden; am Charfreitag empfand er sich unwohl und legte sich ungegessen zeitig nieder. Schon war eS dunkel und ein starkes Gewitter ant Himmel, als fünf Reiter mit einem sechsten leeren Pferde Einlaß in die Burg begehrten. Dem Gefangenen ahnte nichts Gutes, als er die Bewaffneten seiner Zelle sich nähern hörte. Um des Jüngsten Gerichts willen baf der kranke und erschreckte Alaun, ihn nur die Nacht ruhen zu lassen, morgen wollte er mit ihnen, und wär's in den Tod, ziehen. Man nahm ihn aus dem Bette, zog ihm eine schwarze spanische Kappe über das Gesicht und band ihn ans das Pferd. So ging's mit Fackeln und Laternen, deren Schein, sammt den lanten Klagen des Gefangenen, die Kunde schnell durch das ganze Neckarthal ver­breitete, die Filder hinauf. Bei Grötzingen kam dem nächtlichen Zuge ein Bauer mit einem Karren entgegen; den fragte einer der voranreitenden Knechte , wo er herkomme? Von Urach, er­widerte er, und so wußte Frischlin, was ihm die Kappe hatte verbergen sollen. Als sie am Diorgen auf der Bergveste ange- kommcn waren und der Burgvogt den Verkappteil in sein Be­hältniß absührte, sagte dieser, er sei auf HohenUrach, und bat alle Umstehenden, seiner Haussrau davon Nachricht zu geben. Er ward in ein Gewölk mit wenig Licht und Luft gelegt und zwei eiserne Thüren schlossen sich hinter ihm zu. Auch die Kost, die man ihm reichte, war auf den Zweck berechnet, den stolzen, streit­süchtigen Mann zahnt und mürbe zu machen. Anfangs ohne Bett, längere Zeit ohne frische Wäsche und mit denselben Kleidern am Leibe, ward er bald von Ungeziefer fast verzehrt. Erst um Pfingsten brachte ein Bad und ein neuer Anzug Erleichterung. Nun aber wurde- bei steigender Sommerwärme, in dem dumpfen

dic Vierte sich gern bereit zeigen wirb, in die Durch­führung der von Oesterreich gemachten Propositiouen elnzuwiUlgen.

Der "Lloyd» fährt fort in seinen heftigen Aus­fällen gegen Preußens Unthätigkeit und Friedens­liebe. Noch hat Preußen, sagt der «Lloyd«, in der orientalischen Frage nichts gethan, was Schleiz und Greiz nicht eben so gut hätten thun können. Es hat seine Mißbilligung der russischen Rechtsverletzungen «zu Protocoll« gegeben, es hat diplomatische Couriere in Hülle und Fülle, in Hast und Eile nach St. Peters­burg beeschickt, es hat Friedensvorschläge ohne Zahl an den Kaiser Nicolaus befördert und es hat für seine Mühe alle ÄNißachtung geerntet, die dem allerkleinsten europäischen Staat hätte erwiesen werden können. Der Selbstherrscher aller Reussen hat nicht für gut befun­den, den Vorstellungen des Berliner Cabinets mehr Aufmerksamkeit zu beweisen, als einem Leitartikel der «Kölnischen Zeitung«^ oder einem Witzworte des "Klad­deradatsch.« Und mit vollkommen gutem Rechte. Die Waffen, welche man in Berlin bisher geschwungen, sind so unschuldig gewesen, wie ein Fliegenwedel oder ein, Stubenbesen. Wenn die Russen diese belachten, wenn sie preußische Noten als Fidibus und preußische Friedensvorschläge als Maculatur gebrauchen, so ver­denken wir es ihnen nicht. Der Starke, welcher nicht den Bluth hat, seine Stärke zu nützen, wird wie ein Schwacher tractirt und muß sich die Insulten gefallen lassen, mit welchen ein ungefährlicher und winziger Gegner heimgesucht wirb, Wenn eine Professorenfaenltät in einer ihr vorgelegten Streitsache dahin entscheidet, daß einer der Streitenden Unrecht habe, so hat sie da­mit ihr Amt erfüllt. Wenn aber ein Gericht eine ähnliche Entscheidung fällt, so sorgt es dafür, daß auch die Execution gehandhabt werde. Es sagt nicht zu dem Schuldigen: «Du hast silberne Löffel entwendet, und wir wollen dich sicherlich bestrafen, aber erst dann, wann du auch silberne Teller wirst gestohlen haben.« In diesem Ton geht cs fort. Der Schluß des Ar­tikels lautet: Wir bestreiten nicht das Recht Preußens zu sagen, daß es in der orientalischen Frage überhaupt keine Stimme haben wolle; aber falls es diese auf­gibt, so scheidet es auch dadurch für immer aus der Stellung, welche es bisher in der europäischen Pentarchie einnahm.

Die Wiener «Presse schreibt: Der Einmarsch der Oesterrcicher in die kleine Walachei hatte einen Sinn, sobald es sich für Oesterreich darum handelte, die von den Russen freiwillig zu räumenden Gebietöstrecken zu besetzen und eine directe Betheiligung am Kriege einst­weilen noch zu vermeiden. Seit die Türken über die Donau gegangen und dort mit den Russen handgemein geworden sind, hat sich die Sache vollständig verändert; wenn es den Türken gelingt, die Russen allein aus der Walachei hinauszuschlagen, so liegt für Oesterreich keine Veranlassung vor, dieses Land gewisser Maßen im Ge­folge der siegreichen türkischen Arniee zu besetzen; ist aber eine Betheiligung Oesterreichs am Kriege erfor­derlich, um die Räumung zu erzwingen, so dürfte eine österreichische Operation gegen die Moldau, welche der russischen Armee ihre Rückzugslinie abzuschneiden droht, sich für diesen Zkveck ungleich wirksamer erweisen, als ein Vordringen von der kleinen Walachei aus.

9èach authcntischeu Mittheilungen hat Oberst von Manteuffel in Wien eine formelle Concession, aber in der Sache eine abschlägige Antwort erhalten. Die Concession besteht darin, daß auf seine Vorstellungen das Wiener Cabinet einstweilen die Vorlage der rus­sischen Antwort an die Conferenz unterläßt und sich direct mit den Cabineten selbst in Verbindung gesetzt

Gewölbe die Schwüle und der Durst immer unerträglicher. Der Gefangene verfiel in ein hitziges Fieber; eine Aderläße erhielt ibn beim Leben; aber bis in den Juli hinein seufzte er nach einem leidlicheru Gemach, worin er nur der lieben Luft und etwas mehr Licht, um besser arbeiten zu können, haben möchte. Denn gear­beitet hatte der rastlose Mann auch unter Schmutz und Leibes­schwachheit immerfort und nicht blos der Herzog und dessen Räthe mit immer neuen und zum Theil sehr anssnbrlichen Bittschriften in Prosa und Versen bestürmt, sondern auch mehrere Gesänge an einem lateinischen Epos, ja einige deutschen Komödien, zur Erquickung in seiner mühseligen Gefangenschaft, gedichtet. Endlich wurde er in ein luftiges Stüblein, auf dem Speicher genannt, versetzt, seine Wciilportion gemehrt, und um Jacobi auch sein an­derer sehnlicher Wunsch, Frau und Geschwister sprechen zu dürfe», freilich nur in ein paar flüchtigen Stunden und in Gegenwart des Bnrghanptmanns und seiner Knechte erfüllt. Aber die^wei- tere Gnade, die er nun jeden Tag erwartete, blieb ans. Seine unablässig erneuerten Bittschriften, demüthig und doch voll Selbst­gefühl und schon durch ihre Menge lästig, schienen mehr übel alâ gut zu machen. Die Gunst des wohlmeinenden, aber schwachen und ruheliebenden Herzogs hatte der ewige Unruhstifter, wie er ihm erscheinen musste, längst für immer verscherzt; er mochte sich mit seinen ungereimten Händeln nicht mehr befassen. Die Räthe aber, denen er die Sache überließ, wollten ihren Beleidiger nicht eher in Freiheit setzen, als bis sie den alten Adam in ihm gar abgetödtet wüßten: wie aber konnten sie dessen versichert sein, ehe der ganze Mann todt war? Weitaussehende Arbeiten, die man ihm auftrug, Commentare jur Acncis und zum Tcrenz ließen den Gefangenen hinlänglich errathen, was man mit ihm im Sinne hatte. Aber Frischlin war kein Mann für eine lang- wieiige Gefangenschaft; er war kein Schubart, der sich biegen ließ, eher brechen. Der Sommer, der Herbst, war so bingegau- gen; am Anfang Novembers hatte die 70jährige Mutter dein 49- jährigen Sohne noch einen traurigen Besuch gemacht; aber Frau und Geschwister waren noch nicht wieder, seine Kinder gar nicht, zn ihm gelassen worden. Das Alles schien auf nichts Tröstliches zu deuten.

Es war Sonntag, der 29. November.

Um Mittagessenszeit war wie gewöhnlich der Burgvogt, der