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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Wiesbaden. 18M

Rr. 177.

Montag, 31. Juli.

Zur Situation.

Die Bundesversammlung hat in ihrer außerordent­lichen Sitzung vom 24. d. den vorbehaltlosen Bei­tritt des deutschen Bundes zu dem österreichisch-preußi- schen Schutz- und Trutzbündnißvertrage beschlossen.

Dieser Beschluß wurde mit 16 gegen 1 Stimme die engere Versammlung hat bekanntlich 17 Stim­mengefaßt. Die beiden Mecklenburg, welche die vierzehnte Stimme repräsentiren, stimmten gegen die Annahme. Die Anträge des zur Begutachtung des Bündnisses bekanntlich ans Antrag Baierns niedergcsetz- ten Allsschusses gingen dahin: 1) daß der Deutsche Bund dem erwähnten Bertrage beitrete, und daß 2) die in Folge seines Beitrittes erforderlich werdenden Maaßregeln weiteren Beschlußnahmen der Bundes-Ber- sammlnug vorbehalten bleiben, und daß der besondere Ausschuß vom 24. Mai sich in diesem Betreffe mit der Bundes-Militär-Commission ins Einvernehmen zu setzen habe. Bei der Umfrage, welche über diese Anträge stattfand, sprach, wie gesagt, nur Mecklenburg sich gegen die Acceptirung des Bündnisses durch den Bund aus, und, wie wir hören, sprach es zwar seine Befriedigung über die Uebereinstimmung ans, welche in so glücklicher Weise zwischen den Cabineten Oesterreichs und Preußens bestehe, erklärte indeß, daß der Inhalt der zwischen den beiden Deutschen Großmächten am 20. April zu Stande gekommenen Uebereinkunft nach der Ueberzeugung der Mecklenburgischen Regierungen weit über die Bestim­mungen der Bundes-Acte hinausreiche, und daß aus diesem Grunde die Bundes-Versammlung sich dieser Convention nicht anschließen könne; Mecklenburg stimme deßhalb nicht für den von dem Ausschüsse beantragten Beitritt. Herr v. Scherff, der Gesandte des Königs der Niederlande für Luxemburg-Limburg, erklärte im Auftrage seiner Regierung für das Großherzogthum Luxemburg den Anschluß an den Bündnißvertrag; das Herzogthum Limburg werde dagegen als integrirende Provinz des Königreiches Niederlande, welches zur Ein- Haltung einer strengen Neutralität entschlossen sei, nur die nämliche Stellung nehmen können, welche dieser Staat beobachten werde. Der Gesandte des Königs von Dänemark für Holstein und Lauen bürg eröff­nete, daß er noch ohne Instructionen von Seiten seiner Regierung zur Stimmabgabe sei, daß indessen seine Re­gierung der von Oesterreich und Preußen angenomme­nen Haltung ihre ganze Anerkennung zu Theil werden lasse und daß Holstein und Laucuburg keinem ihrer Bundesgenossen in der Erfüllung der Bnudespflichten nachstehen würden. Bon den Vertretern aller übrigen Bundes-Regierungen wurde der unbedingte Beitritt zu der Uebereinkunft vom 20. April ausgesprochen. Nach­dem die Abstimmung beendet war, nahm der K. K. Oesterreichische Bundes -Präsidialgesandte Herr von Prokesch-Osten das Wort und richtete eine Anrede an die Versammlung. Zuvörderst erklärte er, daß durch die an Stimmeneinhelligkeit grenzende Abstimmnng der Vertreter der Deutschen Bundesregierungen der Bei­tritt der Gesammtheit des Bundes zu dem Schutz- und Trutzbündniß-Vertrage der beiden Deutschen Großmächte

Die Schwägerin.

Ein Bild aus dem schwäbischen Volksleben.

(Fortsetzung.)

Der Hochzeittaq ging ohne Störung in herkömmlicher Weise vorâer; ein Freudemag für alle Anwesenden, das Brautpaar ausgenommen, das jeden Gast begrüßen und für Jedermanns Un er» Haltung besorgt sein mußte, und kaum zum Mahle Zeit bekam, das nach löblicher Sitte auf gemeinschaftlichem Teller cuigeuom- mCn$ru^ Jacob zeigte sich noch einmal unermüdlich auf dem Tanzboden und beim Kruge, als wollte er die Jugendlust zum Abschied noch austoben lassen. Ohne Bedauern sah er das lustige Treiben zu Ende gehen; wie er sich selbst gestand, hatte er es bei dieser letzten Veranlassung noch zum Ueberdrilß jatt bekommen. Auch Christine, seine Braut, war zugegen, denn er hatte fein Verlöbnis; offenkundig gemacht. Wenn sie jonst die Rechen der Mädchen in leicht erklärlichem Mißmuthe gemieden batte, milchte sie sich heute stolz unter sie; ihre Augen hingen mit unverholenem Vergnügen am schönen, gewandten Burschen, der st-r in st er unermüdlichen Luftigkeit nur um so besser gefiel. Umjotraut* ger aber mußte eine Vergleichung für sie selbst aussallei. is war klein und von magerem, unlieblichem Wüchse, das lleichc, kränkelnde Gesicht hatte keine abstoßenden ^iige, aber die ch b- losen Lippen, die matten Augen entbehrten jo sehr ihres -HrzeH daß eine markirtere Häßlichkeit hätte vorgezogen werden mögen. Wie ein welkes Blatt nahm sie unter dem blühenden Alande ihrer Gespielen sich aus, und doch hüpfte sie vor Lust, wie das Blatt im Hcrbstwinde, der es nach nur kurzem Spiele mederwnst.

Nach kurzer Frist ward auch dieses zweite Paar vereinigt, und die jungen Leute traten selbständig die Wirthschaft ihrer Güter an. Der Vater zog sich mit seinem Ausgedinge in ein Hmter- stübchen zurück, rauchte in Ruhe seine Pfeife und lag der Bienen­zucht ob, die seine besondere Liebhaberei war. Den jungen Leuten überließ er, sich durch die Welt zu kämpfen, wie ehedem er auch er hatte thun müssen.

Margarethe hatte sich rasch in ihre neuen Verhältnisse geschickt.

nunmehr zum endgültigen Bundesbeschlusse erhoben sei.

Er wünschte sodann der Versammlung Glück zu ihrem Beschlusse, durch welchen anfs Neue erfreuliches Zeug­niß von der Eintracht der Deutschen Staaten in ernster Verwickelung abgelegt werde; Deutschland, einig in sei­nem Willen und seinen Kräften, werde im Stande sein, überall seine Interessen und seine Rechte mit voller Wirksamkeit zu wahren und aufrecht zu erhalten. Der K. K. Bundes-Prasidialgesaudte wiederholte endlich mit besonderer Betonung die gemeinschaftlich von Oesterreich und Preußen abgegebene Erklärung, daß bem Deutschen Bunde die ihm gebührende Einflußnahme bei den aus die weitere Entwickelung und Lösung der wichtigen Fragen bezüglichen Verhandlungen und Schritten gesi­chert sein werde.

Der "Köln. 3- wird geschrieben: Nachdem nun der gesammte "deutsche Bund" seinen Beitritt znr Convention vom 20. April beschlossen hat denn auch Dänemark hat nicht abgelehnt, sondern sein Gesandter erklärte sich nur »vorläufig ohne genügende Instruc­tionen", erwartet man, daß Preußen und Oester­reich seiner Zeit auch die eben obschwebenden Verhand­lungen der Bundesversammlung unterbreiten werden. Das emestheils, da sie am 24. Juli auch die öster­reichischen und preußischen Documente zur "Somma- tion" vom 3. und 12. Juni vorlegten; anderutheils aus dem Schlüsse ihrer neuen gemeinsamen Er­klärung bei Uebergabe des Tractates vom 20. April und des sechsten Protocolles der Wiener Conferenz. Nachdem die Erklärung im Eingänge die nationalen Grundsätze nochmals erörtert, welche Oesterreich und Preußen bei Abschließung der Convention vom 20. April leiteten, heißt dort: Sicherlich werden die Regierungen Deutschlands die Fürsorge zu würdigen wissen, welche die Souverame von Oesterreich und Preußen bewog, eine weitere Ausdehnung der Kriegs- Operationen Rußlands auf dein rechten Donaunfer, so wie die Fortsetzung der Besetzung der Moldau und Walachei auf unbestimmte Zeit als unvereinbarlich mit den ihrer Obhut anvertrauten großen Interessen zu bezeichnen. Aber auch dem Geiste der Mäßigung und Friedensliebe, welchen die beiden Mächte in keinem ihrer Schritte verläugnet haben, werden ihre deutschen Bundesgenossen Anerkennung und Beifall nicht versa­gen. Die Wiederherstellung eines dauerhaften Friedens bleibt das Ziel der Wünsche und Bestrebungen der beiden Cabinete, und sie halten an der Hoffnung fest, daß Sc. Mas. der Kaiser von Rußland der aus tiefem Pflichtgefühl hervorgegangcnen Sprache seiner älteren Verbündeten Gehör geben und dadurch den Wunsch friedlicher Ausgleichung bethätigen werde, damit in Folge dieser veränderten Stellung Rußlands und des nothwen­digen praktischen Einflusses derselben auf diejenigen der übrigen kriegführenden Mächte die Wege der Verständigung wieder geöffnet und das im Interesse Deutschlands Erreichte auch für die Beruhigung Europas nutzbar gemacht werden könne. Die Cabinette von Wien und Berlin unterzie­hen in diesem Augenblicke die Antwort Rußlands der gewissenhaftesten Prüfung, und sie werden es sich zur Pflicht machen, der Bundesversammlung, sofern sie dem

Kein Ungeschick, wie sie unerfahrenen jungen Hausfrauen sonst zu begegnen pflegen, ließ sie sich zu Schulden kommen. Ruhig und geräuschlos thätig schaltete sie im Hause, als ob sie längst daheim wäre, und Hansjörg sah mit großer Zufriedenheit, wie unter ihrer ordnenden Hand die Geschäfte in und außer dem Haus viel gedeih- licher von statten gingen, als in der nachlässigen Wittwerwirth- schaft seines Vaters. Es war dasselbe Haus, wie zuvor, und nur wenig neues Geräthe darin, aber es war wohnlicher geworden; dieselbe einfache, derbe Kost, die man bisher gewöhnt war, kam auf den Tisch; aber sie war schmackhafter zubereitet; Geräthe und Tischzeug waren von einladender Reinlichkeit. Dabei wußte sie mit behutsamer Art Jedermanns Zufriedenheit zu gewinnen und jeden- Zwist zu vermeiden, so daß Jacob selbst noch vor seiner Hochzeit äußerte:Wärest du schon seit Jahr und Tag hier ge­wesen, so möchte manches nicht geschehen sein; aber so wie es im Hanse war, konnte man nicht gern daheim sein."

Hansjörg war glücklich in seinem neuen Hausstände, das konnte man, ob er gleich nicht viele Worte machte, an dem Eifcr abnebmeu, mit dem er mehr als je der Arbeit oblag, und an der gemüthlichen Znfriedenhe.it, die seine Stienen ausdrückten, wenn er am Feierabend nach Hause kam. Aèargarethe hatte alle Ur­sache, ihn bochzuhalten, wie sie that. Umsichtig und unerinüdlich in der Arbeit, war er daneben verträglich gegen die Nachbarn, friedlich im Hause und billig gegen das Gesinde, selbst «oun- tags ging er nicht, wie mancher andere, Abends zum Bier, son­dern wandelte mit seinem Weibe durch das Feld hin und ergötzte sich an der rubigen Betrachtung seiner Güter, auf die ibn sonst nur die Plage seiner Arbeit führte. So war der Sommer nahezu vorübergegangen; das Korn schwankte der Reife nahe, im Abend­winde, als nach Beendigung der anstrengenden Hcuerndte man sich wieder eines ruhigen Sonntags freute. Hansjörg und sein Weib hatten den Wald besucht, dessen fixier Schatten jo einladend er­schien. Sie unterhietten sich in heiterer Zufriedenheit über ver. schiedene Verhältnisse des Dorfes; auch auf den Bruder kameu sie zu sprechen. Er batte das ganze Dorf in Verwunderung gesetzt durch seinen Eifer, mit dem er sich plötzlich in den Umtrieb seines Gutes warf, als ob es keinen Tanzplatz mehr im benachbarten Dorfe oder keine Kegelbalm 'in der Stadt gäbe. Hansjörg sprach

Bündnisse beigetreteu sein wird, diese Antwort mitzn- theilen, und mit ihr im Geiste des Vertrages darüb r in vertrauensvolles Einvernehmen zu treten. Eben so werden sie sich angelegen fein lassen, dem Bunde in allen spätern ihn als Theiluehmer au dem Bündnisse angehenden Verhandlungen die gebührende Einflußnahme zu sichern, und in so weit es auf die von den Rück­sichten der Zweckmäßigkeit zu trennende Frage der Form seiner Vertretung ankommt, werden sie sich den Grund­satz des Art. 49 der Wiener Schlußakte gegenwärtig halten und jedenfalls in der dort bezeichneten Eventu­alität auf die genaue Vollziehung dieser Bestimmung der Bundesgesetze achten. Die Regierungen von Oester­reich und Preußen schöpfen aus ihrem Vertrauen in die Einsicht und den Gcmeinsinn der Regierungen Deutschlands die beruhigende Ueberzeugung, daß über die Zivccke nnd Aufgaben, die dem deutschen Bunde gegenüber den Ereignissen der Gegenwart vorgezeichnet sind, unter den Mitgliedern desselben eine echt Kunde - genossenschaftliche Einmüthigkeit obwalte. Der Beschluß, dem die beiden Höfe nunmehr entgegensehen, wird diesen Zwecken und Aufgaben die vereinigte moralische und materielle Macht des großen deutschen Staatenbundes dienstbar machen lind dieser mächtigen Gesammtheit un­ter allen Verhältnissen den ihr gebührenden Einfluß sichern, so daß Deutschland aus der ernstesten der poli­tischen Verwicklungen, von welchen Europa seit der Gründung des deutschen Bundes ergriffen wurde, unter dein göttlichen Schutze unerschüttert hervergehen wird.

Ueber den augenblicklichen diplomatischen Staub der Dinge schreibt man der "A. Ä. Z." aus Berlin vom 25. Juli von unterrichteter Seite: »Die russische Ant­wortsnote von Oesterreich und Preußen bO Frankreich und England unterstützt! So lautet die neueste Post, und ruft keine geringe Verwunderung hervor. Von Preußen, das hatte man erwartet; aber auch von Oester­reich? Ich habe darüber nur so viel erfahren, daß die neuesten Mittheilungen von Oesterreich und Preußen an die Westmächte nicht identisch sind, wie es ja auch nicht die Erwiederungen Rußlands an Oesterreich und Preußen waren; daß ferner einige Vorsicht bei der Aufnahme jener Nachricht nützlich sein werde, indem ja noch ein Unterschied ist zwischen »unterstützen" und sich für befriedigt erklären! (Nach der neuesten Er­klärung Lord John Russels hat Oesterreich die Ant­wort Rußlands als ausweichend bezeichnet.) Denn auch ein Staat der morgen zu den Waffen greift, kann heute noch den Versuch machen, die letzten Mittel einer gütlichen Beilegung bis zu deren völliger Erschöpfung zu gebrauchen. Endlich habe ich aber auch erfahren, daß in Wien ein hoher Wille im letzten Augenblick bei der Sache selbstthätig war. Ich kann Ihnen nur lc- stätigen, daß von hier die Weisungen an Graf Alveuö- leben in Wien sich rasch und nachdrücklich solgten, um das österreichische Cabinet zu vermögen noch einmal vor dem Waffeugang mit Rußland ein Wort zu seinen Gunsten bei den Cabinetten von Paris und London zn sprechen. Diese Haltung unserer Regierung, und nicht die österreichische Zögerung ist es beim auch welche den ganzen Haß der Wcstinächte gegen Preußen erweckt, und

nur die Befürchtung aus, daß es nicht immer so bei ihm bleiben möchte, da er ein sonderbarer Mensch sei, hestig in allein, aus was er sich werfe, aber von keiner Ausdauer. Margarethe sprach von seiner Ebe; ihr bangte, daß, wenn die Somnicrgefchäfte zu Ende gingen, die ihm jetzt den ganzen Tag auf dem Felde hielten, und er mehr zu Haus sein müßte, er sich in sein Weib weniger schicken möchte, als er bis jetzt gethan.

Wie ganz anders lautete, was sie von sich sprachen! Hans­jörg schloß im traulichen Zwiegespräch sein Herz mehr auf, als er jonst zu thun pflegte; Margarethe glaubte Aussicht auf eine Vergrößerung ihrer Familie zu haben, und Hansjörg hielt sie um so viel werther deshalb. Er war stolz daraus, Vater zu sein, und meinte, all sein Gut werde ihm erst recht eigen dünken wenn er wisse, daß er es einst eigenen Kindern hinterlassen werde. Seine Häuslichkeit, in der ihm jetzt schon so wohl war, müsse, däuchte ihm, noch viel heiterer werden, wenn so ein neues, junger Leben darin zu finden sey.

Am daraufiolgenden Sonntag hatten schwere Wolken schon Mit­tags den Himmel umzogen. Hausjörg, der zu seinem Vater sich unter den Birnbaum im Hofe gesetzt hatte, wo dieser den Flug seiner Bienen beobachtete, harrte in ängstlicher Spannung dem Gewitter entgegen, das sich vorbereitete. Margarethe war kaum aus der dkachmittagskirche zurückgekonunen, als die ersten Donner- schläge erfolgten. Sie konnte eben noch das Buch aus der yanb legen und die Fensterladen an der Wetterseite schließen, als schon ein prasselnder Hagelschlag, den Tag verdunkelnd, mederstel. Mit gerungenen Händen und thränenvollen Augen jtand sie da, un- zusammenhängende Gebete staminelnd. HaMörg aber lehnte sich, der Steine nicht achtend, die ihm Beulen schlugen, weit aus dem Hause, um den Zug des Gewitters mit schweigender, dufterer Spannung zu beobachten. Der Strich ging aber auch gerate über das Kornfeld. (Forts, folgt.)

Nicodemus Frischliu'S Ende.

Der Verfasser desLebens Jesu", Dr. D. F. Strauß, ar beitet schon seit längerer Zeit an einer urkuirdlichcn Darstellung