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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Wiesbaden. ISO

Nr. 175.

Hreitag, 28. Juli.

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Aus den Kammern.

Die D o m ä n e n f r a g e.

t* Wiesbaden,25. Juli. (Verhandlungen der St ein« deversainmluug über die Domänenfrage. Fortsetzung und Schluß zu Nro. 159 l nd 160 d. Bl.)

Wilhelmi: Er erkläre, daß er dem Walder- doff'schen Antrag beistimmen werde mit den Motiven des Antragestellers, der uns den Weg offen halten wolle, ohne in die Sache einzugehen, wie er eben so gründlich und cdelmüthig, als warm auseinander ge­setzt habe.

Müller: Als Ausschußmitglied müsse er bemer­ken, daß in den zwei Berichten nichts enthalten sei, was eine Vereinbarung mit der Regierung stören könne rc.

Möller: Seine Ansicht über die Domänenfrage stehe seit langen Jahren fest. Allein wenn cs zweifel­haft sei, wie die Sache zu machen gewesen, so müsse der Vortrag des Gr. v. Walderdorff einen tiefen Ein­druck gemacht haben. Seitdem seien andere materielle und rechtliche Ansichten aufgekommen; diese immer zu wiederholen, sei unnütz. Bleiben wir jetzt bei der Sache und stimmen wir ab!

Metzler: Die Schroffheit in den Anträgen des Ausschußberichts sei gänzlich zu beseitigen nach dem W ald erd orff'schen Antrag. Wenn die Versammlung daran festhalte, werde sie die Regierung nicht in den Ltand setzen, mit ^viurschenswerther Freundlichkeit und Zuvorkommenheit entgegen zu kommen, wie man es zu einer Vereinbarung wünschen müsse.

Präs. Wirth schließt die Discussion gemäß Be­schluß der Versammlung.

Rau fragt: wo sich in den Ausschußanträgen eine Schroffheit finde? Müller bemerkt: die Discus­sion sei geschlossen. Das Wort haben noch der An­tragsteller (Gr. v. Walderd orff) und der Bericht­erstatter (v. Eck.)

Gr. v. Walderdorff: Er habe sich gleich An­fangs gegen die gleichzeitige Discussion der Ausschuß­anträge mit dem feinigen erklärt. Daher verzichte er jetzt auf das Wort für seinen Antrag.

v. Eck: Der Ausschuß unterscheide zwei Puncte: Recht und Besitz. Was die Domanialverhältnisse be­treffe, so scheine es jetzt außer Zweifel, daß bezüglich des Rechtspuncts und des Besitzpuncts unser Staats­recht verlange, daß in diesen Stücken nicht von einem Theil einseitig verfahren werde, sondern alles, was in

Die Schwägerin.

Ein Bild aus dem schwäbischen Volksleben.

(Fortsetzung.)

Indeß war die Hochzeit bestellt worden, wie es die Sitte der. kannte, in der Heimath des Bräutigams, als dem künftigen ^ooj n- orte des jungen Paares. Der Umzug der Braut mußte den Tag zuvor bewerkstelligt werden, und Morgens in der Frühe stand dcr bochaeladene Wagen mit ihrem Hausrathe reise e^.g vor dem Hause. DieHochzeitmägde" im hohen «taate laßen schon zu oberst auf dem blau angestrichenen Kleiderkasten, dein Haupt- und Prachtmöbel; Nachbarn und Gesrenndete standen unter Fen­stern und Thüren, um die Abfahrt mit anznsehen, und der Bru­der der Braut, als ihr Fuhrmann und Brautführer, gab wieder­holt durch lautes Knallen mit der bunt verzierten peitjche das Zeichen, daS alles zur Abfahrt bereit sei.

Die Braut nur zögerte noch. Dieser Augenblick der sie von allem losriß, was ihr im Leben lieb und gewohnt gewesen war, erschütterte all ihre Ruhe des Gemüths, die sie in der «chule harter Nothwendigkeit sich erworben hatte. Die Gewöhnhelts- bande aller Art sind für das eins* mit seiner BeschaftMW und Umgebung innig verwachsene Gemüth der Bauern viel starker als für den freieren Geist des Gebildeten, der allenthalben Hei- misch werden kann. ~ ,

Margaretha war noch einmal im ganzen Hause umhergegan- gen; sie hatte Abschied genonimen von all den Hausthieren, von der ältesten Kuh bis zum jungen Geflügel herab; zuletzt war sie in das Gärtchen getreten, wo inmitten eines weitlausügen Gras­platzes einige Nelken- und Rosenstöcke neben dem Salat gepflegt wurden. Sie wollte den letzten Strauß sich brechen, aber da sie der schönen Sountagmorgen dachte, au denen sie hier Jim een Strauß zum Kirchgang gebrochen, der Abendstunden zwilchen ucpt und Dunkel, wo die Mädchen nach heißer Tagesarbeit hieher ge­kommen waren, um im heitern Geplauder sich zu erholen, da fiel es ihr schwer aus's Herz, daß sie alles verlassen sollte, um einem ihr fast noch völlig Fremden sich hinzugeben. Im Gesuhl namenloser Verlassenheit lehnte sie den Kopf auf die grüne Hecke

dieser Beziehung geschehe, mit beiderseitigen Ueberein­stimmung geschehen müsse. Es sei nun bezüglich dieses Punctes von jeher Vorschrift gewesen und es sei deß­halb Aufgabe, die vom Staatsrecht geforderte Ueber­einstimmung zu Staude zu bringen. Ju früheren Sitzungen der Ständcvcrsammlung seien Anträge darauf gestellt worden, zu wünschen, daß eine Vorlage darauf hin von der Regierung gemacht werde. Mit dem I. 1853 sei die Periode abgelaufen, wo selbst die Regie­rung anerkenne, daß ein bestimmtes Abkommen getroffen gewesen; daher wäre es zu wünschen gewesen, daß die Regierung in der jetzigen Landtagsperiode eine Vorlage gemacht hätte. Wenn die Regierung dazu nicht im Stande gewesen, dann wäre wenigstens zu wünschen daß sie eine provisorische Vorlage gemacht hätte, daß die Regierung, selbst wenn sie der Ansicht wäre, ein Ueberschuß der Domanialrevenuen sei dem Herzoglichen Hause allein vorzubehalten, erklärt hätte: sie sei noch nicht im Stande zu einer definitiven Vorlage, mache aber den Vorschlag, daß für dieses Jahr der Ueber­schuß von dem Herzoglichen Hause bezogen werde. Hier­gegen würde schwerlich die Ständeversammlung etwas eingewendet haben. Statt dessen habe die Regierung die Erklärung vom 26. April übergeben, wonach jeder Ueberschuß unbedingt für das Herzogliche Haus in Anspruch genommen werde. Nach dieser Lage der Sache sei der Ausschuß zu der Ansicht gekommen, daß der bisherige Besitzstand wesentlich alterirt sei, und habe es für nöthig gefunden, daß die Versammlung sich hier­über bestimmt ausspreche nnd auch die Folgen, die dem Ausspruch zu geben sehen, andeute. Das sei kein schroffes Auftreten, sondern nur eine Folgerung aus dem, was aus dem rechtlichen Standpuncte der Com­mission hervorgehe. Von allen Seiten werde anerkannt: die Angelegenheit bedürfe einer Vereinbaruikg. Wenn aber festgestellt werden solle, ob der Gegenstand einer Vereinbarung bedürfe; dann sei doch vorher festzustellen, ob'die Versainmlung den Standpunct der Regierung anerfemte oder nicht. Im ersten Falle bedürfe es keiner Vereinbarung. Daher müsse gerade der Aus­schußantrag zur Absimmrisng summen, damit gesehen werde, ob eine Vereinbarung nothwendig sei.

Von verschiedenen Seiten habe man bemerkt: durch die Ausschußanträge würde eine Vereinbarung gestört und verhindert. Bei richtiger Auffassung sei das nicht der Fall. Der Ausschuß habe Besitz- und Rechtszu­stand im Auge. Dadurch, daß der Ausschuß seine An­sicht über den Besitzstand von der Versammlung an- uehmen lasse, fei in keiner Weise die Austragung des Rechtes selbst verhindert. Besitz und Recht seien ganz unabhängig, und dadurch, daß beide Theile den Besitz­stand festhaltcn, werde keiner gehindert, den Rechts­stand anszutragen. Es liege nicht in der Ansicht des Ausschusses, daß eine Vereinbarung davon als Be­dingung abhängig gemacht werde, daß seine Ansicht über den Rechtsstand anerkannt würde. Ebenso werde die Regierung deßhalb eine Vereinbarung nicht zurückweisen, weil die Versammlung auf die Ansichten der Commis­sion eingegangen sei. Bezüglich des Rechtsstandes selbst sei der Ausschuß in seinem Bericht auf viele fünfte

und schluchzte bitterlich. So traf sie die Mutter, welche sie suchte. Auch sie hielt die Stürze vor die Augen und sprach:Marga­rethe! als ich vor achtundzwanzig Jahren hieher kam und keine Seele im Orte kannte, war mir auch nicht anders; aber man ge­wöhnt sich an Alles, und wenn ich nun in Jahr und Tag ein- mai in die Heimath zurück komme, bin ich wie eine Fremde drin geworden."

Das Mädchen richtete sich auf und folgte ihr zum Wagen. Zwischen den Hochzeitmägden nahm sie Platz, vor sich nach unab­änderlichem Gebrauch die Kinderwiege und den Rocken. Der lustige Fuhrmann nahm seinen Platz ein, und die Eltern, die erst am andern Tag Nachkommen sollten, winkten ein Gott geleit' euch! Vorwärts rollte der Wagen zum Heimathdsrfe hinaus, wo'aus jedem Hause noch ein herzlichesBhüet' Gott!" nachge- rufen ward und von allen Seiten Schüsse aus Schlüsselbüchseu knallten; denn Margaretha war diese Ehre werth als ein sittsa­mes Mädchen, und um ihrer friedlichen und dienstfertigen Ge­sinnung willen ward ibr auch von Jedermann das beste Glück gegönnt. Margaretha aber unterschied die Grüßenden nichbmehr, und das Getöse der Abfahrt klang in ihren Ohren wie das Rollen der Seile, mit denen man den Sarg eines geliebten Familien­gliedes in das Grab senkt. Als die letzten Häuser an ihrem Blicke vorüberflogen, ertönte das Glockengeläute, das nach dörf­licher Sitte zum Morgengebete rief. Beten konnte sie nicht, aber sie faltete die Hände, nnd der Krampf des gepreßten Herzens löste sich in Thränen.

Nach mehrstündiger Fahrt hatten sie den Ort ihrer neuen Heimath erreicht. Frenide Gesichter, die aus allen Häusern schau­ten, beängstigten das Mädchen gar peinlich. Der Bräutigam war zum Empfang nicht zugegen, sondern mußte aus dein Wirths- Haufe erst geholt werden, wo er noch Anordnungen getroffen hatte. Um' nicht auffallenderweise unter der Thüre stehen zu bleiben , mußten die Ankömmlinge das Haus ohne den Bräuti­gam betreten, was die Braut der üblen Vorbedeutung willen, nur zögernd that. Das Haus selbst, in dem verwahrlosten Zu­stand, in den cs seit dem Tod der Bäuerin verfallen war, konnte keinen heimlichen Eindruck machen, und der Bräutigam, als er endlich berbeikam, zeigte sich verstimmt, weil sein Brudcr, ver­

gekommen, worin er die Ansichten der Regierung richtig finde. Er sei einverstanden damit, daß die Eruirung und Feststellung des Verhältnisses auf historischer Grund­lage geschehen müsse, wolle auch nicht principiell das von der Regierung dargebotene Material zurückweisen; der Ansschuß glaube nur, daß dieses Material bis jetzt nicht entsprechend mitgetheilt und daher eine andere Vorlage nöthig sei, um zu ermitteln, was wirklich Recht sei. Dieses weitere Material sei nicht von der «Ltände- Grsammluug, sondern von der Regierung zu beschaf­fen. So viel hinsichtlich der Grundlage der Verein­barung.

Was den Zweck derselben betreffe, so halte sich der Ausschuß am §. 84 der Codification; eine feste Summe als Civilliste zu setzen. Das sei in andern deutschen Ländern geschehen, und liege im Interesse selbst des Herzoglichen Hauses, indem bekanntlich die Revenuen der Domänen nicht in einem nothwendigen Zusammen­hang mit dessen Bedürfnissen ständen rc. Uebrigcns werde es, wenn die Regierung der Ansicht sei, daß eine solche Vereinbarung Bedenken hätte, immer Sache der Regierung sein, bei ihrer Vorlage diese Bedenken gel­tend zu machen und bei dein Landtage auf ein andere« Ziel anzutragen: z. B. gewisse Domänen und Reve­nuen dem Herzoglichen Hause zu überweisen, oder Gü­ter auszuscheiden und eine Summe für die Snstcntation festzusetzen rc. .

Der Commissionsantrag in seinem ersten Theil gehe darauf aus, eine von allen Seiten gewünschte Verein­barung herbeizuführen, und im zweiten Theil nicht dahin, solcher Vereinbarung ein Hinderniß in den Weg zu legen. Daher seien der Versammlung die Auöschnß- anträge mit der Beruhigung szu empfehlen, daß mit ihrer Annahme etwas Nützliches für das Land geschehe.

Das Resultat der Abstimmung, wonach die Stände­versammlung den W ald erd orsfschen Antrag ablehnte, die Commissionsanträge dagegen mit großer Ma­jorität aunahm, haben wir bereits gemeldet.

Deutschland.

* Wiesbaden, 28. Juli. Auch die gestrige Num­mer unseres Blattes wurde von der Polizeibehörde einer vorläufigen Durchsicht unterzogen. Die gehoffte Aus­hebung her gegen uns erlassenen Verfügung ist demnach noch immer nicht erfolgt, so wie überhaupt noch keine Entscheidung über unsere bei Herzogl. Min.-Abthcilung des Innern vor vierzch n Tagen überreichte Beschwerde ergangen.

Die neueste hiesige Fremdenliste zählt 13,132 Kur­gäste. Angekommen vom 31. Juni bis 25. Juli 938.

~ Montabaur, 24. Juli. Der Geburtstag Sr. Ho­heit des Herzogs wurde heute von dem hiesigen Schul« lehrcrseminar in herkömmlicher Weise feierlich begangen. Nachdem die Feier am Vorabend und am Morgen des hohen Tages durch Böllerschüsse vom Schloßberg herab angekündigt worden war, wurde um 8 Uhr von dem Religionslehrer der Anstalt, Hrn. Link, in der Stadt­kirche ein solennes Hochamt celebrirt, welchem um 10 Uhr in dem festlich geschmückten Seminarsaale die

muthlich eine muthwillige Ueberraschuug vorbereitend, an dein so geschäftvollen Tage gar ;nichts von sich hören und sehen ließ. Darum mangelte es bei dem Abladen des Brautwagens an der üblichen Heiterkeit.

Margarethe ward überhaupt erst beruhigter, als der Abend herbeikam, wo das Brautpaar die Hochzeitkleider anzulegen hatte, um den gebräuchlichen Gang nach dem Pfarrhause zu machen und von Gaben des Hochzeittisches den Tribut zu überbringen; der Bräutigam mit der Weinkanue und dem weißen Brode, wie cs nur zu Hochzeiten gebacken wird, die Braut mit dem Fleische, das sie auf einer zinnernen Platte trägt, verziert mit einem Rosma­rinstengel, wozu bei Vermögenden noch eine Citrone kommt.

Der Weg in's Pfarrhaus denn der Wohnort des PaareS war ein Filial führte durch den stillen Wald, und hier ward eudlich dem, von den Erlebnissen des Tages betäubten nnd zer­streuten Paare Zeit, sich zu sammeln. So befandeu sie sich in der rechten Fassung, die herzliche Ansprache des Seelsorgers zu vernehmen, von der gewöhnlich mehr hasten bleibt, als von der Predigt des geräuschvollen Hochzeitstages. Ernst und naefjenf lich der Bräutigam, mit verweinten Augen und sanfter Miene die Braut, traten sie ans dem stillen Studierzimmer und nahmen die leceren Gefäße von der Pfarrerin wieder in Empfang, um sich auf den Rückweg zu begeben.

Der Tag neigte sich stark, als sie lieber durch den -rannen - Wald gingen. Zwischen den dunkeln Zweigen der Tannen bückte der Abendbimmel in glühendem Golde hervor, und nur das Rau­schen des Baches und das Gesumse der heimfliegenden Bienen belebte noch die feierliche Stille. Auch eine sägeiuühle war noch im Gang, an der sie ihr Weg vorüber führte. Nahe an dieselbe grenzte ein Stückwen Wald, das dem Bräutigam gehörte, -üold- besitz ist aber ein Stolz für die Bauern, als ein Capital, aus dessen Zinsen man Jahrzehnte zu warten ljat, mdeß der Acker alljährlich den nöthigsten Lebensunterhalt gibt. Margarethe hatte sich schon längst an den Gedanken ergötzt, daß ihr Bräutigam Wald besitze, ein Vorzug, der in der offenen Gegend ihrer Hei- matb uocb seltener war. Darum als Hansjörg ihr jetzt be­merkte, wie nahe sic zu demselben hatten, äußerte sie den Wunsch, ihn zu sehen.