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i i' --'Jiaffautf^e Allgemein tUiiuna« mdMnr, Sonntag angenommen, tag, Udj. Preis: vierteljährig für SV i C&- baten mit teil Thueu unt Toxischen Pojtoejirk 2 fl., sonst e fl. 21 tr.

Nassauische Allgemeine Zeitung. WWW

Wiesbaden. 18 M

llr. 174.

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Donnerstag, 27. Juli

Durch bie Wichtigkeit der bevorstehenden Ereignisse veranlaßt, eröffnen wir hiermit für die Monate August und September ein abgesondertes Abonnement auf die Nassauische Allgemeine Zei­tung. Bestcllnttgen werden baldigst erbeten. Bor dem 1. August eintretende Abonnenten erhalten die Nummern des laufenden Monates vom Bcstelltag au gratis. Abounementsbetrag: 1 st. 20 kr.

Aus den Kammern.

Die D o m ä n e n f r a g c.

f* Wiesba^ei,25.Juli. (Verhandlungen derStän- beverfam mlung über die Domäuenfrage. Fortsetzung zu Vro. 159 und 160 d. Bl.)

Rau: Wenn die Regicrungscommission sage, daß er nur eine Wiederholung der früher schon ausgespro­chenen Gründe vorgetragen habe, so wolle er dem nicht widersprechen. Er halte es für zweckentsprechend, diese guten Gründe 31t wiederholen, weil er besorge, daß sie bei den vielen Reden und Erörterungen sonst vergessen werden konnten. Neues habe er heute nicht vernom­men. Neues sei überhaupt sckmer über diesen Gegen­stand zu sagen, und zwar von der Commission um so weniger; als diese nichts Neues schaffen, sondern an dem guten Alten festhalten wolle. Wenn aber die Re- gierüngscommission Exhortationcn znrückwcisen wolle, so wisse er nicht, was man darunter verstehe. Er habe sich über das Zustandekoinmeu der Codification ausge­lassen. Was er darüber gesagt, beruhe auf Wahrheit, und wenn die Wahrheit auch manchmal unangenehm fei, so könne man doch mit Grund in seiner Ausfüh­rung nichts Beleivigeudes finden.

Reg.-Comm. Vollpracht. Sein" Aeußerung habe sich nicht darauf, sondern auf den Vorwurf bezogen, daß die Regiernngscommission das Interesse der Regie- xung nicht richtig vertrete.

Ran: Er glaube auch, daß der Weg, den der Ausschuß einzuschlagen tpbcttfe, dem Interesse oes Her­zoglichen Hauses mehr entspreche, als der von der Re- gierungSconnnission bezeichnete. Uebrigens habe er da­mit keinen Vorwurf machen wollen. Der Antragsteller habe auSeiuaudcrgesetzt, daß die Gegner seines Antrages eigentlich für denselben gesprochen hätten; da sic daS- sc'tbe Ziel erreichen wollten. DaS sei richtig bezüglich des Ziels, da auch die Gegner eine Vereinbarung sehn­lich wünschten, allein der Unterschied sei der, daß diese an dem durch §. 84 der Codification rechtlich geord­neten Zustände festhalten wollten, während der Antrag Sr. Excellenz, deS H. Grafen, dahin gehe, daß die Ständcversanuulung diesen rechtlichen Standpunct vor­erst beruhen lassen solle. ,

Was sodann der Abgeordnete für Wiesbaden in sei­nem letzten Vortrage gesprochen habe, das wolle er mit Ausnahme des unbegründeten Tadels über den Com­missionsbericht und der hieraus gezogenen Folgerung mitunterzeichnen. Die Schlußfolgening fei jedenfalls

Die Schwägerin.

Ein Bild aus dem schwäbischen Volksleben.

Die sollende klein« Skizze unternimmt eS, beut Blick ein Bauernleben vorzuführen, das weder der Heitern Nâfriscke Wer Schwarzwälder Dorfgeschichten, noch der würdevollen Erl-abcnhett jenes westphäliichen PauernlebenS sich rühmen kann, das, uns Jmmermann so unübertrefflich geschildert hat. Sie ist "uem Dorfe entnommen, wo neben dem angcbotenen protestantilchen Ernst auch die äußern Verhältnisse eine strenge Nüchternheit der Bewohner erzeugen. Nicht arm genug 311m Aeubtfum, sind sie vom abstumpfenden Druck der LebenSforgen dennoch belastet ge­nug, um weder Zeit noch Fähigkeit zum hc.tern Lebensgenüsse iU SÄorf selbst liegt in einer wäGewackscncn Hügclgegcnd bie in hochgeschwungcuen Wellenlinien nach allen selten stck senkt und wieder bebt, von den höheren Puncten die gegenüber liegende Albkette in ihrer ganzen Ausdehnung sich erblicken laßt, seitwärts aber einen der schönsten Berge deS Landes zeigt, der in einsamer Majestät abgesondert aus dem Thalgrunde emporfle^t â a« dieser Schönheit empfindet der Bauer nur, daß lei" a's der niedrigerer Gegenden unb um seinen bügelt } - sckasfenhcit wegen beschwerlicher zu bearbeiten einst der Klang der kaiserlichen Harfen bie der Poesie geweckt, frierfit heute das Leben der trockensten Wosa kümmerlich am Boden hin, der niehr nicht als Nahrnng gibt.

Dem oberflächlichen Beobachter zeigen , die Verhaltn ffe deS DorseS die ermüdendste Einförmigkeit, da sammt liche Ewwchm^ Hofbauern sind, deren jeder von den nöthigen Halidwerk-n genug siir den Hausbedarf versteht, um das Amkoinmeneines zwciten Standes entbehrlich zu machen. Mit weniger Veränderung geht jeder Hof von Generation zu Generation nbcr, indem >yn, ie nack dem Alter und den Umständen der Eltern, ein allerer oder jüngerer Sohn zu billigem Anschlag übernimmt und die sich mit bem ihnen anöbezahlten VcrMögcnsantbeil in einer andern Landesqeqeu ankaufen oder wenn cs Hiczn nicht reicht, nach Am- rica übcrsicdrln. Hiedurch ist jedoch der Armutbei oder-dem Pro-

nach den vorausgeschickten Prämissen falsch. Aus der eignen Darstellung des H. Abgeordneten für Wiesba­den folge nicht, daß man für den Antrag des Herrn Grafen von Walderdorfs Excellenz, sondern für den Ausschußantrag stimmen müsse. Auch der Arsschuß gehe von der Ansicht aus, daß die Domänen primo loco zur Sustentation des Herzl. Hauses bestimmt seien, und es nur über ihr Maß der Vereinbarung bedürfe. Der Ausschuß sei nicht der Ansicht, daß nothwendig eine fixe Geldsumme bestimmt oder gar für immer sestge- werden müsse. Es werde dieses näher iit Betracht kommen, wenn die Regierung demnächst die gewünschte Vorlage mache. Nur auf die: Bemerkung über den Reinertrag der Domänen wolle er noch erwiedern, daß der Abgcordiwtc von Wiesbaden wohl die Ausführung in dem Ausschußbericht übersehen haben müsse, worin insbesondere nachgewiesen sei, daß der Ertrag durch die Amortisation der darauf haftenden Schuld jährlich steige. Die geäußerte Besorgniß, daß bei Annahme der Aus- schußanträge die Steuerkaffe benachcheiligt werden könne, sei unbegründet. Gegen die daher genommenen Einwände müsse er jedoch bemerken, daß für eine Do­tation des Herzoglichen Hauses gesorgt werden müsse auch in dem Falle, wenn sämmtliche Domänen ver­loren gingen.

Die Schlußworte desselben Abgeordneten würden übrigens auch von dem Ausschuß acceptirt. Niemanden werde es eimallen, die Rechte dès Landesherrn schmä­lern zu wollen. Alles hänge zunächst nur davon ab,

daß die Regierung eine im §. 84 des Gesetzes vom 28. October 1849 bestimmte Vorlage zur Verein­barung mache. Die am 26. April abgegebene Erklä­rung habe nicht befriedigen können. Werde jene Vor­lage gemacht, dann könne erst auf die Sache selbst näher eingegangen werden. Der Ausschußantrag be­zwecke eine solche Vorlage und deßhalb empfehle er

von bet mcrif Seite

dessen Annahme.

Halbey. Er glaube nicht, daß eine Derständignug zlvischcn Regierung und Landständen über die Doniäneu- frage herbeigeführt werde, wenn die Ausschußanträge angenommen würden, weil tiefet von einer Basis und einem Standpunkt ausgehen, der von 'Tcf andern' Seite nicht als ein rechtlicher in jeder Beziehung anerkannt werde. Dagegen lasse der Waldcrdorff'sche Antrag freien Spielraum, weder ein noch Joer andere Theil werde dadurch beschränkt, sondern! die Domäuenfrage als eine offene behandelt. Es sei nur im Interesse des Landes, wenn sie durch gütliche Verftäudigung erledigt würde. Wenn nicht, so bleibe am Ende nichts anderes übrig, als daß dieselbe durch ein Austrägalgericht ent­schieden werde. Wie? das sei ungewiß. Ob z. B. die Codification zu Grund gelegt und als rechtsgültig an­erkannt werde, frage sich sehr. Und wenn, so seien die

Bestimmungen darin einer sehr verschiedenen Interpre­tation fähig. Daher sei eine Vereinbarung zwischen der Reg. und den Ständen am geeignetesten zur Erledigung.

Schellenberg. Nach der Erklärung der Com­mission scheine die scheinbare Schroffheit im ersten Be-

Udit ihre Spitze verloren zu haben und er glaube, daß 1 möglich. Die Regierung sei der Ansicht, ihre Er- nach diesem Antrag derselbe Weg, wie nach dem Wal- klärung entspeche dem bestehenden Rechte. Wolle sie

letariat mit all seiner moralischen Verderbniß vorgebeugt, da eS sich viel eher in dem, auf Erwerb deS Augenblicks angewiesenen Handwerkerstand erzeugt, als bei einem, wenn auch noch so bela­steten Grundbesiv.

Sticht einmal regeres religiöses Leben hat die einfachen Ver­hältnisse der Gemeinde mit einigen Schattirungen durchzogen. Das Gefühlsleben des heutigen Pietismus hat in den trockenen Gemüthern wenig Empfänglichkeit getroffen; aber eine mit sitten­strenge gepaarte Gottesfurcht und von alter Zeit überkommene Kirchlichkeit mildert den Familienstolz, die einzige hcrvorsteheudc Eigenthümlichkeit des nüchternen Bauern, und verleiht seinem Wesen einige Würde. So waren die Verhältnisse vor weni­gen Jahren; die Stürme der Zeit sollen indeß auch an ihnen ge­rüttelt haben. Und dock, wenn man in Ermangelung des lieb­lichen Weideröschen des Waldes oder des majestätischen Enzian deS Gebirges den Blick auf daS einförmig blühende Heidekraut wendet, mag auch an ihm sich noch ein aufmerksames Auge erfreuen. .

Str Beginn dieser Erzählung trifft das Dorf m einer unge­wöhnlichen allgemeinen Aufregung. Eine Hochzeit wird vorbe­reitet. Da die Familien deS OrtS alle mehr oder weniger unter einander verwandt, verschwägert, durch Patheu- oder Nackdarver- Hältnisse verbunden sind, nimmt immer das ganze -von Antheil an einer solchen Begebenheit. Alle sind zur Hochzeit geladen und begleiten bab Paar erst auf dein Kirchgänge, jo daß die Trauung nicht vor einzelnen Zeugen, sondern Angesichts der ganzen Ge­meinde vollzogen wird; bernach aber finden sie sich, auf eigene Kosten, im Wirthshaus« ein, wo die älteren Leute deS Zusammen- treffens mit auswärtigen Bekannten sich erfreuen, dw Jugend WM Tanze eilt, der bei der Kirchweche h'-r nicht üblich und auf dem Jahrmarkt einer anständigen Bauerntochter nicht gestattet ist. Der Herr Schulmeister, in seiner Elgemdbaft A Meßner, läßt die Kircke der vielen von auswärts erwarteten Gäste wegen lüsten und fegen, und die Fran Schulmeisterin, eine geborne Städterin, bat mit Ratb und That bei den Anzügen der Brauyung ern - Hochzeitmägde - zu Hülse zu kommen, mW macht sich überdies mit dem Verkauf von Rosmarinzweigcn zu tbuu, die tn Menge geraucht werden. Die Kinder sind nicht minder erregt tn Er­

derdorffischen, betreten werden könne, der Weg der Vereinbarung, des Friedens u. s. w., und es sei gewiß in der ganzen Versammlung niemand, der diesen Frie­den mehr wünsche.

König. Der Abgeordnete für Hadamar habe be­hauptet, daß die Ausschußanträge zu keinem Ziel füh­ren würden. Aber die Absicht der Commission sei, daß der Standpunkt anerkannt würde re. Der Walder- dorff'sche Antrag solle ein vermittelnder sein, und eS werde zum Vorwurf gemacht, daß man diesen zurü^- weise. Aber der Vermittler müsse in der Mitte stehen, er müsse jedem Theile gleich znmessen; der Walder- dorff'sche Antrag dagegen lasse der Regierung ihren Standpunkt und sinne der Ständcversaninilung an, den ihrigen zn verlassen. Ein solcher Bermittlungsantrag sei nur dann zulässig, wenn die Regierung zugleich anfgefordert werde, ihre Erklärung zurückzunehmeu und zu erklären, daß aus der Annahme des Antrags kein Präjudiz gegen die Rechte des Landes bergelcitet werden solle.

Graf v. Walderdorfs. Er müsse Verwahrung dagegen einlegen, wenn nicht etwa die vernoumeue Aeußerung auf einem Mißverständniß bcriche. Er habe gleich Anfangs gesagt, beide Theile möchten ihre Rechts- ansichten ruhen lassen, gar keine Rücksicht auf ihren Standpunkt nehmen und offen in Verhandlung treten.

i Man solle es machen, wie etwa bei einem Acker, des- ; sen Besitz zwischen zwei Parteien streitig sei rc.

Höchst. Nach Seite 7 deS AuSscl ußberichts selb I ten vom 1. Januar 1854 an auf die Civilliste 350,000 f(. verwendet werden. Davon sei noch nichts

erwähnt worden. Er stelle die Anfrage an die Re­gierung: ob sic in dem Falle, daß die Domanialrevk- nuen nach Abzug der Verwaltn Umtosten eine höhere Summe abwürfen, geneigt sei, den. Ueberfchuß bis zum Austrag der Sache für das Land verwenden zu wollen?

Reg.-Comm. Voll Pracht. Er könne keine Mit­theilung machen über eine Verwendung, die noch nicht festgestellt sei. Die Regierung werde nie weiter gehen, so daß sie in die Lage komme, aus Steuern Verwen­dungen für das Herzogliche Haus zu .machen.

Reichmann bemerkt,' daß ne vvm Ava. Hockst angeregte Jahrzahl 1854 auf einem Druckfehler beruhe und 1849 heißen müsse.

König. Der Walderdorffische Antrag wolle dennoch ein vermittelnder sein, weil er der Regterüng den gleichen Vorschlag, wie der Ständeversammlung, gemacht. Aber die Regierung habe den Vorschlag nicht acceptirt.

Graf v. Walderdorfs. Die Regierung habe sich für die Annahme erklärt.

Reg.-Comm. Vollpracht. Die Regierung sei dem Antrag nicht entgegen getreten, habe aber erklärt, daß sie zu einer Auseinandersetzung und zu allen Vor­lagen bereit sei.

König. Dadurch sèi die neue Vorlage nicht zn-

rückgenommen worden.

Reg.-Comm. Vollpracht.

DaS sei auch nicht

Wartung der seltenen Gaben, welche bei dieser Gelegenheit ihren Tisch erfreuen. Die meiste Rührigkeit wird jedoch im Wirths­haus« , dem einzigen des Ortes, entwickelt, wo es außer einer solchen Gelegenheit daS Jahr durch ziemlich stille zuzugehen pflegt. Es wird gebacken und geschlachtet, der Fruchtboden zum Tanz- saale geräumt und ein Dutzend junger Burscke und Mäbcheii mittelst weißer Sckllrzcn zu Auswärtern und Aufwärterinnen nm- gewandelt, die jedoch, wenn das Gedränge eben am größten, sich ans dem Tanzboden zu verlieren pflegen und dem Wirthe über­lassen, so gut er kann, allein mit der Bedienung der znm Glück geduldigen Gäste zurecht zu kommen.

Diesmal war cs der älteste Sohn eines der Hosbauern, zu dessen Hochzeit, mit der er den väterlichen Hos übernehmen sollte, socke Zurüstungen gemacht wurden. Seit deni vor längerer Zeit erfolgten Tode seiner Mutter hatte ihm die Ersahrung jede» Jahrs stärker die Nothwendigkeit gezeigt, dem Hauswesen eine neue Wirthin vorzusetzen, und nickt minder schien er zu wüu schen, daß die durch mehrere Generationen angetanste Schulden­last des Gutes durch das Eingebrachte einer neuen Bäuerin etwas erleichtert würde. Nach langen Bemühungen war denn endlich durch einen aüswärtigenn Verwandten eine Partie ermittelt wor­den, die allen Ausordeningen gerecht zu sein schien. Das vorgc- scklagene Mädchen besaß neben einigem Vermögen den Ruf außer­ordentlicher Wirthlichkeit. Als die Tochter einer wohlbabcndcn Familie, deren Vermögen nur durch große Kiuderzabl zenplitlert ward, möchte sie, wie man vermuthete, ein Unterkommen aus einem', wenn auch verschuldeten Hose einem kleineren Anwesen vorziehen; zu höheren Ansprüchen reichte zwar ihr Vermögen auch nicht hin. , . , .

Die Sache war im voraus durch Bekannte eingeleitct wor­den, ehe der Werber selbst auf die Br-utschau kam. Und hier bäuchte ihn, als ob er noch kein Mädchen gefeiten hatte, das tn allem, was sic tbat, in jeder Bewegung der h>chgew-chpencn an- muibiaen Gestalt solches Geschick zeigte, neben so sanftem Ge­müthe und besonnenem Wesen, wie cs ans ihren blauen Augen und ihrem blühenden Gesichte sprach. Auf das Mädchen machte der stattliche Burscke, der so gar nichts von der läppischen Weise der leicktsinnigen Jugend hätte, einen nicht weniger guten Ein-