Einzelbild herunterladen
 

Die »Nassauische Allgemeine Zeitung« erscheinl, Sonntag ausgenommen, täg­lich.' Preis: vierteljährig für Wics- Unren nur den Thurn und TavisPÄ Postbelirt 2 fl., sonst 2 st. 24 fr.

Nassauische Allgemeine Zeitung.

Bestellungen nehmen an in Wiesbaden die Ktzpedition (grolle Schwaidacher- strafte Nr. 7) auswärts alle Postan- ftalten. Inserate : die viersvaltige Pelitzeile oder deren Raum 3 lr.

Wiesbaden. ISM*

CTaiSESseissessssssBsraKisB^^

Nr. 173.

Mittwoch, M. Juli.

Durch Die Wichtigkeit der bevorstehenden Ereignisse veranlaßt, eröffnen wir hiermit für die Monate August und September "ein abgesondertes Abonnement auf die Nassauische Allgemeine Zei­tung. Bestellungen werden baldigst erbeten. Vor dem 1. August cintreteildc Abonnenten erhalten die Nummerll des laufenden Monates vom Bcstclltag an gratis. Aüonnemcutsbctrag: 1 fl. 20 kr.

Aus den Kammern.

Die Dom ä u e n f r a g e.

t* Wiesbaden,25.Juli. (Verhandlungen dcrStän- deversammlung über die Doiuäneufrage. Fortsetzung zu Nro. 159 und 160 d. Bl.)

K n a p P. Wenn je ein Gegenstand geeignet gewe­sen, Veranlassung zur Störung des Friedens zu geben, so sei es die Dornänenfrage. Sie sei ein Zankapfel gewesen in vielen Perioden der Vergangenheit und sei dieses jetzt wieder, wie in den 183Or Jahren, nur mit dem Unterschiede, daß man sich damals gestritten habe über das Rechtsverhältniß der Domänen, daß man Privat- und Staatsvermögen anszuscheiden gesucht. Dieses sei jetzt nicht Gegenstand der Verhandlung. Durch die Proclamation vom Jahr 1848 und die Co- dification von 1849 seien die Domänen in einen an­dern Stand getreten, zu Staatseigenthum erklärt wor­den, was man auch allgemein anerkenne. Von diesem Standpunkt sei jetzt auch nur zu unterhandeln über das Maß der zur Snstentation des Herzogl. Hauses erforderlichen Summe; diese sei durch VereiiMruug festznfetzen. Der Ausschuß habe dazu die Hand gebo­ten. Die Regierung habe den Standpunkt verlassen, worin die Domänen jetzt ständen. Er hoffe aber, die Regierung werde diesen Standpunkt verlassen und die Hand zur Vereinbarung bieten. Eine solche könne nur zu Stand kommen, wenn man von beiden Seiten eben so gerecht als billig denke.

König. Der Herr Regiernngscommissär habe ge­äußert, daß die Ausschußanträge eine principielle Ab- stilmnung bezweckten. Das sei durchaus nicht der Fall. Dèr Ausschuß wolle nur den Besitzstand aufrecht er­halten gemäß dem bestehenden Staatsrecht des Herzog- thums. Dadurch werde eine Vereinbarung nicht aus­geschlossen über den Betrag der Dotation des Herzogl. Dauses.

Graf v. Walderd orff. Die drei Vorredner hät­ten nach seiner innigsten Ueberzeugung für seinen An­trag gesprochen. Diese Behauptung könne im ersten Augenblick auffallend erscheinen; es sei aber in der That so. Um dieses zu erweisen, wolle er nicht auf die Sache d. h. aus das Verhältniß der, Domänen in einer weitläuftigen Abhandlung tiefer eingehcn; das würde seinen Standpunkt wesentlich verrücken und sei auch nicht nothwendig. Der Abgeordnete für Walmerod habe, wenn er ihn nicht mißverstanden, gesagt: der Ausschuß und somit die Versammlung müsse am Recht

Flucht Carls X.

von Saint Clond nach Cherbourg im Jahre 1830.

Aus den noch uuzedruckten papieren eines alten fsanj. «zoibaten.

(Schluß.)

Der König war in einem hübschen Hause von Ziegeln zwi­schen ®of und Garten untergebracht. Da die Reihe an mich kam, den König zu bewachen, begab ich mich ans meinen Posten in einem Vorzimmer, daS drei Thüren hatte, die zu den Gemächern des Königs, des Dauphins und der Herzogin von Berry führten. Die Thüren waren immerfort in Bewegung. Die Herzogin von Berry rannte aus einer in die andere, die Bedienten schleppten Kisten und Koffer und Schachteln, die im Vorzimmer herumlagcu und über die die Herzogin wegsprang, wobei sie balv an einem Vorhang, bald an meinen Schultern sich hielt.Pardon," sagte sie dann lachend nnd verschwand. Auf einmal kommt sie aus den Zimmern des Königs heraus und sagt:^vo kann ich :.cadame de Walther finden?" Sie rief hierauf mit lauter stimme Ma­dame de Walther zu wiederholten Malen, b:S diese, ihre erste Kammerfrau, erschien.Sie wissen nicht?" sagte die Herzogin, indem sie sie bei Seite führte;alles ist anders, dort unten ist alles umgekehrt!" Ich horchte, konnte aber nichts vernehmen. Später erfuhr ich, Herr von Bonills habe die,e Freude verur­sacht, indem er dein König die Nachricht brachte, die Nepublicauer seien Herren von Paris und wollen nichts von ^oms Philipp wissen.

Gegen zwei Ubr kam der Dauphin in'S Vorzimmer. »Eh bien jünger Mann," sagte er zu mir,man unterhält sich hier nicht so gut wie in Paris?"Nein, königliche Hoheit." Der Herzog von Bordeaux als er die Stimme seines Onkels hörte, kam herein:Guten Morgen, Onkel."Guten Mor­gen, mein Kind; waS macht deine Mutter?" Sie zählt ihr Geld, was sie vertheilen will." CS bandelte sich vom Lohn der Bedienten und einigen Lieferanten. Um sich generöser zeigen zu können, als man in ihrer gegenwärtigen Lage erwarten konnte,

scsthalteu. Niemand sei mehr, wie er, von dem Grund­satz durchdrungen, in jeder Handlung des Lebens, pri­vaten wie öffentlichen, von Grundsätzen des Rechts aus- zngchen. Wenn nun der Abgeordnete sage, die Vcr- sanunlung könne nur vom Standpunkt der Commission ausgehen, die Regierung aber sage, sie werde nicht vom Standpunkt des Rechts abgehen; so habe man zwei Parteien, die sich durch ihre Ansicht auf den Rechts­boden stellten, und doch seien sie verschiedener Ansicht. Wo fände sich also mehr Gelegenheit zu einer versöh­nenden Maßregel wie hier? Und gerade was der Ab­geordnete ausgesprochen, bestätige, was Er gesagt: daß man nicht unterhandeln könne, wenn man Mross aus seinen Ansichten bestehen wolle. Er könne nicht voraus­sagen, wir erzielten unbedingt einen guten 'Ausgang. Aber man müsse die Ansichten über den RechtSstaud- punkt rnhen lassen nnd dann sehen, wohin man bei den Verhandlungen komme. Auch der Abgeordnete für Limburg habe für Seinen Antrag gesprochen. Der­selbe habe den durch den Domäncnstrcit veranlaßten traurigen Zustand, die Zerwürfnisse u. s. w. geschildert und deren Beseitigung als wüuschcnSwcrth erklärt. Der­selbe habe aber gleichzeitig einen so bestimmt ausgespro­chenen Grundsatz vorangeschickt, der unter allen Ver­hältnissen zu gelten habe, daß nämlich die Domänen Staatsgut und nur über eine Civilliste Vereinbarungen zu treffen seien, daß er bei dem schroffen Aussprechen gegen die Ansicht des landesherrlichen Commissärs nur einen Ausweg finden könne: durch Vermittelung. Ebenso habe der Abgeordnete für Eltville seinen An­trag unterstützt. Derselbe habe bestimmt ausgesprochen: er glaube, die Stände und das Land seien im Besitz­stand und hätten diesen zu wahren. Der Regierungs- Commissär spreche aber auch aus: die Regierung werde den Besitzstand wahren und gehe davon nicht ab. Wenn aber so beide Theile sprächen: wie sei ein Vergleich möglich? Daraus erhelle also, wie nothwendig es sei, einen Ausweg zu suchen zum Endziel. Ob sein An­trag der unbedingte Weg sei, dieses zu erzielen, könne er nicht behaupten. Doch habe cs ihm geschienen, daß es der einzige Weg sei, besonders insofern er nach sei­ner langen Erfahrung mit den Verhältnissen des Lan­des iil allen Theilen bekannt nnd vertraut zu fein glaube, und auch mit dieser Domänenfrage. Diese habe er vor Jahren als.Mitglied des Landtags durchgear- bcitet, später als Verstand der Regierung vor den

Landtag gebracht,

Welcher auch darin zu einem Be­

schlusse gokcmmou. Man sollte also glaube». Er kölilie sogleich in das bestimmteste Detail eiligeren und sich darüber ein Urtheil erlauben. Er gestehe aber offen, daß er das nicht könne. Er müßte erst neue Studien machen, Acten durchgehen, prüfen rc., um in einer so wichtigen und vielumfassenden Sache in genauere Erör­terungen einzugehen und sich ein Urtheil zu erlauben. Wenn er dieses offen gestehe, so frage er: ob Einer unter der Versammlung sei, dem die Dontänenfrage in allen ihren Theilen so klar, so positiv bestimmt vor Augen schwebe, in alten Nuancen ihrer Rechtsverhält­nisse dein Landesherrn und dem Lande gegenüber, daß er da ein Urtheil schon aussprechen könne? Er glaube

batte sie in Balognc ihr prachtvolles Zweigespann Isabellen ver­kauft. Bald darauf fällt die Dienerschaft, die ihre Livröe abge­legt hatte, gefolgt von andern Leuten mit Bittschriften in der Hand, die sie von der Herzogin bevorworten lassen wollten. Diese, meist ehemalige Gardisten oder junge Offiziere von der Cavallerie und dem ßHnsralstab, wünschten vom König das Kreuz der Ebren- legion, Aller Wunsch wurde erfüllt, blos ein Infanterie-offizier von der Garde kam zu spät. Er hatte zwar in den Julitagen einen polvtechniscken Schüler, der das Volk zum Kampfe anf- mnnterte, in den Tuilerien durch einen Schuß getödtet, er hatte sich in dieser nnd jener Straße, seinem eigenen Ausdrucke nach wie ein Hund" geschlagen, aber als er zur Bertheilung der Kreuze kam, waren alle vergeben und er zog leer ab.Das wird ihn lehren, zur richten Zeit kommen," sagte der Dauphin, Diese Kreuze wurden übrigens später von Louis Philipp annullirt.

Am 15. nm zehn Uhr Morgens, alö ich abgelöst wurde, fragte mich der König, ob ich vom Marsche müde sei? eine Familiari­tät, die midi so mehr überraschte, als er gewöhnlich gegen die Gardes du Corps ziemlich kalt war. Um eils Uhr brachten die Fah­nenträger unserer vier Compagnien, escorlirt von etwa dreißig Garden, dem Könige die Fahnen. Dieser erschien mit dem Herzog von Luxembourg, dem von Croy nnd der sämmtlichen königlichen Familie. Nachdem einer der Offiziere einige Worte gestammelt hatte, wurden die Fahnen zu Boden gesenkt. Der König nahm mit bewegter Stimme das Wort.Meine Herren", sagte er,ich danke Ihnen für die beispiellose Treue, die Sie mir bewahrt haben. Ich empfange Ihre Fahnen unbefleckt; ich hoffe, baß dieses Kind (hier drohte ihm die Stimme auszubleiben) sie Ihnen eben so zurückgeben wird." Tbränen standen in seinen Augen, die Dauphin schluchzte laut, die ganze Versammlung war traurig gestimmt; aber besonders ein Gardist zog durch seinen heftigen Schmerz die Aufmerksamkeit auf sich, so baß die Herzogin von Berry ihm einige Worte des Trostes znsprnch, ihren Sohn herbei- rief und ibn dem Mann in die Armee gab. Der Dauphin hatte sieb gleich zu Anfänge dieses Austritts nach dem Namen des jun­gen Mannes erkundigt und sich hierauf entfernt, um ein Papier zu holen, das er durch den Herzog von Bordeaux dem Soldaten übergeben ließ. In seinem Schmerz steckte es dieser in der Tasche

bas verneinen zu müssen. Nehme er tiefer an, dann werde es allerdings um so bedenklicher, wenn wir ans eine uns ungebetene nähere Kenntnißnahme nicht ein- gehen wollten. Er habe das früher berührt und schließe damit, daß nach seiner innigsten Ueberzeugung dem Lande und dem Landesherr» nichts vergeben wer­den solle und könne, wenn man seinen Antrag annehme, und daß er nur die segenreichsten Folgen davon er- toarte.

Reichmann: Seine Auseinandersetzung zu §. 84 der CodifieKion habe der Abg. für Wallmerod ent­gegen gesetzt, daß auch von Ihm (dem Redner) der §. zugegeben werde. Also sei nur eine verschiedene Auffassung des Gesetzes für die abweichenden Ansichten maßgebend. Bei Auslegung eines Gesetzes seien aller­dings verschiedene Ansichten leicht möglich. Aber nicht durch Stillschweigen dürfe man der Ansicht Raum ge­ben, als wolle man das Gesetz nicht zum Vortheil des Landes auslegen, âcr §. besage: "die Domänen sind Staakseigenthilitl." Darüber sei nicht zu streiten; die Regierung gebe "das zu. Auf dein Staatseigenthum haften Verbindlichkeiten, Rechte und Pflichten: primo loco die Snstentation deS Herzoglichen Haufes, neben bei auch die Berwaltungskosten, so weit möglich, zn be­streiten. Daß aus den Domänen bis jetzt LandeSauS- gaben mit bestritten werden, sei von Niemanden zu be­streiten. ES sei also nur die Frage: wie daS Maaß der für die Hofhaltung zn verwendenden Summe zu finden sei? Wenn der Ausschuß geglaubt, daß nur allein eine in einer fixen Summe bestimmte Civilliste den Rechten und der Zweckmäßigkeit entspräche, würbe er Gründe dafür wohl auseinander gesetzt haben, war« um ein anderer Weg den Rechten des Landes nicht entspreche. Das sei nicht geschehen und habe nicht ge­schehen können, weil eine Untersuchung aller thatsäch­lichen Fragen noch nicht stattgefnnden habe. Deßhalb habe er sich gern dem Wald erd orsffchen Antrag angeschlossen, weil er darauf hiiiauSgohe, jene Unter­suchung anzubahnen, damit darauf hin auch eine Grund­lage gefunden werden könne, wie die Commission der Staatsverwaltung Vorschläge machen könne, ob auf diese Weise oder auf jene Weise den beiderseitigen Rechten entsprechend am besten verfahren werde. Wir hätten kein Recht zu vergeben, werde gesagt werden, die Re­gierung eigne sich deu Besitzstand zu oder das Land er­lange dadurch mehr, als wenn alles in suspenso bleibe re. Der Ausschuß schlage vor: 345,000 fl. seien dem Besitzstände entsprechend. Das könne er nicht nachgeben im Interesse des Landes. Der Besitzstand sei doch auch der, daß nur aus Domänenemkünsteu et­was zur Sustentation des Herzoglichen Hauses genom­men werden solle, und nicht ein Kreuzer aus Laudes- eiuküusten! Bürge der Ausschuß dafür, daß bei jener Summe nichts aus Steuern genommen werde? Der Abgeordnete für Wallnierod könnte sich doch irren. Er habe die Rechnung v. J. 1852 geprüft; damals hätte sich die Einnahme nur um 12,000 fl. über die Budget- summe belaufen. Dieses Jahr werden die Domänen nach dem Budget nur 278,000 fl. rein ertragen; rechne man auch noch einen Ueberschuß von 1215,000 fl.

iiiiiniwii lllllIllllllll»llMaMaMBMUwwwMaJlWMm^

ebne es anzusehs»; erst bett andern Tag wußte er, daß er zum dritter der Ehrenlegion ernannt sei. Am selben Tage vertheilte man unter uns ein gedrucktes Exemplar folgenden Inhalts: Vom Boden Frankreichs scheidend wünschte der König einem jeden seiner Gardes du Corps, so wie einem jeden Ossizier und Soldaten, die ihn bis zn seinem Schiffe begleitet, einen Beweis seiner Anhänglichkeit und seines Andenkens zu geben. Aber die Umstäudc gestatten ihm zu seinem Bedauern nicht der Stimme seines Herzens zn folgen. Der Mittel beraubt, eine so rührende Treue zu vergelten, hat sich der König die Liste aller Gardisten, Ossiziere und Soldaten, die ihm gefolgt sind, überreichen lassen. Ihre Namen werden vom Herzog von Bordeaux ansbewahrt werden und in den Registern der königlichen Familie eingeschrie­ben bleiben, als Zeugen beS Unglücks des Königs und des Trostes, den er in einer so edlen Treue gefunden." Valogne 15. August 1830." Die Commissärs ließen dieses Papier ungehindert circnliren.

Am 16. um neun Uhr Morgens ging es nach Cherbourg weiter, zum Thor Frankreich«, durch welches schon manche gefallene Kronen gezogen sind. Der erste König, der hier seine Zuflucht fand, war der von seinem Sohne Sven entthronte König von Dänemark (ant Ende des zehnten JahrhunderlS). Er blieb poei Jahre da und vertrieb sich die Zeit mit gefesselten Eisbärm, die er im Meere spielen ließ. Nack ihm kam Mathilde, die Tochter Heinrichs I. von England und Wittwe Kaiser Heinrichs 1. Wei­ter beherbergte daS Schloß von Ckerbourg Johann ohne lanb. Hier ließ dieser seinen Neffen Arthur von eurem Felsen herab- stürzen. Der letzte Stuart, Jacob IL, den der letzte Bourbon zuni Vorbild genommen zu haben schien, landete tn Cherbourg im Jahre 1688. Ludwig XVI. und Napoleon waren einige Jahre vor ihrem Falle in Cherbourg. Don Pedro und Carl X. schließen die Reigen. , , .

Als wir in die Stadt einigen, wurde der Fürst von Croy, der mit einer weißen Feder am Hut an unsern Spitze ritt, vorn Volte ausaezischt.A bas Charles! h bas Capet! rief man, widere riefen :Es lebe Frankreich, cs lebe die Freiheit!" Als jedoch der königliche Wagen kam kurz vor Cherbourg hatte sich die gesamtste königliche Famile in Einen Wagen gesetzt »el-