SKM Nassauische Allgemeine Zeitmig
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Wiesbaden. IS54
Ur. 163.
Freitag, 14. Juli.
Zur orientalischen Frage.
* Es erheben sich viele Stimmen, welche die Ansicht aufstelleu, daß das deutsche Interesse vorerst eine unmittelbare Betheilung am orientalischen Kriege nicht erfordere. Das HaWsche «Bolksblatt für Stadt und Land-, erklärt wie jüngst der --Oesterreichische Soldatenfreund-- in einem längeren Artikel den Krieg zwischen Oesterreich und Rußland für eine große Calamität und die «Triester Zeitung«, welcher eine verständige und umsichtige Betretung der deutschen Haudelsinteressen nicht abzusprechen ist, erklärt, daß das russische, durch den Besitz der Krim allenfalls zn erhaltende Ueberge- Wicht im schwarzen Meer weniger zu fürchten sei, als F»es ber Engländer, welche damit umgehen, dort befestigte Stationen zu errichten um sich bleibend uicdcr- zulassen. Im deutschen Interesse liege es daher, vorläufig neutral zu bleiben, die mächtigen Gegner Rußland sowie Frankreich und England sich gegenseitig schwächen zu lassen, um, wenn der Augenblick gekom- mcii, mit unversehrter Kraft die Friedensbedingungen dictiren zu können.
Das --Bolksblatt« motivirt seine Ansicht in einem längeren Artikel, dem wir folgendes entnehmen: Die Diplomatie der irdischen Mächte ist zwar für das Auge gewöhnlicher Sterblichen in ein Geheimniß gehüllt, welches erst die That und die Zeit zn enthüllen pflegt; aber so viel läßt sich doch — ohne Hexerei — aus der Lage der Dinge etwa abnehmen, daß es vorzüglich zwei Richtungen sind, welche hier in Betracht kommen uub den mehr privaten Motiven und Zeitgeist-Sympa- thieen, die dort wie überall existiren mögen, einen reellen Anhaltspunkt verleihen. Die erste derselben, wenn auch nicht die vorzüglichste, ist die Rücksicht auf dieZRevolutiou. Es ist namentlich Frankreich, das diesen Hebel auf eine doppelte Weise in Bewegung zu setzen gesucht hat, um wo möglich Oesterreich für die moderne Travestie des Krenzzuges von 1189 zu gewinnen. (Richard Löwenherz von England, Philipp August von Frankreich und Erzherzog Leopold von Oesterreich waren, wie bekannt, die vorzüglichsten Fürsten dieses 3^WtM WM -> richten weiß.) Die Revolution absichtlich loszNlapfcu, dazu ist Ludwig Napoleon ein zu kluger Manu; aber indem er ihr kleine Seitenblicke zuwirft und sie unter der Hand ermuthigt, schafft er sich zugleich den zweiten Vortheil gegen die Cabinette seinen Conservatismus herauskehM zu können, sich als den Manu darzuftcl- len der — mit dem Bokksausdruck zu reden — zuch- tuum und loslassen kann. Man wird sich der Ziemlich Kn Drohung, wenn sie auch in diplomatische Ausdrücke gekleidet war, erinnern, mit welcher vor einigen Monaten der Franzosenkaiser Oesterreich aus Italien hinwieS. Auch seitdcin hat cs nicht an Demonstrationen in diesem Sinne gefehlt: man laßt Italien von Mura- tistischen Agenten bereisen und sucht Häkeleien mit Neapel. Man sucht das saubere Sardinien m fein Dündniß zu ziehen. Man gestattet dcik Polen in Pâns, so zu sagen: das Königreich Polen zu proclamwen, und trifft Einleitungen zur Bildung einer «polnischen Legion« in Konstantinopel; der fette Berg-Prinz sammelt dort um sich, was er von Revolutionshäuptern habhaft wird
WW
Ein Ro m a n im Kerker.
Sine Erzählung in drei Capiteln.
(Fortsetzung.)
Zweites Eapitcl.
Die CorrespondeNz.
Es dauerte doch einige Tage, bis der Profoß ein Buch M mich brachte. Es war ein Roman, und zwar Capita» M«- rvat's Ardent Troughton." Nina hatte es ihm mit dem Zumsche Lrgân , dasselbe mir einzuhÄdige«. Sie bemitleidete uns, sa'äke er indeur sie gehört hätte, daß wir nichts zu lesen hätten. Ich hatte also gut gethan, mich auf ihre AwbiuationsgWe zu verlassen. Mem letzter Wunsch, den ich ihr durch die schnür ausdr tckte eutsprana dem Gedanken, ein Buch könne der beste Träger einer mftukmtpfenden Correspoânx sein. Sie tu» die Äukiutpsuug einer Correspoân^ DieckUg äckliche. Dlpch fünf sie mit Niemand tu Verbindung gestanden, N le
5 mm die Gelegenheit der eM ch verstandenen
Kuotenfchrist, ihr Herz vor einem auözuichutün, den dem sie hoffte, daß^ er sie verstehen würde. „ . me;ner
Der „Ardent Troughton" ging durch fast alle Hände meiner Gefährten. Ich taunte das Buch schon von Mer her und batte keine Lust, dies Gemisch von Unnatur und Fäsums , v Scbwulst und Scheinleben noch einmal zu lesen.
ich das Buch erst absichtlich bei den Andern curfiWb um- » nigstens, der Letzte, in die Haude z»r bekonnnen. Dies- geschah — vierzehn Tage nachdem es der Profotz ,iberbracht hatte. Ach. iin Leben des Gefangenen sind Minuten wie Monden und Moir- dm wie Minuten! Ein Gedanke, den man in der Freiheit > u Nu aussithrt, bedarf, um erst einen Schimmer von MnvirUd) nm zu erreichen, hinter Kerkërmanern Wochen., Fch iM d^ ^tH über Nacht bei mir. Auf die weiße Juscite des Deckels schrieb ich mit Bleistift folgende Verse, einen Umschreibung von Goethe r „Trost in Thränen" :
I mid stellt den ungarischen general Klapka selbst Sr. Mas. dem Sultan vor; die hübsche kleine Frau Kaise- rm in Paris hält, wie inan sagt, gar Unterredungen mit dem Expater Ventura und versucht, ob sich aus dem wilden Jacobmer nicht ein gezähmter und nützlicher machen laßt. Sicher, so rauscht es in allen ver- welschten Zeitungsblättern, sei Oestreich nur wenn es mitgulge gegen Rußland. Die Berliner -'Bolkö- zeitunga, die über ihr rothes Gewand jetzt einen Mull- Ueberwurf von der Farbe der Unschuld trägt welcher icne kräftigere Farbe nur gedämpft durchscheinen läßt verspricht dem jungen Kaiser sogar, daß er dann sogar Mazzini und Kossuth in den Sympathien seiner Unterthanen, die jenen anhangen, ausstechen werde.
Doch soll es mit dem allen ja nicht Ernst sein. Im Gegentheil : jetzt komint die andere Seite, gleichsam der Einschlag, der jenen Zettel des Gewebes überall durchkreuzt. Den Polen drückt man zur Abwechslung wieder den Daumen aufs Auge, es muß nur ein vorübergehender Rausch, gleichsam ein unbewachter Moment gewesen sein; der Berg-Prinz erhält einen unwilligen Wick, wie wohlzogene Väter ihren wohl- zogenen Kindern ihn in Gegenwart anderer Leute gern zuwerfen; General Wysocki —- oder wie der Alaun heißt — muß sogar ein Schreiben an seine Landslente in die öffentlichen Blätter rücken, dessen wesentlicher Inhalt ift: «es sei noch nicht an der Zeit.« Man überreicht in Turin eine Note, worin man die dortige revolutionäre Regierung ein bischen schulmeistert und auf die gegen «andere Mächte« nöthige Rücksicht verweist. Ja der --Moniteur-- läßt sich schreiben, daß die Flüchtlings - Laiidung bei Sarzana von — der r u s s i- schen Regierung angestiftet sei. Diese Erfindung ift wirklich zu kostbar, um sie bald wieder loszulassen. Wenn --Moniteur-- einen Ton anschlägt, so gebt auch in Deutschland der Tanz los — es kann nicht anders sein, schon von 1806 her, und in allen dentsch-ivelschen Blättern, rauscht es wiederum plötzlich von russisch^ Revolution«-Agenteu und von russischen Sympathien der Rothen in Italien. Natürlich ist inan höchst in- diguirt über die frevelhafte Inst ' - ' '
I*
tionären und contrerevolutionären Sympathien so viel g^tur, daß sie wie Kunst, oder so viel Kunst, daß sie wie Natur aussieht — uns scheint cs zwar ziemlich plump; aber wir möchten nicht darauf wetten, daß es nicht bei manchen Leuten doch seine Wirkung hat. Die Formel, welche daraus hervorgeht, ist: Dem Osten gebühre Dank für seine Vertretung couservativer Interessen; --aber man solle sich auch dem Westen nicht entfremden.« „ „ „ „., e V
Es könnte sich bei solchem abwagcndcn Blick nach beiden Seiten leicht in der äußern Politik, bewußt oder unbewußt, wiederholen, was auch in der innern heutzutage nicht ohne Beispiel ist: nach der Rechten denkt man schon eher etwas wagen zu können, weil man eS da schlimmsten Falls doch immer mit loyalen Sollten ui thun hat; nach links meint man schon mehr Umstände machen, sich in W nehmen zn müssen. _ Den Treuen wird auf getrumpft, die Untreuen muß man schonen und gewinnen. — Auch uns erscheint die 9ie= volution keineswegs eine verächtliche Gegnerin, wir ha-
Warum grämt sich dein Herz so sehr?
Wie kommt es, daß du weinst?
Kennst du denn keine Freude mehr?
Du warst doch froher einst?
„Weil ich verseufz' in Kerkersnacht
Des Lebens Blütcuzcit,
DaS ist es, was mich traurig inacht,
Das ist mein Herzeleid!"
Hat thellnahuivolleS Slitlen nie
Dir deine Nacht erhellt?
Erschloß dir nie dw Poesie
Im Kerker ihre Welt?
„Ich traf deS Mitleids Engel,pur
Und blieb der Leier treu,
Doch weckte eS die sebuslicht nur
Wach dem verlornen Mm."
Hast du zum Sterneichimmel o,t
Ju Nachts» aufgcfchaul
Und nie geahnet, nie gehofft,
Daß einst ein Morgen graut.
„Wol zu den Sternen blickte id;
Dies alte des Kerkers Nacht
Und hoffe, daß auch einst für mich
Der Freiheit Morgen lacht."
Bald chrrauf erhielt ich ein Zweites Buck). Sö war «m alte
die Spur von Geschriebenem zu fiiidcn. Ich verzwelftw schon und wollte das Buch zurückschickeu, aber bad „C hcichez 11 niiti unmöglich durch Zufall dorthin gejdiriekn feilte ^ le,ch das Buch nach einmal anfiiierksam von allen -Seiten und entdeckt», endlich nach langem Suchen im Rücken ein schmal zuimummgc. salkteö Zettelchen. Es war blos all seinem obern äußersten Ciide hiueingcUebt und konnte mit leichter Blühe herauSgeuonimen wer- ^"'„Mcin Herr! Sie hatten die Güte, mir eine Probe Ihres
.^Wiederholt ausgesprochen: cs wird und nicht überraschen, wenn sie plötzlich über den Häuptern der fuß wieder euigeschlafenen Herrn Philister in voller Nustnng wieder dasteht ft aber das wissen wir, daß, wenn sie Siege erficht, niemand anderein die Ehre davon gebührt, als der Bureaukratie.
™ .Au ungleich wichtigeres bewegendes Moment in ber
D sind jedoch seine eigenen Interessen
nn Ouentc. Mag die Donauschifffahrt noch so unbedeutend sein und auch für die Zukunft durch die Natur dieses iLtromes nicht allzuviel versprechen (das scheint uns gewiß, daß das goldne Bließ nicht mehr am schwarzen Meere hängt und was die neuen Arao- plötzlich unsre türkenfteundlichen
M hervorthun, dafür zeigen, ein ganz gewöhnliches Bocksfell ist): immer ist der Lauf eines lebendigen Wassers ein Finger Gottes, der wohl die ^vege und Gedanken^ der Völker weisen kann, nnd neeß weniger kann cs Oesterreich gleichgültig sein, wem die
^lammverwandtschaft, Sprache und Kirche mit K ^clncr ^lgenen Unterthanen znsaimnenhänaen- den Volker an seinen Grenzen gehorchen. Mehr ' als das — Oesterreich hat nicht blos Interessen, es hat eine Mission tut Oriente, und hat an jenen -'Interessen-- das übrige Deutschland herzlich wenig Theil, so hangt doch eine Ehre und ein weltgeschichtlicher Beruf des deutschen Namens an dieser Mission seiner --Ost- mark.--
Das Bolksblatt meint, nur in i t Rußland im Einverständnisse könnte Oesterreich sein Ansehen im Orient starten, feinen Fuß dort festsetzen; gegen Rußland und mit den -- Angls- Turko - Franzosen« (ein vortrefflicher Ausdruck von der Erfindung österreichischer Blätter) müsse, es seine Kräfte nutzlos verfchwenden und werde es zuletzt — das Zusehen haben. Wer an dir Phrase «die Jntregrität der Türkei ist garautirt«, die nachgerade von der Lächerlichkeit, die sich daran hängst gerade so todt gehetzt wird, wie die Phrase «das Eigenthunt ist garautirt-- im Jahre 1848 -— wer an diese Phrase glaubt, dem fei nicht zu rathen noch zu helfen Aber liege" es'
feu gehabt hätte. Hier — in der sogenannten enropär- x schen Türkei liegen, wie Esau und Jacob im Mutter- schooßc, zwei Völker beisammen und «stoßen sich«. Ein Volk von noch nicht 2 Millionen (so hoch ist nach den neuesten Hilfsmitteln die Zahl der Heiken — oder richtiger gesagt: der Antichristen dort (Türken und Arnauten, denn die erster» allein machen wenig über eine Million ans) zu schätzen), cioili,atioi!Sunfähig, sittenlos, faulend, an Macht, an Fleiß, selbst an Zahl in fortwährender Zlbnahmc begriffen, und ein Volk von 12—15 Millionen, zwar aus mancherlei Stämmen gemischt, aber auf's engste kirchlich verbunden. — in einer auffallenden Verjüngung begriffen, wachsend an Zahl, an Gesittung, an Rührigkeit. Auch vor dem Rickfter- siuhle der bloßen Klugheit, die nicht darauf sieht, daß dieses durch das Band der Taufe und des Glau- bèus verbundene Brüder, jenes Lästeret, Schänder, Blutfeinde des christlichen Namens sind, —^könnte eö, wie gesagt, nicht zweifelhaft sein, welche von beiden Parteien zu ergreifen.
aeftbäbten TäleMs zu Werfenden. Wie sehr haben Sie mich bat durch erfreut und zu Danke verpflichtet. Wein von tiefer Ataue- gequältes, blutendes Herz glaubte und hoffte! EH^wundcU- ftete die reine göttliche Poesie. Aber ach! Zu bald schwand der schöne Traum mit der wiederkehrenden Ueberzcngnng, dciß kem Stern tröstend in meine Nacht schimmert, und verloren war Glaube und Hossntmcr! . . . Froh war ich nie. Mein Dasein war immer teer an Freuden, so leer, wie bad Herz des MusensohneS voll ist mit Treue für seine Muse. Alles kann dem Dichter genommen werden, mir sie nicht. Die Lyr»r ist ihm die Leiter zum Himmel und bringt ihm Bewunderung und Segen von Allen, bie ihn verstehen. Nehmen Sie diese Worte nicht ungüüg auf.
Mit Lichtung. N i il a."
In der FeMÄ selbst, welche auch einige tausend Civilbewoh- ner in sich faßte, befand sich eine kleine Leihbibliothek. Unterbau tenbe' Seetüre war inte bewilligt. Der Katalog dieses Cabrnet de lecture war jedoch ein zu sehr „vorsündfiutlicher", als d-fti ich Lust verspürt hätte, ein Viitglied dieses CabinetS zu wcroeu. Jetzt aber war es anders. Ich brauchte Bücher um icdc» tob am Ende: der Zweck „heiligt die Wittels', .^wollte auch meiner Nachbarin Bücher schicken, da sie w b^ftilwillig aufgefordert mir bereits bereu zwei zuchmmcu üeß. M L eines Tages älfö in jene Leihbibliothek und ließ ch^ f g^ Monate adomnren. Und wenn von w nn-nch».« D »hc .
werden kann, bet Einbaue sei an «M®
Cvnrspvndcn; und beut Blick in ein merkwürdige» Wart* S ki gewonnen, daß ich immer mit bet größten Ungeduld ' S die Antworten harrte tob auch mit den meinigen mcht lange .a.erte DaS Geheimniß und die Gefahren, mit welchen dieser N-e Briefwechsel verbunden war (Schreibmaterial»-» Waren m re».Kerkern aufs strengste verpönt), hatten einen elgcüthnmll».,e